Venture Capital oder Business Angel – wer ist der richtige Investor?

Veröffentlichung: 07.09.2017, 05:09 Uhr - Lesezeit 9 Minuten

Die Frage nach der passenden Investorenkategorie, stellen sich viele Unternehmer, die sich auf der Suche nach einer Kapitalspritze befinden. Der Investorenguide verspricht Hilfe bei der richtigen Entscheidung.

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Zuerst müssen immer zwei Fragen geklärt werden. Erstens: Was wird vom Kapitalgeber erwartet? Und zweitens: Welche Kategorie passt zum Anforderungsprofil? Die neue Online-Informationsplattform Investorenguide.de unterstützt bei der Klärung dieser Fragen – und stellt darüber hinaus gleich mehr als 850 Adressen von potenziellen Investoren unterschiedlicher Kategorien zur Verfügung.

Der größte gemeinsame Nenner

Marc Bollinger, Partner bei der Zerbach & Company Corporate Finance GmbH, den Betreibern der Plattform, erklärt:

„Investieren ist nicht nur eine Frage der richtigen Kompetenz, sondern auch des Verständnisses. So sollten die Interessen des Investors auf der einen und die des kapitalsuchenden Unternehmens auf der anderen Seite den größten gemeinsamen Nenner aufweisen, beispielsweise was die Vorstellungen von einem Mitspracherecht des Investors oder von der Haltedauer einer Investition angeht.“

Auf Investorenguide.de kann jeder Unternehmer – vom Gründer bis zum Mittelständler – den passenden Partner per Suchfilter auswählen. In die Suchfunktion fließen verschiedene Aspekte, vom Anlagehorizont, über Rahmenbedingungen der Finanzierung bis hin zur Rolle des Kapitalgebers mit ein. Sucht der Unternehmer also eine Beteiligungsgesellschaft, eine Venture-Capital-Gesellschaft, ein Family Office oder einen Business Angel als Investor?

„Wir verzichten zwar auf eine subjektive Bewertung von Investoren, aber dadurch dass wir eine objektivierte Auswahl anhand festgelegter Kriterien treffen, ermöglichen wir Unternehmen, auf investorenguide.de die passenden Investoren für ihre Belange zu finden.

Was dabei fast allen Investoren gemein ist, ist das Ziel, nämlich mit ihrer Investition in Form von eingebrachtem Kapital und/oder Know-how den Unternehmenswert und somit ihre Rendite am Ende der Haltedauer zu maximieren. Doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Kategorien sind mitunter klein, aber fein.“

Beteiligungsgesellschaften als vorteilhafte Alternative

Die Beteiligungsgesellschaften, die bei entsprechenden Renditeaussichten der Investition tendenziell offener gegenüber risikoreichen Projekten sind als ein Kreditinstitut, seien in der Regel weniger streng reguliert. Dies erleichtere die Kapitalbeschaffung für Unternehmen mit geringer Eigenkapital-Ausstattung, aber guten Wachstumsaussichten, betont Bollinger.

Insbesondere bei transaktionsbezogenen Finanzierungsanlässen wie Zukauf, (Teil-)Verkauf, Regelung der Unternehmensnachfolge, MBO/MBI und Kooperation/Joint Venture könnten Beteiligungsgesellschaften aufgrund ihrer flexiblen Strukturen vorteilhafte Alternativen darstellen.

Venture Capital bei noch nicht vollständiger Marktreife

Auch Venture-Capital-Investoren (VCs) hätten die Maximierung des Unternehmenswerts über die Haltedauer im Sinn, unterstreicht Bollinger:

„VCs sind allerdings spezialisiert auf die Eigenkapital-Finanzierung von Unternehmen, die sich in frühen Phasen des Unternehmenslebenszyklus befinden.“

Hierfür charakteristisch seien junge, technologieorientierte und innovative Start-ups, deren Produkte und Dienstleistungen zwar erfolgsversprechend, aber noch nicht vollständig marktreif sind.

„Die Rolle eines VCs als Investor ist aber oftmals noch aktiver ausgeprägt als etwa bei einer Beteiligungsgesellschaft; sein Engagement zur Erreichung der ambitionierten Wachstumsziele beinhaltet neben der Finanzierung häufig die fachliche Unterstützung des Managements.“

Die Veräußerung der Anteile nach Erreichung der Ziele des VCs erfolge oft im Rahmen eines Börsengangs oder an einen strategischen Investor. Corporate-Venture-Capital-Gesellschaften (CVCs) investieren hingegen nicht ausschließlich, um Beteiligungserträge zu generieren.

„Vielmehr liegt der Mehrwert darin, neue Technologien, Verfahren oder Geschäftsmodelle anorganisch zu erschließen – diese Vorgehensweise erlaubt es dem dazugehörigen Konzern, die eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu forcieren.“

Der Fokus von CVCs sei meist anhand der übergeordneten strategischen Unternehmensziele des Konzerns ausgerichtet.

„Falls eine strategische Rationale vorliegt, kann das Start-up von der Integration in Konzernstrukturen profitieren und der Konzern seine Wettbewerbsvorteile schneller ausbauen.“

Langfristige Beziehungen mit Family Offices

Unternehmen, die eher eine längerfristige Beziehung aufbauen wollen, sollten nach Marc Bollinger erwägen, Family Offices miteinzubeziehen. Family Offices sind wohlhabende Privatpersonen oder Familien, die ihr Kapital eigenverantwortlich und autark in Unternehmensbeteiligungen investieren.

In den meisten Fällen bestellen die Kapitaleigentümer ein eigenes operatives Management, sodass die Umsetzung von Investitionsentscheidungen unabhängig bleibt. Ähnlich wie klassische Beteiligungsgesellschaften investieren Family Offices im Auftrag ihrer Kapitalgeber in Portfolios zur rentablen Anlage des Vermögens. Darüber hinaus kann das Family Office seine Expertise als Vermögensverwalter einbringen.

„Ein wesentlicher Unterschied ist, dass nicht kurzfristige Gewinne über die befristete Haltedauer und den Wiederverkauf einer Beteiligung realisiert werden sollen, sondern der langfristige Kapitalerhalt im Vordergrund steht. Die durchschnittlichen Haltedauern bei Investments von Family Offices sind daher unbefristet oder aber länger als bei klassischen Beteiligungsgesellschaften.“

Business Angels bei mangelnder Expertise

Gerade jungen Start-ups, die sich vor oder noch in der Gründungsphase befinden, und denen es in diesem Stadium oftmals an ausreichendem Kapital mangelt, rät Marc Bollinger, Privatinvestoren oder Business Angels anzusprechen. Investitionskriterien von VCs werden nämlich bis dato noch unzureichend erfüllt. Privatinvestoren oder Business Angels hingegen investieren ihr vollhaftendes Privatvermögen direkt und unabhängig.

„In den meisten Beteiligungssituationen wird keine Mehrheit der Anteile durch einen Privatinvestor oder Business Angel übernommen, sodass wesentliche strategische Entscheidungen weiterhin dem Management obliegen.“

Konstellationen mit Mehrheitsrechten seien allerdings ebenfalls denkbar. Die Haltedauer von Business Angels und Privatinvestoren könnten unterschiedlich lange ausfallen, wobei eine Veräußerung innerhalb der ersten sechs Jahre realistisch sei.

„Benötigt das Start-up neben der Schließung der Finanzierungslücke noch eine unternehmerische Expertise, ist ein Business Angel besonders empfehlenswert – diese Investoren verfolgen, im Gegensatz zu Privatinvestoren, einen aktiven Beteiligungsansatz.“

Bild: © Sergey Nivens / fotolia.com

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