Allianz-Tochter gehackt: Kundendaten bei US-Lebensversicherer abgeflossen
Die Allianz Lebensversicherung in den USA ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Bei dem Vorfall wurden unter anderem Sozialversicherungsnummern von Versicherten kompromittiert. Wie der Konzern reagiert – und welche Fragen offen bleiben.
Cyberangriff mit Folgen: Die US-Tochter der Allianz Lebensversicherung ist Ziel eines groß angelegten Hackerangriffs geworden. Betroffen sind sensible Kundendaten – darunter auch Sozialversicherungsnummern. Die Allianz hat einen Cyberangriff auf ihre US-amerikanische Tochtergesellschaft „Allianz Life Insurance Company of North America“ bestätigt. Der Vorfall ereignete sich laut einer offiziellen Mitteilung bereits im Mai 2024 und wurde durch ein Datenleck beim Dienstleister Infosys McCamish Systems (IMS) ausgelöst. IMS ist ein Anbieter von Verwaltungsdienstleistungen für Lebensversicherer und arbeitet unter anderem für Allianz Life.
Betroffen: 1,5 Millionen Personen
IMS meldete den Vorfall am 2. November 2024 dem Generalstaatsanwalt von Maine. Insgesamt sollen mehr als 1,5 Millionen Menschen von der Sicherheitslücke betroffen sein. Die Allianz Life ist dabei eine von mehreren betroffenen Kunden von IMS – neben ihr sind auch andere US-Versicherer in die Attacke verwickelt, berichtet u.a. Versicherungsbote.
Kritische Daten betroffen – inklusive Sozialversicherungsnummern
Besonders brisant: Zu den entwendeten Daten zählen neben Namen und Geburtsdaten auch sensible Informationen wie Sozialversicherungsnummern, Bankverbindungsdaten und Policen-Nummern. In den USA gelten Sozialversicherungsnummern als besonders schützenswert – ein Missbrauch dieser Daten kann gravierende Folgen haben, etwa bei Identitätsdiebstahl.
Die Allianz hat betroffene Personen in den USA schriftlich informiert und bietet laut eigenen Angaben kostenfreie Identitäts- und Kreditüberwachungsdienste an. Zudem betont das Unternehmen, dass man „sofort Maßnahmen ergriffen habe, um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten“ und in engem Austausch mit IMS stehe.
Dienstleister im Fokus – Allianz prüft Konsequenzen
IMS, der Dienstleister, der das Datenleck zu verantworten hat, steht nun massiv unter Druck. Ob der Dienstleister die IT-Sicherheitsstandards seiner Kunden ausreichend eingehalten hat, wird derzeit untersucht. Die Allianz erklärte, man nehme das Thema „sehr ernst“ und arbeite an einer vollständigen Aufarbeitung des Vorfalls.
Rechtlich handelt es sich um einen klassischen Fall von Dienstleisterrisiko: Die Allianz selbst war nicht direkt Ziel des Angriffs, doch durch das Outsourcing sensibler IT-Prozesse wird das Unternehmen dennoch angreifbar – ein Szenario, das zunehmend auch deutsche Versicherer betrifft.
Versicherungsschutz und Reputationsrisiken
Ob und in welcher Höhe der Angriff versichert ist, wurde bislang nicht bekannt gegeben. Große Versicherer wie die Allianz verfügen in der Regel über eigene Cyberdeckungen – ob diese auch Schäden bei Dienstleistern abdecken, hängt jedoch von der konkreten Vertragsgestaltung ab. Auch mögliche Reputationsrisiken rücken nun stärker in den Fokus – gerade in einem sensiblen Bereich wie der Altersvorsorge und Lebensversicherung.
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