Gesundheitswesen: Fallpauschalenkatalog 2026 steht

Im neuen Fallpauschalenkatalog 2026 einigen sich GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft und PKV auf ein erweitertes Abrechnungssystem. Welche Rolle die Hybrid-DRGs künftig spielen, warum die Ambulantisierung weiter an Bedeutung gewinnt und wie die Entgeltkataloge die Budgetverhandlungen der Kliniken beeinflussen.

(PDF)
Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-SpitzenverbandesStefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-SpitzenverbandesGKV-Spitzenverband

Die Selbstverwaltungspartner im Gesundheitswesen – GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) – haben sich auf den Fallpauschalenkatalog (aG-DRG) für das Jahr 2026 verständigt. Der seit 2004 jährlich fortgeschriebene Katalog bildet die Grundlage für die Abrechnung von mehr als 17 Millionen stationären Fällen in deutschen Krankenhäusern und ist damit eines der zentralen Steuerungsinstrumente des stationären Sektors.

Einigung trotz schwieriger Ausgangslage

Die fristgerechte Einigung war in diesem Jahr besonders anspruchsvoll, da die verbindliche Festlegung des Hybrid-DRG-Katalogs durch den erweiterten Bewertungsausschuss erst am 11. November 2025 erfolgte. Die Hybrid-DRGs definieren Leistungen, die sowohl stationär als auch ambulant erbracht werden können – und deren Volumen wurde deutlich ausgeweitet: von bislang rund 270.000 auf etwa eine Million Fälle. Diese Ausdehnung war maßgeblich für die Finalisierung des DRG-Katalogs 2026, da die Übergänge zwischen stationären und ambulanten Behandlungspfaden zunehmend ineinandergreifen.

Klarer Auftrag: Ambulante Versorgung stärken

Für Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, ist die Ausweitung der Hybrid-DRGs ein zentraler Schritt für ein effizienteres Versorgungssystem. Ihre Position ist deutlich: „Die Ausweitung der Hybrid-DRGs auf nunmehr eine Million Fälle ist ein überfälliger Schritt hin zu einer bedarfsgerechten Versorgung. Um die Gesundheitsversorgung für die Beitragszahlenden finanzierbar zu halten, müssen wir die Ambulantisierung konsequent vorantreiben.“ Sie kritisiert insbesondere das noch immer verbreitete Prinzip „mehr Ressourcen für weniger Fälle“ im stationären Bereich. Aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes müsse gelten:

  • ambulant vor stationär, wenn medizinisch sicher und wirtschaftlich sinnvoll,
  • Entlastung der Versicherten durch weniger unnötige Klinikaufenthalte,
  • Konvergenz der Vergütungssysteme, um Fehlanreize zu reduzieren.

Auch mit der Ausweitung der Hybrid-DRGs sieht Stoff-Ahnis das Ziel jedoch nicht erreicht: Die Vergütungssysteme zwischen ambulantem und stationärem Sektor seien weiterhin zu unterschiedlich, und eine umfassende Angleichung stehe erst am Anfang.

Kataloge veröffentlicht – neue Informationen zu Vorhaltekosten

Die jetzt verabschiedeten Entgeltkataloge wurden bereits auf der Website des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) bereitgestellt. Sie dienen Krankenhäusern und Kostenträgern als verbindliche Grundlage für die anstehenden Budgetverhandlungen für das Jahr 2026.

Eine wichtige Neuerung ist der nachrichtliche Ausweis von Bewertungsrelationen für Vorhaltekostenanteile. Diese zusätzliche Information soll Transparenz schaffen, da Vorhaltekosten künftig eine größere Rolle in der Krankenhausfinanzierung spielen werden – insbesondere im Rahmen der geplanten Neuausrichtung der Finanzierung weg von Fallzahlen hin zu Struktur- und Leistungsbereitschaftskomponenten.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Florian Reuther, dem Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV).Florian Reuther, dem Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV).PKV-Verband
Gesundheitsvorsorge

Stiftung Warentest prüft PKV-Tarife – PKV-Verband kritisiert Bewertungskriterien

Viele Tarife der privaten Krankenversicherung (PKV) weisen Leistungslücken auf und bieten keinen umfassenden Schutz, so ein zentrales Ergebnis eines aktuellen Tests der Stiftung Warentest. Der PKV-Verband kritisiert jedoch die Bewertungsmethodik.
Stethoskop mit Geld und einem PflasterStethoskop mit Geld und einem PflasterHNFOTO – stock.adobe.com
Politik

Viel teurer, wenig besser – Krankenhausreform der Bundesregierung

Der GKV-Spitzenverband unterstützt die Reformziele des Gesetzentwurfes mit Blick auf die Sicherung der Behandlungsqualität und der flächendeckenden medizinischen Versorgung in Stadt und Land. Doch die Finanzierungspläne treten in der schwierigen Finanzsituation der GKV eine Kostenlawine los, die auf die Beitragszahlenden der GKV zurollt.
Bett in Krankenzimmer in Krankenhaus bei NachtBett in Krankenzimmer in Krankenhaus bei NachtRobert Kneschke – stock.adobe.com
Assekuranz

Bundesländer müssen endlich ihrer Pflicht nachkommen!

Der bestandserhaltende Investitionsbedarf der Krankenhäuser liegt bundesweit bei rund sieben Mrd. Euro pro Jahr. Die Bundesländer decken aber seit Jahren nur etwa die Hälfte dieses Bedarfes ab, obwohl sie gesetzlich zur Finanzierung der Investitionskosten verpflichtet sind.
Side view of young female surgeon tying her surgical maskSide view of young female surgeon tying her surgical maskgpointstudio – stock.adobe.com
Assekuranz

136 Krankenhäuser im ländlichen Raum werden durch die Krankenkassen gefördert

Bedarfsnotwendige Landkrankenhäuser werden durch GKV und PKV mit eine, finanziellen Zuschlag gefördert, um die stationäre Versorgung der Bevölkerung wohnortnah zu sichern. 2024 erhalten 136 Krankenhäuser eine pauschale Förderung von insgesamt 67,2 Mio. Euro.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht