Testamente in Deutschland: Regelungswille trifft Umsetzungsdefizit

Viele Menschen haben klare Vorstellungen davon, was nach ihrem Tod mit ihrem Vermögen geschehen soll – doch nur wenige setzen diesen Willen tatsächlich in die Tat um.

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Eine aktuelle Allensbach-Studie im Auftrag der Deutschen Bank zeigt ein deutliches Missverhältnis zwischen dem Bewusstsein für die Bedeutung eines Testaments und dessen tatsächlicher Umsetzung. Der Text erschien zuerst im expertenReport 10/25.

Testament: Letzter Wille in geordnete Bahnen

Ein Testament ist eine letztwillige Verfügung, in der eine Person verbindlich regelt, wer nach ihrem Tod ihr Vermögen erhalten soll. Es erlaubt Abweichungen von der gesetzlichen Erbfolge und schafft Klarheit in oft komplexen Familiensituationen. Wer rechtzeitig Vorsorge trifft, kann damit nicht nur Streit vermeiden, sondern auch individuelle Wünsche präzise festhalten.

Die Studie zeigt jedoch: Nur ein gutes Drittel der potenziellen Erblasser hat tatsächlich ein Testament verfasst. Rund vier von zehn Befragten haben sich zwar bereits mit dem Thema beschäftigt, aber bislang nichts schriftlich niedergelegt. Besonders deutlich wird das Altersgefälle: Während bei den unter 50-Jährigen lediglich elf Prozent ein Testament haben, liegt der Anteil bei den über 65-Jährigen bei rund fünfzig Prozent. Das Durchschnittsalter beim Verfassen eines Testaments beträgt 58 Jahre.

Formen und Inhalte

Ein Testament kann handschriftlich erstellt, notariell beurkundet oder gemeinschaftlich als „Berliner Testament“ verfasst werden. In der Praxis dominieren noch immer eigenhändige Testamente: Mehr als die Hälfte der bisher verfassten Testamente liegt in dieser Form vor. Rund 52 Prozent wurden gemeinschaftlich mit dem Ehepartner erstellt. Der Anteil der klassischen Berliner Testamente ist in den letzten Jahren dagegen gesunken – von 59 Prozent im Jahr 2018 auf 42 Prozent im Jahr 2024. Immer mehr Menschen suchen stattdessen nach individuelleren Lösungen.

Nur ein kleiner Teil der Erblasser überprüft die einmal getroffenen Regelungen regelmäßig. Knapp 20 Prozent werfen gelegentlich einen Blick auf ihr Testament, 16 Prozent haben es bereits einmal geändert.

Aufbewahrung: Unsicherheit bleibt

Ein weiteres Problem liegt in der Aufbewahrung. Nicht einmal die Hälfte der Erblasser informiert ihre Nachkommen darüber, wo das Testament aufbewahrt wird. Dabei existieren verschiedene sichere Möglichkeiten: 39 Prozent setzen auf Notare oder Anwälte, 16 Prozent auf das Nachlassgericht. Zehn Prozent lagern ihr Testament im Bankschließfach oder privaten Tresor, nur acht Prozent im Zentralen Testamentsregister.

Beratung wird wichtiger

Die wenigsten Erblasser schreiben ihr Testament ohne Hilfe. 88 Prozent der Befragten haben sich beraten lassen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2012 (72 Prozent). An erster Stelle stehen Notare (55 Prozent), gefolgt von anwaltlicher Beratung (17 Prozent) und selbstständiger Information im Internet (13 Prozent). Auch das persönliche Umfeld wird hinzugezogen, während Bankberater nur eine geringe Rolle spielen.

Zwischen Bewusstsein und Umsetzung

Die Ergebnisse verdeutlichen ein Spannungsfeld: Vielen Menschen ist die Bedeutung eines Testaments bewusst, aber die praktische Umsetzung bleibt oft aufgeschoben. Hinzu kommt die sinkende Popularität klassischer gemeinschaftlicher Testamente und die Zunahme individueller Lösungen, die stärker auf komplexe Familienkonstellationen eingehen.

Gerade weil Erbstreitigkeiten zunehmen und Lebensverläufe vielfältiger werden, ist die rechtzeitige, transparente und rechtssichere Testamentsgestaltung entscheidend – idealerweise mit fachlicher Begleitung. Wer klare Regelungen trifft, verschafft seinen Nachkommen nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch den emotionalen Vorteil, im Ernstfall nicht zusätzlich über den Nachlass streiten zu müssen.

Zur vollständigen Studie gelangen Sie hier.

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