Gefährden Fintechs Versichungsjobs?

Veröffentlichung: 11.04.2016, 10:04 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Wieder einmal ein neuer Beitrag in der Diskussion um FinTechs und die Auswirkungen der Digitalisierung. Die internationale Nachrichtenagentur Bloomberg greift aktuelle Zahlen aus der Branche sowie eine McKinsey-Studie auf, die bereits Ende Januar in den Medien heftig diskutiert wurde. Darüber eine provokante Überschrift, veröffentlicht in "Die Welt"

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Die Konkurrenz durch FinTechs und die Digitalisierung innerhalb der Versicherungswirtschaft sind zwei parallellaufende Prozesse, die an einigen Stellen ineinandergreifen, aber sicherlich nicht einfach so in einen Topf zu werfen sind. Wenn daher getitelt wird,

„FinTechs gefährden 250.000 Stellen bei Europas Versicherungen“

und sich dann der gesamte Artikel um die Verschlankung der Prozesse, den gestiegenen Kostendruck in den Versicherungsunternehmen und den geplanten Entlassungen, um eben diese Kosten zu senken dreht, führt dies zumindest teilweise in die Irre.

Fakt ist, dass viele Versicherer sparen müssen: die Folge von Niedrigzins, Solvency II, LVRG sowie verspäteter Digitalisierung. In der Fusionswelle Mitte der 90er-Jahre kämpften viele Versicherer bereits mit der Zusammenführung verschiedener IT-Systeme, die damals alle noch hausgeschneidert waren. Es ist also kein neues Problem, mit dem die Talanx da zu kämpfen hat, wenn sie über doppelt so hohe IT-Betreuungskosten wie der Branchendurchschnitt klagt. Und es ist auch nicht auf die FinTechs zurückzuführen, sondern hausgemacht.

Dass die Zurich sparen muss, hat ebenfalls kaum etwas mit FinTechs zu tun, sondern schlichtweg mit dem Gewinneinbruch des letzten Jahres (wir berichteten).

Von der Summe, die FinTechs letztes Jahr eingetrieben haben, auf die Stärke der Konkurrenz zu schließen, leuchtet nicht wirklich ein. Denn ob alle Start-Ups bleiben und wieviele davon von welcher Art, muss sich erst zeigen. Sicher ist es richtig, dass Herbert Fromme in seinem Versicherungsmonitor auf den steigenden Wettbewerb durch digitales Assekuradeure hinweist und darin auch eine Bedrohung des Kerngeschäfts sieht. Und sicher ist es richtig, dass der Kunde in der klassischen Versicherungsdenke erst langsam vom Vertrag zum Mittelpunkt mutiert.

Michael Niebler, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied vom Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV), äußerte sich bereits Anfang Februar zur McKinsey-Studie: „Das Szenario von McKinsey halte ich für ein Horrorgemälde” und stellte eine wesentlich moderatere Entwicklung in Aussicht.

Bild: © Creativa Images / fotolia.com

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