Time to Say Goodbye - Die Ära der Ungewissheit

Veröffentlichung: 12.06.2017, 11:06 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Schwere Zeiten für Theresa May und den Brexit. Die herbe Niederlage bei der Parlamentswahl bedeutet eine schwierige Regierungsbildung und die EU droht damit, die Verhandlungen für den Brexit um bis zu einem Jahr zu vertagen, wenn die Regierung Großbritanniens zeitgleich zum Brexit ein neues Freihandelsabkommen verhandelt.

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Mark Phelps, Portfoliomanager Global Concentrated Growth beim Asset Manager AB (AllianceBernstein) in London, kommentiert:

„Die britische Premierministerin hat es versäumt, ein klares Mandat von den Wählern zu bekommen, um ihre Vision von einem "sauberen Brexit" zu verfolgen. Wir stehen eindeutig vor einer Periode großer Ungewissheit, und schon in zehn Tagen sollen die Verhandlungen für den Brexit beginnen. Hier ist die Verhandlungsposition der Briten nun deutlich geschwächt.

Die unmittelbaren Auswirkungen des Ergebnisses dürften an den Devisenmärkten gesehen werden, wo die Ungewissheit auf den Kurs des Pfunds drückt. Es ist auch wahrscheinlich, dass die Anleihen- und Aktienmärkte eine höhere Volatilität aufweisen werden. Außerhalb der politischen Welt wird das Ergebnis wahrscheinlich als verwirrend angesehen, aber nicht unbedingt als Beginn großer Veränderungen.

Das britische Wirtschaftswachstum könnte nun ein wenig niedriger ausfallen, manche Investitionen könnten sich verzögern. Wenn es nicht zu einer verstärkten Zusammenarbeit im Parlament kommt, könnte politischer Stillstand die Folge sein. Klar ist, dass Großbritannien nicht nur über den Brexit geteilter Meinung ist - auch zwischen den Generationen, zwischen Nord und Süd und zwischen den städtischen und ländlichen Gebieten bestehen Differenzen.

In ganz Europa könnte sich auch in den kommenden Monaten die Volatilität fortsetzen, da auch in Frankreich, Deutschland und im kommenden Jahr in Italien wichtige Wahlen anstehen.“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron konnte am vergangenen Wochenende eine klare Mehrheit in der Nationalversammlung für sich gewinnen. Gelingt es ihm eine bedeutende Reformagenda umzusetzen, sind positive Reaktionen der Märkte zu erwarten und wichtige Impulse für das europäische Wachstum wahrscheinlich.

Mark Phelps führt weiter aus:

„Trotz der Bedeutung dieser Entwicklungen verbessert sich die europäische Konjunktur bereits, und die Anleger sollten die Politik nicht als Maßstab für ihre Investitionsentscheidungen sehen. Stattdessen sollten sie sich jenseits der Schlagzeilen auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten fokussieren und nach Unternehmen suchen, die unabhängig von politischen Ereignissen ein konstantes Ertragswachstum erzielen.“

Bild: © Melinda Nagy / fotolia.com

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