Mini-Babyboom in deutschen Städten

Veröffentlichung: 09.05.2016, 10:05 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Aktuelle Forschungsergebnisse widerlegen die These, dass Städte so genannte „Fertilitätsfallen” sind, die Frauen dort also weniger Kinder bekommen als im Rest eines Landes. Eine Studie von Allianz International Pensions, dem Think Tank des Versicherers für Demographie und Altersvorsorge, kommt zu dem Ergebnis, dass die Geburtenrate in 41 europäischen und US-amerikanischen Großstädten im Schnitt 7 Prozent höher liegt als der nationale Durchschnitt des jeweiligen Landes.

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In Deutschland gilt dieser Trend für Frankfurt, hier liegt die Rate sogar 12,6 Prozent über dem Landesschnitt, München (+4,9 Prozent), Köln (+3,0 Prozent) und Berlin (+1,6 Prozent). Lediglich in Hamburg bekommen die Frauen im Vergleich weniger Kinder (-1,7 Prozent).

„Überraschend ist, dass das sogar in den Städten mit den höchsten Lebenshaltungskosten gilt”, sagt Brigitte Miksa, Leiterin des International Pensions Teams. Dazu gehören etwa München und Frankfurt ebenso wie Stockholm (+13 Prozent), London (+8 Prozent) und New York (+5 Prozent). Dieser Beleg für einen „Mini-Babyboom“ in den Städten entwickelter Länder widerspricht dem globalen Trend dramatisch sinkender Geburtenraten.

„Bessere Jobmöglichkeiten, ‚Brangelina-Effekt‘, leichterer Zugang zu Kinderbetreuung”

Großstädte sind in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen (vergleiche: hier). Manche Demographen kommen zu dem Ergebnis, dass es gerade die Standortfaktoren in den urbanen Räumen sind, die zum allgemeinen Rückgang der Geburtenraten beitragen. So haben Frauen dort oft besseren Zugang zu Bildung, Arbeitsmöglichkeiten und Familienplanung. Einige dieser Faktoren könnten jedoch auch Grund für genau die gegenteilige Entwicklung sein. Miksa:

„Nach unseren Ergebnissen sind es vor allem die in den Städten eher vorhandenen Jobangebote mit der Möglichkeit einer besseren Work-Life-Balance und eine gute Infrastruktur für die Kinderbetreuung, die die Frauen dazu bewegen, mehr Kinder zu bekommen. Menschen in den Städten sind zudem häufig gut ausgebildet und verdienen genug Geld, um sich die hohen Mieten leisten zu können. Auch ändert sich die Einstellung der vermögenderen Paare zur Elternschaft.”

In ihren Daten erkennen die Experten zudem den so genannten „Brangelina-Effekt“; Kinder sind Statussymbole, ihre Eltern zeigen gern, dass sie sich viele leisten können. Dieses Phänomen wurde nach dem Schauspielerpaar Angelina Jolie und Brad Pitt benannt, die sechs Kinder haben.

Immer noch kein Patentrezept für die Probleme alternder Gesellschaften

In der vorliegenden Studie wurden die Geburtenraten berechnet und mit den jeweiligen nationalen Geburtenraten verglichen.* Die Forscher haben europäische Städte mit mehr als einer Millionen Einwohnern einbezogen. Der Trend zum Mini-Babyboom in Städten ist grenzüberschreitend: Lissabon (+50 Prozent), Bratislava (+31 Prozent) und Birmingham (+17 Prozent) führen die Liste an. In den USA lag die Geburtenrate in New York 5 Prozent höher als im Staat New York, in Chicago 3 Prozent und in Dallas 17 Prozent als der jeweilige Landesschnitt.

Gleichwohl weisen die Forscher der Allianz darauf hin, dass ein Babyboom in den Städten zwar ein demographischer Pluspunkt ist, jedoch kein Patentrezept zur Lösung der Probleme, vor denen die Länder angesichts der demografischen Entwicklung stehen. Denn in den untersuchten Städten bekamen nur Frauen in Dallas und Birmingham mehr als 2,1 Kinder – also so viele, wie es braucht, um die Stärke der Bevölkerung aufrecht zu erhalten ohne auf externe Faktoren wie zum Beispiel die Immigration zurückzugreifen. Fünf andere Städte – Brüssel, Stockholm, Oslo, London und New York – lagen knapp darunter. Miksa:

„Das bedeutet, dass die Länder nach wie vor andere Wege finden müssen, ihre Bevölkerungsstärke zu halten und ihre öffentlichen Dienste und Pensionssysteme zu finanzieren.”

Bild: (1) © Maria Sbytova / fotolia.com (2) © Allianz SE

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