Deutschland im EU-Vergleich mit niedrigen Fondsgebühren

Veröffentlichung: 11.05.2018, 05:05 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Eine Analyse des BVI von Morningstar-Daten zu den Kosten aktiv gemanagter Fonds ergibt, dass Deutschland bei den Fondskosten im europäischen Mittelfeld.

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Dafür wurden die laufenden Kosten von insgesamt 91.000 Anteilscheinklassen (ISINs) in Europa aufgelegter Fonds volumengewichtet ausgewertet, unter anderem Aktien-, Misch-, Renten- und Geldmarktfonds.

Kosten der aktiven Fonds im Vergleich

Die laufenden Kosten der hierzulande aufgelegten aktiven Fonds (DE-ISINs) liegen mit 1,3 Prozent über alle Assetklassen hinweg etwa im europäischen Durchschnitt von 1,2 Prozent.

Kosten für Aktienfonds

Deutsche Aktienfonds sind mit durchschnittlich 1,5 Prozent tendenziell günstiger als französische, italienische oder spanische Fonds. Noch niedriger sind die Kosten zum Beispiel in den Niederlanden. Die Ergebnisse dort sind allerdings nicht mit denen der anderen Länder vergleichbar, da in den Niederlanden die Provisionsberatung abgeschafft wurde. Vertriebs- und Beratungskosten sind daher nicht mehr in die laufenden Fondskosten eingerechnet, was diese günstiger erscheinen lässt.

Kosten für Misch- und Rentenfonds

Misch- und Rentenfonds liegen mit 1,6 bzw. 0,8 Prozent ebenfalls nahezu im Gesamtdurchschnitt (1,5 bzw. 0,9 Prozent). Besonders teuer sind in dieser Kategorie Italien, Luxemburg und Irland.

Kosten für Geldmarktfonds

Die Kosten von Geldmarktfonds liegen länderübergreifend auf etwa gleichem Niveau (zwischen 0 und 0,2 Prozent).

In jeweiligen Ländern zugelassene Fonds

Zum gleichen Gesamtergebnis kommt die Analyse der Fonds, die in den jeweiligen Ländern zum Vertrieb zugelassen sind: Deutschland bewegt sich mit durchschnittlichen laufenden Kosten von 1,3 Prozent auch aus diesem Blickwinkel etwa im europäischen Mittelfeld von 1,2 Prozent. Dabei wurden nicht nur die im jeweiligen Land aufgelegten Fonds untersucht, sondern auch die Fonds mit dortiger Vertriebszulassung. In die Berechnung für Deutschland fließen so beispielsweise zusätzlich Fonds ein, die in Luxemburg aufgelegt sind, aber hierzulande verkauft werden.

Hohe Kostentransparenz

Regulierer und Aufsichtsbehörden haben die Aufgabe, gesetzliche Leitplanken für einen funktionierenden Preiswettbewerb zu setzen. In Deutschland sind diese Leitplanken bereits so hoch wie in kaum einem anderen Land der EU. Die Musterkostenklauseln der BaFin machen genaue Vorgaben zu Kostenregeln für Publikumsfonds. Für erfolgsabhängige Gebühren gibt es ebenfalls klare Standards. Die Preisgestaltung regeln in einem freien Markt Angebot und Nachfrage.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist Transparenz, und die ist bei Fonds erfüllt. Bei keinem Produkt sind die Kosten für Verbraucher über die gesamte Wertschöpfungskette so genau nachvollziehbar. Die Datenbanken der Fondsrating-Agenturen sind voll mit Informationen und Bewertungen. Verbraucher finden die Details zu Kosten zudem in zahlreichen Informationsdokumenten – angefangen bei den Gebühren für das Portfoliomanagement, über die Transaktionskosten bis hin zu Prüfungs- und Veröffentlichungskosten. Anfang des Jahres hat die MiFID-II-Richtlinie die ohnehin strengen Offenlegungspflichten für Fonds im Vertrieb noch einmal erweitert. Verbraucher, die sich beim Fondskauf über die Kosten informieren wollen, bekommen also mehr als genug Informationen. Wieviel sie letztlich zu zahlen bereit sind, ist ihre freie Entscheidung.

Bilder: (1) © magann / fotolia.com (2) © BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.

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