Weniger Pleiten, weniger Innovation
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in einer neuen Studie ermittelt, dass die Zahl der zahlungsunfähigen Firmen seit über zehn Jahren sinkt. Es gehen also in Deutschland immer weniger Unternehmen bankrott. Doch diese positive Entwicklung gilt nicht für die gesamte Republik, denn NRW verliert den Anschluss.
In 2016 dürften etwa 22.000 deutsche Unternehmen insolvent gehen. Fünf Prozent weniger als im Vorjahr, als noch 23.123 Unternehmen zahlungsunfähig wurden. Damit hat sich der positive Trend für Deutschland bestätigt. Denn seit 2003 fiel die Zahl der Insolvenzen um 43 Prozent. Hauptgrund dafür war die gute wirtschaftliche Entwicklung.
IW-Ökonom Klaus-Heiner Röhl dazu:
„Die Wettbewerbssituation hat sich für die Unternehmen entspannt.“
Zudem hat sich die Eigenkapitalausstattung der Firmen verbessert, was sie in Krisen weniger anfällig macht. Den geringsten Wert an Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen liefert Baden-Württemberg mit 4,2, vor Bayern mit 5,1. Die meisten Insolvenzen weist Nordrhein-Westfalen auf. Hier wurden im Schnitt der vergangenen drei Jahre 11,9 Firmen zahlungsunfähig.
Etwas besser lief es für Unternehmen in Hamburg (11,1) und Bremen (10,4). Beeinflusst werden die Länderquoten durch das unterschiedliche Wirtschaftswachstum: Während die Wirtschaft in Bayern in den Jahren 2003 bis 2013 um 17,9 Prozent zulegte, wuchs sie in Nordrhein-Westfalen lediglich um 8,2 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 11,9 Prozent.
Die IW-Studie zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen Wachstum und der Zahl der Insolvenzen: Steigt das BIP um 1 Prozent, sinkt die Zahl der Insolvenzen um 3 Prozent. Somit ist für 2016 bundesweit mit einem Rückgang um 5 Prozent zu rechnen, wenn die Wirtschaft wie erwartet um 1,6 Prozent wächst.
Doch nicht alles ist positiv: Der sinkenden Zahl der Insolvenzen stehen immer weniger Unternehmensgründungen gegenüber – ein Zeichen abnehmender Innovationskraft. 2015 wurden nur noch rund 300.000 Firmen gegründet, das war ein Minus von 200.000 im Vergleich zu 2005.
Röhl erläutert:
„Eigentlich muss sich die Wirtschaft kontinuierlich erneuern, damit sich Innovationen durchsetzen können. Dazu braucht es Gründungen, aber auch Schließungen von Unternehmen.“
Bild: © helmutvogler / fotolia.com
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