Rentenpaket: Modellrechnung zeigt höhere Renten und überschaubare Kosten

Veröffentlichung: 25.11.2025, 11:11 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Nach der scharfen Kritik am Rentenpaket – unter anderem durch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm (experten.de berichtete) – legt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) eine weitere Auswertung seiner Rentensimulation vor. Die Forschenden argumentieren, dass eine Stabilisierung des Rentenniveaus sowohl die Renditen für nahezu alle Geburtsjahrgänge erhöhe als auch den Bundeshaushalt nur moderat belaste.

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Das Rentenpaket der Merz-Regierung steht weiterhin unter Druck.Das Rentenpaket der Merz-Regierung steht weiterhin unter Druck.DALL-E

IMK stellt sich erneut gegen Vorwurf der Generationenungerechtigkeit

Das Rentenpaket der Merz-Regierung steht weiterhin unter Druck: Ökonomen, Wirtschaftsverbände und die Junge Union kritisieren es, fordern Änderungen oder lehnen es ab. Einer der konsequentesten Verteidiger des Vorhabens ist jedoch das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Bereits im Frühjahr hatte es in mehreren Analysen, über die experten.de berichtete – darauf hingewiesen, dass eine Stabilisierung des Rentenniveaus langfristig positive Effekte entfalten könne.

Die nun veröffentlichte Erweiterung der Berechnungen stützt diese Einschätzung erneut. Laut IMK steigt die interne Rendite der Alterssicherung für alle untersuchten Jahrgänge: von den 1960ern bis zu den um 2010 Geborenen. Die Renditen des Beitragsteils, der direkt in Rentenansprüche fließt, liegen demnach zwischen 3,1 und 4,5 Prozent. Der Effekt falle für jüngere Versicherte sogar etwas höher aus, da sie über einen längeren Zeitraum von einem stabilisierten Rentenniveau profitieren würden. Auch bei den absoluten Rentenansprüchen erwartet das Modell höhere Leistungen. Ein Eckrentner könnte 2032 rund 59 Euro mehr pro Monat erhalten, im Jahr 2057 etwa 116 Euro.

„Fehlannahme“, dass Stabilisierung vor allem Älteren nützt

IMK-Direktor Sebastian Dullien widerspricht in deutlichen Worten dem Vorwurf, das Rentenpaket sei zulasten jüngerer Generationen ausgerichtet: „Wenn Kritiker*innen wie die jungen Abgeordneten der Union die ‘Haltelinie’ beim Rentenniveau als nicht generationengerecht bezeichnen, basiert das auf einer Fehlannahme: Sie glauben, dass die längerfristige Stabilisierung vor allem den Älteren zugutekommt. Das stimmt einfach nicht. Da die Renten jeweils vom letzten Niveau aus weiter angepasst werden, bringt der Regierungsvorschlag gerade auch für spätere Generationen mehr Rente.“ Weiter führt Dullien aus: „Eine 80-Jährige heute hat von der Stabilisierung des Rentenniveaus bis zu ihrem statistisch erwarteten Lebensende noch wenige Jahre etwas, die heute 35-Jährigen bekommen aber durch die Stabilisierung nach ihrem Renteneintritt noch fast zwei Jahrzehnte höhere Rentenzahlungen als es ohne die Reform der Fall wäre.“ Die Argumentation steht damit im klaren Gegensatz zu Positionen, die zuletzt unter anderem Veronika Grimm und mehrere ökonomische Fachverbände öffentlich gemacht hatten.

Steuerfinanzierung als zentraler Unterschied – IMK sieht Vorteile für Jüngere

Die positiven Renditeeffekte führt das IMK unter anderem darauf zurück, dass die Stabilisierung über Bundeszuschüsse statt über höhere Beiträge finanziert werden soll. Während Beiträge ausschließlich von der arbeitenden Generation getragen werden, gehe die Steuerfinanzierung auf eine breitere Basis zurück. Laut IMK zahlen auch viele Rentnerinnen und Rentner über Mehrwert-, Energie- und Tabaksteuer sowie teilweise Einkommensteuer zum Steueraufkommen bei. Im Vergleich zum gescheiterten Rentenpaket II der Ampel-Koalition würden die jüngeren Erwerbstätigen dadurch überproportional entlastet.

Bundeszuschüsse laut Modell „im historischen Rahmen“

Ein weiterer Kritikpunkt am Rentenpaket betrifft die Haushaltsrisiken. Hier berechnet das IMK ebenfalls geringere Belastungen, als vielfach vermutet:

  • kurzfristiger Anstieg der Bundeszuschüsse: +0,3 Prozentpunkte des BIP,
  • langfristiger Anstieg bis 2070: +0,7 Prozentpunkte des BIP.

Nach Einschätzung der Forschenden bleibt die Belastung damit innerhalb historischer Werte. Zum Vergleich: 2003 lag die BIP-Quote der Rentenzuschüsse bei 3,5 Prozent, gegenüber 2,7 Prozent im Jahr 2024. Selbst unter Einbeziehung des demografischen Wandels sieht das Modell keinen Anstieg über das damalige Niveau hinaus.

Alternative: Finanzierung über höhere Beiträge

Für den Fall, dass ein Teil der Stabilisierung über Beiträge statt über Steuern erfolgen müsste, simuliert das IMK ebenfalls moderate Effekte. Auch dann würden die internen Renditen der meisten Jahrgänge steigen – wenn auch weniger stark. Volkswirtschaftlich seien höhere Beiträge laut IMK nicht zwangsläufig negativ, da sie über höhere Renten die Kaufkraft stabilisieren könnten.

Hintergrund: Was das DyReMo-Modell leistet

Das DyReMo-Modell („Dynamic Retirement Model“) ist ein mikroökonomisches Simulationsmodell zur langfristigen Analyse der Rentenversicherung. Es ermöglicht:

  • jahrgangsgenaue Berechnung von Beiträgen, Rentenansprüchen und Renditen,
  • die Integration von Demografie, Lohnentwicklung, Lebenserwartung, Arbeitsmarkttrends,
  • die Abbildung langfristiger Reformwirkungen bis 2070,
  • und soll mittelfristig als Open-Source-Modell für Forschungszwecke bereitstehen.

Die Berechnung umfasst Personen aus Westdeutschland mit durchgehender Erwerbsbiografie, da für Ostdeutschland aufgrund der Wiedervereinigung keine konsistenten historischen Vergleichswerte vorliegen.

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