bAV – neue Wege sind gefragt

Veröffentlichung: 05.10.2016, 08:10 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

„Slalom oder freie Fahrt – mit der bAV neue Wege gehen“ lautete das Motto, der 10. bAV-Konferenz in Frankfurt am Main. Vor rund 200 bAV-Experten aus mittleren und großen Unternehmen stellten Referenten namhafter Unternehmen wie Caterpillar, Deutsche Telekom, Dräger, Robert Bosch und Siemens anhand ihrer Unternehmenspraxis Herausforderungen und Gestaltungsoptionen für die bAV vor. Der Branchentreff stand unter den Vorzeichen der anstehenden politischen Entscheidungen um das geplante Renten-Reformkonzept sowie der Probleme, die durch den anahaltenden Niedrigzins und den demographischen Wandel.

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Dr. Reiner Schwinger, Head of the Northern Europe Region von Willis Towers Watson Deutschland, resümiert angesichts von einer Dekade bAV-Konferenz:

 „Die bAV wurde immer wichtiger, weil die bAV nun ein Mittel ist, mit der Unternehmen die Vergütung und die Motivation der Mitarbeiter steuern können. Das war vor zehn Jahren anders. Vor zehn Jahren ging es um die Bewältigung von Vergangenheitslasten – heute ist die bAV ein Instrument für das Erreichen von Unternehmenszielen.“

In der Niedrigzinsphase ist Sparen nicht attraktiv und wird nicht entlohnt. Da die Demografiefalle aber weitere Probleme mit sich bringt, wird kontinuierliches Sparen immer wichtiger. Sollte die gesetzliche Rente deutlich absinken, obwohl Frau Nahles in ihren Plänen zur Zukunft der Rente für 2030 eine „Haltelinie“ verabreden und ein Absinken des Rentenniveaus vermeiden möchte, werden Kompensationsmaßnahmen gebraucht. Diese können in der bAV liegen.

bAV – effizient mit Reformbedarf

Dr. Thomas Jasper, Leader Retirement Western Europe von Willis Towers Watson, verdeutlicht die aktuelle Situation in Deutschland. Heute profitieren rund 60 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland von einer bAV. Diese könnte jedoch noch weiter verbreitet sein, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen für unternehmensspezifische Opting-out-Modelle geklärt wären. In solche bAV-Modelle werden automatisch alle Mitarbeiter eines Unternehmens (auch mit Eigenbeiträgen zur bAV) einbezogen, es sei denn, einzelne Mitarbeiter entscheiden sich explizit dagegen.

Hinzu kommt, dass immer mehr ausgefeilte bAV-Konzepte entstehen, um damit im „War for Talents“ zu gewinnen und Mitarbeiter zu motivieren und zu binden. Gleichzeitig stehen die ‚Zulieferer‘ der Unternehmen, die Versicherer, Asset-Manager usw. – im Wettbewerb und entwickeln ihrerseits effiziente, auf die Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern abgestimmte Vorsorgeprodukte. Konzepte, Umsetzungskompetenz und Effizienz sind somit vorhanden, aber es zeigt sich auch Reformbedarf.

Reformvorschläge im Fokus

Der Würzburger Prof. Dr. Dirk Kiesewetter hatte mit seinem wissenschaftlichen Team unter Mitarbeit praxiserfahrener Experten von Willis Towers Watson das Gutachten „Optimierungsmöglichkeiten bei den bestehenden steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Förderregelungen der betrieblichen Altersversorgung“ erstellt. Unter dem Motto „Wo stehen wir ein halbes Jahr nach den Gutachten für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesfinanzministerium?“ gab er einen Überblick:

„Wir haben gehofft, dass wir bis Herbst über einen Gesetzesentwurf sprechen können – dem ist nicht so. Wir kennen bisher lediglich einige Eckpunkte der Pläne der Bundesregierung. Seit Mittwoch gibt es Pressemeldungen darüber, dass auch die Sozialpartner ihre Bereitschaft signalisieren, die Regierungspläne mitzutragen.“

Das Vorhaben sei durchaus ambitioniert.

bAV für Geringverdiener

Ziel der Bundesregierung sei, die bAV auch auf Geringverdiener und kleine, mittlere Unternehmen auszudehnen.

Kiesewetter sagt:

„Aus unserem Gutachten für das Bundesministerium für Finanzen scheint man die Punkte aufgreifen zu wollen, die genau darauf abzielen, die Verbreitung bei diesen Gruppen – insbesondere bei den Geringverdienern – zu stärken.“

Angedacht sei ein Förderbetrag, der dem von ihm vorgeschlagenen ähnele. Dieser funktioniere so, dass Arbeitgeber, die arbeitgeberfinanzierte Neuzusagen machen oder Zusagen erhöhen, 30 Prozent davon als Zuschuss des Fiskus zurückerhielten.

Kiesewetter kommentiert:

„Das ist ein sehr gutes Signal, weil hier ein sichtbarer finanzieller Anreiz geschaffen wird, um in die bAV einzusteigen.“

Bild: © Sergey Nivens / fotolia.com

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