J O Hambro: SAP, Siemens und Rheinmetall als Gewinner globaler Wachstumstrends

Veröffentlichung: 08.07.2025, 09:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Trotz schwacher Konjunktur sieht J O Hambro neue Chancen für deutsche Unternehmen. Warum fiskalische Impulse und strukturelle Reformen den DAX beflügeln könnten – und welche Branchen unter Druck geraten.

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Paul Wild, Senior Fund Manager bei J O HambroPaul Wild, Senior Fund Manager bei J O HambroJ O Hambro

Deutschland zeigt nach zwei Jahren mit leicht negativem Wirtschaftswachstum erste Anzeichen einer Stabilisierung. Die weltwirtschaftliche Lage bleibt angespannt, doch neue fiskalische Maßnahmen könnten in den kommenden Jahren für Auftrieb sorgen. Paul Wild, Senior Fund Manager bei J O Hambro, verweist in seinem aktuellen Marktkommentar auf Reformen, die das Potenzial haben, das Bruttoinlandsprodukt langfristig deutlich zu stärken: Neben der Lockerung der Schuldenbremse gehören dazu erhöhte Verteidigungsausgaben und ein Infrastrukturfonds in Höhe von 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre. Allein für 2026 erwarten Ökonomen dadurch ein zusätzliches BIP-Wachstum von über 0,5 Prozentpunkten.

Die Investitionsoffensive kommt laut Wild zur rechten Zeit. Jahrzehntelange Unterinvestitionen hätten Deutschlands Infrastruktur geschwächt. Zudem könne die neue Politik zu einer Stärkung der Binnennachfrage beitragen – gestützt durch einen stabilen Arbeitsmarkt und hohe private Ersparnisse. Ob dies zu einem anhaltenden Anstieg der Konsumausgaben führt, bleibe jedoch abzuwarten.

Gleichzeitig geraten exportorientierte Branchen unter Druck. Insbesondere der Automobilsektor verzeichnet rückläufige Gewinne in China. Chinesische Hersteller bringen zunehmend konkurrenzfähige Elektrofahrzeuge auf den Markt – eine Herausforderung für deutsche OEMs mit hohen Altlasten aus der Verbrenner-Produktion. Auch die Chemieindustrie steht laut Wild vor strukturellen Problemen.

Dennoch sieht der Fondsmanager Potenzial: „Es gibt eine Vielzahl deutscher Unternehmen, die von globalen branchenübergreifenden Wachstumstrends profitieren“, so Wild. Als Beispiele nennt er SAP, Siemens und Rheinmetall. Diese Konzerne seien gut positioniert, um sowohl vom digitalen als auch vom geopolitischen Wandel zu profitieren.

Der DAX als Leitindex sei trotz der gemischten Wirtschaftslage attraktiv bewertet. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,3 für das kommende Jahr liege er im Einklang mit dem europäischen Gesamtmarkt – bei gleichzeitig starker Performance: Seit Ende 2022 habe der DAX um über 65 Prozent zugelegt.

Insbesondere Finanzwerte und Versorger könnten zu den Profiteuren der neuen Fiskalpolitik zählen. Gleichzeitig sei Deutschland aufgrund seiner Reformagenda und soliden Haushaltspolitik wieder stärker in den Fokus internationaler Investoren gerückt. Für Anleger, die ihr Übergewicht in US-Aktien abbauen wollen, könne der DAX eine zunehmend attraktive Option darstellen.

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