Modelle wie das 'Zonierungssystem für Überschwemmungen, Rückstau und Starkregen' (ZÜRS) basieren auf der Annahme je näher das Haus am Wasser steht, desto größer ist die Gefahr von Überschwemmungen. Diese Theorie ist für sich genommen auch korrekt. Doch Starkregen kommt, wie sich auch in diesem Sommer gezeigt hat, lokal konzentriert, immer häufiger vor. In kürzester Zeit können bis zu 100 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel fallen und Straßen, Häuser und Keller überschwemmt werden.
Wenn große Wassermassen die Umgebung fluten, stellt sich eine entscheidende Frage: Steht das Zuhause auf am Hang, in einer Senke oder auf einem Hügel? Täler können in Situationen wie diesen buchstäblich volllaufen.
Der Provinzial NordWest Konzern hat deshalb basierend auf digitalen Gelände- und Oberflächenmodellen eine sogenannte Starkregenzonierung entwickelt. Mit diesem Verfahren lässt sich noch genauer als bisher abschätzen, wie groß das Risiko einer Überschwemmung im Einzelfall ist.
Die neue Starkregenzonierung ist einzigartig im deutschen Versicherungsmarkt und wird aus topografischen Daten abgeleitet, die das jeweilige Gelände abbilden. Zusammen mit den Daten aus ZÜRS und der Starkregenzonierung können Fachleute sehr genaue Angaben über das Risiko eines Gebäudes machen. So liegen beispielsweise ca. 17 Prozent der Häuser in Westfalen in einer Senke und sind dadurch besonders von Überschwemmungen durch Starkregen betroffen.
Auf Sonnenschein kommt der großen Regen. Ein Phänomen, das keinesfalls nur in tropischen Regionen vorkommt. Mittlerweile sind auch die Sommer hier mit regelmäßigen Tiefgebieten über Mitteleuropa, die heftige Regenfälle mit sich bringen, davon betroffen. In diesem Jahr traf es Berlin besonders heftig. Ganz oben auf der Skala steht noch immer das Tief Quintia im Jahr 2014. Innerhalb von sieben Stunden wurden damals in Münster 292 Liter pro Quadratmeter Niederschlag registriert. Elementarschäden häufen sich somit und konzentrieren sich auch lokal.
Schäden durch starke Regenfälle sind nicht standardmäßig in einer Wohngebäude- oder Hausratversicherung mitversichert, sondern sind zusätzlich in Form einer Elementarversicherung abzusichern. Bezogen auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen sind 40 Prozent geschützt. 90 Prozent der Hausbesitzer gehen aber davon aus, dass sie rundum abgesichert sind. Dabei sind rund 70 Prozent der Schäden an privaten Wohngebäuden in Westfalen Folgen von Starkregen.
Tim Peterson, Meteorologe der Provinzial NordWest, zieht das Fazit:
„Diese Zahlen gehen nicht zusammen. Da braucht es noch deutlich mehr Aufklärung."
Bild: © psdesign1 / fotolia.com
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