Innovative Auto-Zulieferer profitieren vom Dieselskandal

Auch in 2017 dürfte der MDax den Dax schlagen, ist Andreas Strobl zuversichtlich. Der Fondsmanager des deutschen Nebenwertefonds Berenberg-1590-Aktien Mittelstand sieht trotz der guten Entwicklung in den vergangenen Jahren noch Kurspotenzial im deutschen Mittelstand. Vor allem die zahlreichen Hidden Champions, die die branchenübergreifende digitale Transformation mit vorantreiben, haben beste Chancen auf strukturelles Wachstum. Doch es gibt auch Anzeichen für eine erhöhte Volatilität in den kommenden Monaten.

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cms.jguiz.x Andreas Strobl, Fondsmanager bei Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG

Verdeckte Absprachen und Dieselskandal – die großen deutschen Autohersteller stehen unter Druck. Auch deren Aktienkurse bekamen diesen zu spüren. Andreas Strobl beunruhigt dies nicht. Die Autozulieferer aus der zweiten und dritten Börsenreihe, die der Fondsmanager in seinem Berenberg-1590-Aktien Mittelstand hält, sind von der Krise im deutschen Autobau nicht unmittelbar betroffen und wurden auch von den Investoren nicht mit abgestraft.

Der Fondsmanager erläutert:

„Im Gegenteil, einige Zulieferer konnten sogar Kurszuwächse verzeichnen. Man muss klar differenzieren, wie die einzelnen Unternehmen positioniert und vom strukturellen Wandel in der Autoindustrie betroffen sind.“

Er setzt auf Firmen, die von neuen Antriebstechniken wie dem Elektromotor profitieren:

„Künftig muss die deutsche Automobilbranche aufgrund des strukturellen Wandels mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Dies kann nur im Rahmen einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Zuliefer-Unternehmen erfolgen.“

Für kleine Unternehmen mit hoher Innovationskraft und Flexibilität sieht er daher erhebliche Wachstumspotenziale. Diese Hidden Champions gilt es zu finden.

Weltmarktführer mit hoher Innovationskraft und strukturellen Gewinnen

Nicht nur in der Automobilindustrie gibt es solche versteckten Perlen. Der deutsche Mittelstand verfügt über eine Vielzahl von Unternehmen mit klarer Wettbewerbsposition, die durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Patente geschützt ist. Meist handelt es sich um Nischenplayer mit fokussiertem Geschäftsmodell, überdurchschnittlichem Ertragspotenzial und hoher Innovationskraft.

Einige Unternehmen zählen zu den Weltmarktführern ihrer Branche, was ihnen ermöglicht, strukturelle Gewinne zu erzielen, unabhängig von der konjunkturellen Lage. Strobl über die mittelständischen Unternehmen:

„Mittelständische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie deutlich höhere Renditen auf das Eigen- und Gesamtkapital erzielen können als die klassischen Großkonzerne. Ein höheres Gewinnwachstum und eine höhere Rentabilität sind schlagende Argumente für Investitionen in den deutschen Mittelstand.“

Kursanstiege sind bei vielen Unternehmen durch Gewinnzuwachs untermauert

Schon in den vergangenen Jahren haben deutsche Small und Mid Caps die Performance in Anlegerportfolios nach oben getrieben. Für zu teuer hält Strobl sie aber noch nicht:

„Die aktuelle Bewertung der deutschen Nebenwerte liegt leicht über dem historischen Durchschnitt. Im Vergleich zu den großen Standardwerten erscheint sie aber weiter attraktiv.“

Auch das anhaltend niedrige Zinsumfeld muss bei der Betrachtung der Bewertung einbezogen werden. Bei einer Vielzahl der Unternehmen ist die positive Kursentwicklung zudem durch eine sehr erfreuliche Gewinnentwicklung untermauert, die sich Strobls Ansicht nach in den nächsten Quartalen fortsetzen wird.

Gleichwohl ist nicht zu verleugnen, dass die Markterwartungen für einige Unternehmen bereits sehr hoch sind. In der jüngsten Ergebnissaison konnten nur noch wenige Unternehmen positiv überraschen und deutliche Kursanstiege auslösen.

Strobl rechnet daher in den nächsten Monaten mit höherer Volatilität, die er nutzen will, um neue Investments zu tätigen oder bestehende aufzustocken. Vor diesem Hintergrund liegt die Cash-Quote des Fonds derzeit über dem historischen Durchschnitt.

Europas Konjunkturaufschwung beflügelt deutschen Mittelstand

Auch makroökonomische Faktoren könnten Unruhe auslösen. Insbesondere die weitere Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses hält Strobl für entscheidend. Zwar ist für die meisten deutschen Mittelstandsunternehmen der europäische Binnenmarkt der wichtigste Absatzmarkt. Daher sind sie oftmals nicht so sehr von Währungsschwankungen betroffen wie viele Blue Chips.

Strobl warnt:

„Wenn der Euro aber weiter steigt, könnte dies einen signifikanten Einfluss auf die Umsatz- und Margenentwicklung haben.“

Positiv hingegen wirkt sich das anhaltend gute Wirtschaftsumfeld in Europa für eine Vielzahl von Unternehmen aus:

„Die derzeitigen konjunkturellen Daten, aber auch die Stabilisierung des politischen Umfeldes in Europa stimmen uns optimistisch, dass sich die konjunkturelle Erholung 2018 fortsetzt.“

Daran dürfte auch ein möglicher Kursschwenk der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht viel ändern:

„Der deutsche Mittelstand hat von den gesunkenen Zinsen in den vergangenen Jahren profitiert. Die meisten Unternehmen verfügen aber über solide Bilanzen und starke Cashflows, so dass langsam steigende Zinsen sie nicht sonderlich belasten sollten.“

Allerdings dürften die Entscheidungen der EZB die Kapitalmärkte allgemein bewegen. In der Summe bleibt Strobl aber aufgrund des anhaltend freundlichen Wirtschaftsumfeldes und der guten Gewinnentwicklung der meisten Unternehmen weiterhin positiv für den europäischen Aktienmarkt.

 Verbessertes Risikoprofil nach Managerwechsel

Andreas Strobl hat den 2015 aufgelegten Fonds zusammen mit Henning Gebhardt zum Jahreswechsel übernommen. Das Fondskonzept wurde konsequent fortgesetzt:

„Aufgrund der erfreulichen Performance und der konstanten Mittelzuflüsse haben wir Gewinne realisiert und gleichzeitig neu investiert. So konnten wir das Risikoprofil des Fonds weiter verbessern.“

IT- und Industriewerte sind im Portfolio am stärksten gewichtet:

„Hier sehen wir weiterhin die größten Wachstumschancen.“

Allerdings blickt er weniger auf einzelne Sektoren, sondern hat vielmehr das bestimmende Thema der nächsten Jahre für den deutschen Mittelstand im Blick: die digitale Transformation. Diese ist sektorübergreifend und umfasst eine Vielzahl von Unternehmen und Unterthemen. Hierzu zählen zum Beispiel digitale Medien oder die digitale Vernetzung. Strobl meint:

„Das strukturelle Wachstum dürfte sich in diesen Bereichen fortsetzen.“

Der Fondsmanager ist zuversichtlich, dass in diesem Jahr wie in den Vorjahren wieder die Kleinen gewinnen, und der Mittelstands-Index MDax den Standardwerte-Index Dax schlägt:

„Sowohl die Gewinn- als auch die Kursentwicklung der Unternehmen der beiden Indizes seit Jahresanfang bestätigen uns in unserer Annahme.“

Der Fonds und seine Anteilklassen im Überblick

 Die zehn größten Positionen im Berenberg-1590-Aktien Mittelstand

  • Wirecard AG 3,89 Prozent
  • Grenke AG 3,66 Prozent
  • Norma Group SE 3,59 Prozent
  • Stabilus S.A. 3,52 Prozent
  • XING AG 3,48 Prozent
  • Ströer SE & Co. KGAA 3,44 Prozent
  • Nemetschek SE 3,35 Prozent
  • CTS Eventim AG & Co. KGAA 3,33 Prozent
  • Rational AG 3,30 Prozent
  • Dürr AG 3,25 Prozent

 

Bilder: (1) © peshkova / fotolia.com (2 & 3) © Berenberg Asset Management

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