IMK warnt: Ohne Haltelinie droht Vertrauensverlust in die Rente
Das IMK der Hans-Böckler-Stiftung stellt sich hinter die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus – und sieht darin keinen Generationenkonflikt, sondern ein soziales Gebot. Doch wie lange bleibt die gesetzliche Rente finanzierbar, wenn Reformen weiter vertagt werden?
Die Debatte um das Rentenpaket 2025 bekommt neue Impulse aus der Wissenschaft. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung bewertet die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus nicht nur als sozialpolitisch notwendig, sondern auch als generationengerecht und finanzierbar. Eine dauerhafte Haltelinie sei entscheidend, um den Lebensstandard zu sichern und das Vertrauen in die gesetzliche Rente zu stärken, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme für den Bundestags-Ausschuss für Arbeit und Soziales.
Dauerhafte Stabilisierung statt Frist bis 2031
Laut IMK-Rentenexpertin Dr. Ulrike Stein sollte die Stabilisierung nicht, wie im aktuellen Gesetzentwurf vorgesehen, auf das Jahr 2031 befristet sein. Eine dauerhafte Regelung würde die intergenerationelle Fairness sichern und drohende Armutsrisiken im Alter verringern. „Von der Stabilisierung profitieren Jung und Alt gleichermaßen – jüngere Generationen werden nicht benachteiligt“, betont Stein.
Eine IMK-Studie zeigt: Eine langfristige Stabilisierung erhöht für alle Geburtsjahrgänge von den 1940ern bis in die 2010er-Jahre die interne Rendite der gesetzlichen Rente. Damit erhalten sowohl heutige Erwerbstätige als auch künftige Beitragszahler im Verhältnis zu ihren Einzahlungen überproportional mehr Rentenleistung.
Finanzielle Tragfähigkeit und Bundeszuschüsse
Die Forschenden verweisen zudem auf die gesunkene Beteiligung des Bundes an der Rentenfinanzierung. Während die Ausgaben für Altersrenten seit 2003 um 16 Prozent gestiegen seien, sank der Bundesanteil gemessen am Bruttoinlandsprodukt von 3,5 auf 2,7 Prozent. Laut Deutscher Rentenversicherung klafft hier eine Finanzierungslücke von rund 40 Milliarden Euro, da Zuschüsse die gesamtgesellschaftlichen Aufgaben der Rente nicht vollständig abdecken. „Die gesetzliche Rente bleibt finanzierbar – wenn die Politik bereit ist, ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen“, resümiert Stein.
Kritik an Mütterrente III und Schwerpunktsetzung
Das Rentenpaket 2025 sieht auch die Einführung der Mütterrente III vor. Diese vollständige Gleichstellung der Kindererziehungszeiten hält Stein aus Gerechtigkeitsperspektive zwar für nachvollziehbar, kritisiert jedoch die volkswirtschaftliche Effizienz: Die Maßnahme koste etwa fünf Milliarden Euro, bringe aber pro Kind oft nur 15 Euro netto monatlich.
Grundsätzlich bewertet das IMK das Rentenpaket als Schritt in die richtige Richtung, mahnt aber eine stärkere Verzahnung von Renten- und Arbeitsmarktpolitik an. Statt auf verlängerte Lebensarbeitszeiten und Anreize für Rentnerjobs zu setzen, sollten laut Stein ungenutzte Erwerbspotenziale bei Frauen, jungen Menschen und Personen mit geringem Bildungsniveau aktiviert werden. Notwendig seien strukturelle Reformen im Steuer- und Abgabensystem sowie der Ausbau von Kinder- und Pflegeinfrastruktur.
Hintergrund
Seit den späten 1970er-Jahren ist das Rentenniveau von knapp 60 auf rund 48 Prozent gesunken, während der Beitragssatz nur leicht auf 18,6 Prozent stieg. Ohne Gegenmaßnahmen drohe die gesetzliche Rentenversicherung, einen wachsenden Teil der Kosten auf die Grundsicherung zu verlagern – mit steigenden Armutsrisiken im Alter.
Über die Studie:
IMK Policy Brief Nr. 200, November 2025: „Die Stabilisierung des Rentenniveaus bringt einen generationsübergreifenden Nutzen mit sich“ (Dr. Ulrike Stein)
IMK Policy Brief Nr. 186, Februar 2025: „Stabilisierung des Rentenniveaus: Wer verliert und wer gewinnt wirklich?“ (Semeano/Dullien/Logeay/Stein)
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