Großbrand im Hamburger Hafen: Regulierung der Schäden wird zum Mammutprojekt
Großbrand im Hamburger Hafen: Die Regulierung der Schäden wird Monate dauern. Explosionen, verletzte Personen und immense Sachschäden stellen Versicherer und Gutachter vor enorme Herausforderungen – von Haftungsfragen bis hin zu möglichen Umweltschäden.
Die Folgen des Großbrandes im Hamburger Stadtteil Veddel stellen Einsatzkräfte und Versicherer gleichermaßen vor enorme Herausforderungen. Noch immer dauern die Löscharbeiten an – in Containern versteckte Glutnester machen nun den Einsatz von Löschrobotern erforderlich. Doch nicht nur die Brandbekämpfung, auch die Schadenregulierung dürfte langwierig werden.
„Die Regulierung aller Schäden wird enorm viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Kristina Hendriks-Strube, Chief Claims Officer für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim Versicherungsmakler Aon.
Komplexes Schadensbild
Das Feuer war am Montagnachmittag in einer Lagerhalle ausgebrochen, nachdem ein dort abgestelltes Auto in Brand geraten war. Durch die anschließenden Explosionen griffen die Flammen auf ein benachbartes Containerlager und angrenzende Betriebe über. Trümmerteile erreichten sogar die Autobahn A1. Neben erheblichen Sachschäden gab es auch Personenschäden: Sechs Menschen wurden verletzt, eine Person davon schwer, eine weitere lebensbedrohlich.
Die Schadenshöhe dürfte erheblich sein. Doch die genaue Ermittlung ist schwierig, da noch unklar ist, ob Gebäudeeigentümer, Lagerbetreiber oder die Warenbesitzer haftbar sind. „Es müssen zeitnah die richtigen Versicherer der Geschädigten eingeschaltet werden, um die Ermittlungen zur Schadenursache und -höhe einzuleiten“, erläutert Hendriks-Strube. Dazu zählen etwa Gebäudeversicherer der Eigentümer der abgebrannten Hallen oder Betriebsunterbrechungs- und Inhaltsversicherer der betroffenen Betreiber.
Vielschichtige Haftungsfragen
Besonders komplex wird die Regulierung durch die Vielzahl möglicher Anspruchsgegner und Vertragskonstellationen. „Um festzustellen, wer welche Ansprüche gegen wen erheben kann und somit welcher Versicherer eintrittspflichtig ist, müssen auch die verschiedenen Verträge geprüft werden: Gibt es Sonderklauseln im Mietvertrag der Halle oder im Dienstleistungsvertrag des Betreibers? Durfte das Fahrzeug beispielsweise überhaupt in der Halle abgestellt werden?“, so Hendriks-Strube.
Zusätzliche Risiken entstehen durch mögliche Umweltschäden: kontaminiertes Löschwasser könnte benachbarte Grundstücke oder das Grundwasser belasten. Auch diese Fragen werden Teil der Schadenaufnahme und möglicher Regresse sein.
Steuerung als Schlüssel
Die Aon-Expertin betont die Dimension der Aufgabe: „Die Ermittlung und Regulierung aller Schäden stellt eine riesige Herausforderung dar und bedarf einer gezielten Steuerung.“ Neben Versicherern und Sachverständigen sind dabei auch Behörden, Betreiber und Eigentümer in die Klärung einzubinden.
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