Staat reduziert Gesundheitsausgaben – private Haushalte zahlen mehr

Veröffentlichung: 29.07.2025, 11:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

2023 hat sich die Rolle des Staates als Finanzier im Gesundheitswesen deutlich verringert. Während die öffentlichen Mittel stark zurückgingen, wuchs der Finanzierungsanteil privater Haushalte und Unternehmen – mit klarer Tendenz zu mehr Eigenbeteiligung.

(PDF)
Gesundheits-Finanzierung: Während die öffentlichen Mittel stark zurückgingen, wuchs der Anteil privater Haushalte und Unternehmen.Gesundheits-Finanzierung: Während die öffentlichen Mittel stark zurückgingen, wuchs der Anteil privater Haushalte und Unternehmen.DALL-E

Im Jahr 2023 beliefen sich die laufenden Gesundheitsausgaben in Deutschland auf insgesamt rund 491,6 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, hat sich der staatliche Finanzierungsanteil dabei deutlich reduziert: Mit rund 75,7 Milliarden Euro trug der Staat 15,4 Prozent zu den Ausgaben bei – ein Rückgang um 31,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2022 hatte der Anteil noch bei 22,3 Prozent gelegen, was vor allem pandemiebedingten Sondereffekten geschuldet war.

Damit ist die staatliche Beteiligung an den Gesundheitskosten 2023 wieder auf einem ähnlichen Niveau wie vor der Corona-Pandemie angekommen (2019: 14,4 %). Der Rückgang ist vor allem auf das Auslaufen vieler Corona-Maßnahmen zurückzuführen.

Private Haushalte übernehmen größten Anteil

Parallel zum staatlichen Rückzug stieg der Finanzierungsbeitrag der privaten Haushalte deutlich an. Mit 262,5 Milliarden Euro (+8 %) übernahmen sie im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte (53,4 %) der laufenden Gesundheitsausgaben. Zum Vergleich: 2022 lag der Anteil noch bei 49,4 Prozent. Der größte Teil dieser Summe entfiel auf Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer*innen (124,9 Mrd. Euro), gefolgt von Ausgaben für Pflege, rezeptfreie Medikamente oder Praxisgebühren (55,1 Mrd. Euro).

Auch Unternehmen mussten tiefer in die Tasche greifen. Ihre Beiträge stiegen um 13,9 Milliarden Euro auf 150,2 Milliarden Euro (+10,2 %). Davon entfielen mehr als 85 Prozent auf die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Die wachsende Belastung durch Sozialbeiträge dürfte sowohl auf gestiegene Löhne als auch auf die Zunahme der Beschäftigtenzahlen zurückzuführen sein.

Wiederherstellung der Vor-Corona-Verhältnisse?

Die Finanzierungsstruktur des Gesundheitswesens nähert sich damit wieder den Verhältnissen vor der Pandemie an – mit einem hohen Anteil privat finanzierter Leistungen. Der Beitrag privater Organisationen ohne Erwerbszweck stieg 2023 um 5,6 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro.
Von den staatlich finanzierten 75,7 Milliarden Euro entfielen mehr als 91 Prozent auf Transfers und Zuschüsse. Auch wenn diese Summe gegenüber den Corona-Jahren deutlich geringer ausfällt, bleibt die Rolle des Staates als stabilisierender Faktor im Gesundheitswesen wichtig – etwa bei der Finanzierung von Versorgungsprogrammen oder Strukturförderungen.

Ob politisch gewollt oder Folge kurzfristiger Effekte: Der Trend zur höheren Eigenbeteiligung im Gesundheitswesen setzt sich fort. Absehbar steigen die (nicht nur finanziellen) Belastungen der Versicherten; die Debatte über Gerechtigkeit im Zugang zu medizinischer Versorgung könnte Intensität gewinnen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Leeres Krankenhausbett steht für die strukturellen Herausforderungen und Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2035.Leeres Krankenhausbett steht für die strukturellen Herausforderungen und Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2035.Adobe
Gesundheitsvorsorge

2027: 11,8 Milliarden Euro fehlen – DAK fordert Stufenplan

Laut IGES-Projektion steuert die GKV 2027 auf ein strukturelles Defizit von 11,8 Mrd. Euro zu. DAK-Chef Andreas Storm fordert einen dreistufigen Stabilitätspakt für nachhaltige Beitragsfinanzierung.
Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus ReinhardtBundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus ReinhardtDie Hoffotografen
Gesundheitsvorsorge

Ärztetag vor Konfliktkurs: Ärzte warnen vor Sparpolitik mit Folgen für die Versorgung

Vor dem Deutschen Ärztetag verschärft sich der Ton in der Debatte um die geplante Gesundheitsreform. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt warnt vor pauschalen Sparvorgaben, die sich direkt auf die Versorgung auswirken könnten. Gleichzeitig fordert er eine schnellere Einführung der Zuckerabgabe. Damit geraten gleich mehrere zentrale Vorhaben der Bundesregierung unter Druck.
Steigende Pflegeausgaben verschieben die Gewichte im Gesundheitssystem – und erhöhen den finanziellen Druck auf Versicherte und Sozialversicherung.Steigende Pflegeausgaben verschieben die Gewichte im Gesundheitssystem – und erhöhen den finanziellen Druck auf Versicherte und Sozialversicherung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Pflege

Pflege wird zum Kostentreiber im Gesundheitssystem

Die Ausgaben für pflegerische Leistungen steigen deutlich schneller als die Gesundheitsausgaben insgesamt. Aktuelle Zahlen zeigen, wie stark sich die Gewichte im System verschieben – und warum die Pflegefinanzierung zur zentralen Strukturfrage wird.
PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther mahnt: Die steigende Versicherungspflichtgrenze schränkt die Wahlfreiheit vieler Angestellter ein.PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther mahnt: Die steigende Versicherungspflichtgrenze schränkt die Wahlfreiheit vieler Angestellter ein.PKV-Verband
Gesundheitsvorsorge

PKV-Verband kritisiert steigende Einkommensgrenzen

Ab 2026 steigen die Einkommensgrenzen für die gesetzliche Krankenversicherung deutlich. Während die Anpassung gesetzlich an die Lohnentwicklung gekoppelt ist, warnt der PKV-Verband vor zusätzlichen Belastungen und einer schwindenden Wahlfreiheit beim Wechsel in die private Krankenversicherung.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht