Schweiz: Felssturz in Blatten mit außergewöhnlicher Dimension

Veröffentlichung: 02.06.2025, 13:06 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Mit versicherten Schäden in Höhe von rund 300 Millionen Franken war auch das Jahr 2024 ein überdurchschnittliches Schadenjahr für den Schweizer Elementarschadenpool. Wie der Pool mitteilt, sind die Unwetterereignisse im Juni und Juli 2024 in den Kantonen Wallis und Tessin für den Großteil der Schadensumme verantwortlich.

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Mit versicherten Schäden in Höhe von rund 300 Millionen Franken war auch das Jahr 2024 ein überdurchschnittliches Schadenjahr für den Schweizer Elementarschadenpool.Mit versicherten Schäden in Höhe von rund 300 Millionen Franken war auch das Jahr 2024 ein überdurchschnittliches Schadenjahr für den Schweizer Elementarschadenpool.DALL-E

Besonders betroffen war der Kanton Wallis, wo allein etwa 150 Millionen Franken an versicherten Schäden registriert wurden. Dank bestehender Hochwasserschutzmaßnahmen – insbesondere der Rhonekorrektion – konnten noch größere Schäden vermieden werden.

Noch deutlichere Auswirkungen könnte der Felssturz in Blatten (Kanton Wallis) vom 28. Mai 2025 haben. Laut Eduard Held, Geschäftsführer des Elementarschadenpools, handelt es sich um ein Großereignis, das in seiner Dimension und in seinen Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung kaum vergleichbare Ereignisse in den letzten 70 Jahren kennt. Zwar fehlen bislang belastbare Schadenschätzungen, doch es sei davon auszugehen, dass das Volumen mehrere hundert Millionen Franken erreichen werde. Die Privatversicherer sicherten den Betroffenen schnelle und pragmatische Unterstützung zu.

In der Mehrjahresbetrachtung zeigt sich ein wachsender Einfluss von Hagelschäden auf die Gesamtschadenbilanz. Während 2024 vor allem Überschwemmungen und Hochwasser (85 Prozent der Schäden) sowie Stürme (7 Prozent) dominierten, entfielen etwa 4 Prozent der Schäden auf Hagelereignisse. Historisch betrachtet liegt der Anteil der Hagelschäden mittlerweile bei rund einem Viertel der jährlichen Gesamtschäden – eine Entwicklung, die auf häufigere und heftigere Ereignisse im Mittelland zurückgeführt wird. Exemplarisch verweist der Elementarschadenpool auf ein Hagelereignis in Locarno im August 2023, das in wenigen Minuten zu versicherten Schäden von über 300 Millionen Franken führte.

Das Versicherungssystem in der Schweiz gilt als besonders flächendeckend. Nahezu 100 Prozent aller Gebäude, des Hausrats und der Fahrhabe sind gegen Elementarschäden versichert. In den sogenannten GUSTAVO-Kantonen (Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis, Obwalden) sind die Privatversicherer auch für die Gebäudeversicherung zuständig. Selbst in Kantonen ohne gesetzliche Pflicht zur Gebäudedeckung ist die Versicherungsdurchdringung hoch.

Der Schweizer Elementarschadenpool übernimmt in diesem System eine zentrale Funktion: Er gleicht die Schadenlast zwischen den beteiligten Versicherern aus und entlastet Regionen, die überproportional von Schäden betroffen sind. Dadurch bleibt die Prämienhöhe kalkulierbar, und auch risikoreiche Gebiete können weiter wirtschaftlich versichert werden.

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