Deutsche unterschätzen Lebenserwartung und Altersvorsorge

Veröffentlichung: 11.07.2018, 05:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Laut einer Untersuchung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) sind Wissenschaftler für eine Rentenauszahlung des angesparten Altersvorsorgevermögens anstatt einer einmaligen Kapitalzahlung.

(PDF)
Senioren-Paar-136966540-FO-HalfpointSenioren-Paar-136966540-FO-Halfpoint

Jochen Ruß, Studienautor vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, erklärt:

„Private Altersvorsorge wird in Zukunft von vielen nicht mehr für die Finanzierung von Extras, sondern zur Sicherung des gewünschten Lebensstandards im Alter benötigt. Da man einerseits den gewünschten Lebensstandard bis zum Tod erhalten will und andererseits nicht vorhersagen kann, wie alt man wird, besteht ohne eine lebenslange Rente ein Risiko, länger zu leben, als das Geld reicht.“

Kollektive Lösungen wie die gesetzliche und die private Rentenversicherung sind für den Erhalt des Lebensstandards besser geeignet als individuelles Sparen.

Denn in der Versichertengemeinschaft gibt es einen Ausgleichsmechanismus durch den in der privaten Rentenversicherung Rentenhöhen wie bei einem auf die durchschnittliche Lebenserwartung kalkulierten Entnahmeplan möglich sind. Doch die private Rentenversicherung zahlt auch weiter, wenn jemand überdurchschnittlich lange lebt.

Kapitalauszahlung bevorzugt

Wenn die private Rentenversicherung fällig wird, entscheiden sich allerdings laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ungefähr zwei Drittel der Deutschen für eine einmalige Kapitalzahlung und nicht für eine lebenslange Rente.

Über die Hälfte der Befragten wollen 80 Prozent ihres Lebensunterhalts mit einer festen Rente finanzieren. Aber dennoch verrenten sie ihr Erspartes nicht. Sie verkennen, dass die Rentenversicherung nicht der Renditemaximierung dient, sondern damit eine unbekannte Lebensdauer abgesichert werden soll.

Deutsche unterschätzen ihre Lebenserwartung

Dazu kommt, dass die Gesellschaft immer älter wird. Aber dass die Lebenserwartung stetig steigt, ist den Menschen in Deutschland noch nicht bewusst.

Peter Schwark, GDV-Altersvorsorgeexperte, dazu:

„Viele denken bei der Lebenserwartung an ihre eigenen Eltern oder Großeltern und ziehen daraus Rückschlüsse für ihren eigenen Lebenshorizont.“

Aber die Lebenserwartung steigt von Generation zu Generation und darum sind Eltern und Großeltern kein Maßstab für die eigene Lebenserwartung. So wird ein im Jahr 1990 geborener Mann durchschnittlich neun Jahre älter als ein 1960 geborener. Bei Frauen sind es sieben Jahre.

Peter Schwark schlägt vor:

„Um das Wissen über die weiter steigende Lebenserwartung breiter zu verankern, wäre es hilfreich, wenn das Statistische Bundesamt vor allem über die Lebenserwartung einschließlich des zu erwartenden weiteren Zuwachses informiert.“

Bild: © Halfpoint / fotolia.com

(PDF)

LESEN SIE AUCH

geldregen-schilder-viel-und-wenig-rente-81654558-FO-bluedesigngeldregen-schilder-viel-und-wenig-rente-81654558-FO-bluedesign© bluedesign / fotolia.com
Assekuranz

Wunsch contra Wirklichkeit: Vater Staat soll’s richten

Rente und Vater Staat gehen in der Wahrnehmung der Deutschen nach wie vor Hand in Hand: Für 48 Prozent der Bundesbürger liegt die alleinige Verantwortung für die Altersvorsorge beim Staat.
Caucasian broken woman sitting at the floor in living roomCaucasian broken woman sitting at the floor in living roomgpointstudio – stock.adobe.com
Finanzen

Risiko der Berufsunfähigkeit durch psychische Probleme unterschätzt

Gerade junge Menschen verkennen die Risiken eines krankheitsbedingten Arbeitsplatzverlustes. Mehr als die Hälfte geht davon aus, ohne gesundheitliche Probleme bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten zu können. Ein Trugschluss angesichts der Zunahme an psychischen Krankheiten.
Woman standing by window during rainy day looking outside watchiWoman standing by window during rainy day looking outside watchiMarco – stock.adobe.com
Finanzen

70 Prozent halten eigene Altersvorsorge für unzureichend

Trotz der pessimistischen Erwartung zum Lebensstandard im Alter ist die Bereitschaft der Menschen zur privaten Altersvorsorge bisher nur sehr gering. Etwa jeder Vierte legt derzeit gar nichts fürs Alter zurück, weitere 25 Prozent sparen bis zu 50 Euro monatlich.
Clocks in sky. Time flies. Daylight savingClocks in sky. Time flies. Daylight savingStillfx – stock.adobe.com
Finanzen

Immer weniger beschäftigen sich mit privater Altersvorsorge

Die Rentenlücke ist kein Geheimnis und macht die private Vorsorge wichtiger denn je – doch sinkt der Anteil derer, die selbst aktiv vorsorgen: 2022 haben sich rund 49 Prozent der Deutschen mit dem Thema der privaten Altersvorsorge beschäftigt – 5 Prozentpunkte weniger als im Jahr davor.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht