Ein großflächiger Stromausfall im Südwesten Berlins hat zuletzt deutlich gemacht, wie verletzlich die Energieversorgung selbst in urbanen Räumen ist. Neben akuten Einschränkungen im Alltag stellt sich für viele Haushalte und Betriebe vor allem eine Frage: Welche Schäden sind versichert – und wo greifen Versicherungen nicht mehr?
Sachschäden im Blackout: Versicherungsschutz im Überblick
Grundsätzlich gilt: Nicht der Stromausfall selbst ist versichert, sondern nur der Sachschaden, der als Folge entsteht. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin. Für private Haushalte kommen insbesondere folgende Schäden infrage:
- Leitungswasserschäden, etwa durch eingefrorene oder geplatzte Rohre infolge ausgefallener Heizsysteme
- Einbruchdiebstahl, wenn Sicherungssysteme außer Betrieb sind
- Verderb von Gefriergut, sofern dieser ausdrücklich im Hausratvertrag mitversichert ist
Welche Leistungen greifen, hängt stets von den individuell vereinbarten Bedingungen im Wohngebäude- oder Hausratvertrag ab.
„Stromausfälle wie jetzt in Berlin zeigen, wie verletzlich unsere Infrastruktur ist. Versicherungen können viele Schäden auffangen, aber eben nicht alle“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. Umso wichtiger sei es, kritische Infrastrukturen widerstandsfähiger zu machen und auch die Bevölkerung besser vorzubereiten.
GDV-Empfehlungen: Schäden vorbeugen, Risiken vermeiden
Gerade in der kalten Jahreszeit rät der GDV zu konkreten Schutzmaßnahmen:
- Trinkwasserzufuhr am Hausanschluss absperren
- Wasserführende Leitungen – wenn möglich – entleeren
- Eingefrorene Leitungen nur nach Absperren der Wasserzufuhr und unter Aufsicht auftauen
Von improvisierten Heizlösungen warnt der Verband ausdrücklich. Gasbetriebene Heizgeräte oder Holzkohlegrills in Innenräumen bergen Lebensgefahr durch Sauerstoffmangel oder Kohlenmonoxid. Regulär abgenommene und ordnungsgemäß betriebene Kaminöfen gelten hingegen als unkritisch.
Unternehmen: Betriebsunterbrechung als Risikofaktor
Für Betriebe kann ein Stromausfall weitreichende Folgen haben – insbesondere dann, wenn ein Sachschaden den Geschäftsbetrieb zusätzlich lahmlegt. In solchen Fällen kann eine Betriebsunterbrechungsversicherung greifen. Für bestimmte Branchen, etwa die Lebensmittelwirtschaft, existieren zudem Spezialdeckungen, die den Verderb von Kühlgut infolge eines Stromausfalls absichern.
Schaden melden: Hinweise der Feuersozietät Berlin Brandenburg
Nach dem Stromausfall hat auch die Feuersozietät Berlin Brandenburg ein kompaktes FAQ veröffentlicht, um Versicherungsnehmern Orientierung zu geben. Wichtige Punkte:
- Schadenmeldung jederzeit telefonisch oder online möglich
- Zeitfenster: möglichst innerhalb von 24 Stunden
- Angaben: Datum, Ort und Beschreibung des Schadens
- Auch aus dem Ausland oder durch Angehörige kann ein Schaden gemeldet werden
- Fehlende Informationen lassen sich nachreichen
- Versicherungsschutz ersetzt keine Infrastrukturvorsorge
Der aktuelle Stromausfall zeigt: Versicherungen können finanzielle Folgen mindern, aber strukturelle Risiken nicht beseitigen. „Manche Folgen eines Stromausfalls lassen sich mithilfe einer Versicherung auffangen, aber bei Weitem nicht alle“, betont Asmussen. Die Debatte um Resilienz kritischer Infrastrukturen dürfte daher weiter an Bedeutung gewinnen – nicht nur in Berlin.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Naturgefahren 2019: Deutschland mit Glück im Unglück
Kfz-Versicherer in der Krise: Kostenschub reißt Milliardenlöcher
IT-Ausgaben der Versicherer auf Rekordhoch
Balkonkraftwerke: Künftig über die Hausratpolice versichert
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
GDV: Beiträge wachsen – doch „die Spielräume werden kleiner“
Überschussbeteiligung 2026: Lebensversicherer erhöhen weiter
Debeka ist „Arbeitgeber des Jahres 2026“ in der Versicherungsbranche– ein Signal für den Binnenmarkt Versicherung
Skiausrüstung auf dem Autodach: Wenn der Weg in den Winterurlaub teuer endet
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.












