Lawinen: Selten, aber teuer

Veröffentlichung: 26.02.2026, 09:02 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Heftige Schneefälle haben Mitte Februar 2026 die Lawinengefahr in vielen Bergregionen deutlich erhöht. Langzeitdaten von Helvetia zeigen jedoch: Lawinen verursachen im Vergleich zu anderen Naturgefahren nur einen kleinen Teil der gesamten Elementarschäden – im Einzelfall aber besonders hohe Durchschnittskosten.

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Lawinen verursachen im Vergleich zu anderen Naturgefahren nur einen kleinen Teil der gesamten Elementarschäden – im Einzelfall aber besonders hohe Durchschnittskosten.Lawinen verursachen im Vergleich zu anderen Naturgefahren nur einen kleinen Teil der gesamten Elementarschäden – im Einzelfall aber besonders hohe Durchschnittskosten.DALL-E

Lawinen mit geringer Gesamtquote am Schadenaufwand

Eine Auswertung von Helvetia-Schadendaten aus den Jahren 1990 bis 2025 zeigt: Der Anteil von Lawinen am gesamten Aufwand für Elementarschäden liegt langfristig im tiefen einstelligen Prozentbereich. Im gesamtschweizerischen Durchschnitt beläuft er sich auf rund zwei Prozent. Im Vergleich zu Überschwemmungen oder Hagel treten Lawinen räumlich begrenzter auf und betreffen häufig freies Gelände statt dicht besiedelter Gebiete. Ein klarer Trend zu steigenden oder sinkenden Schadenbelastungen lässt sich über 35 Jahre hinweg nicht erkennen.

Ausnahmejahr 1999: Der Lawinenwinter als statistischer Ausreißer

Eine markante Ausnahme bildet das Jahr 1999. Damals führten extreme Schneefälle mit bis zu acht Metern Neuschnee innerhalb weniger Wochen zu zahlreichen Lawinenabgängen. 17 Menschen verloren ihr Leben, die Sachschäden beliefen sich auf rund 600 Millionen Franken. In den Helvetia-Daten schnellte der Anteil der Lawinenschäden am gesamten Elementarschadenaufwand in diesem Jahr auf rund elf Prozent – ein Vielfaches des langjährigen Durchschnitts. Das Beispiel zeigt: Einzelereignisse können die Statistik stark beeinflussen.

Wallis: Exponiert, aber langfristig dennoch begrenzt

Ein detaillierter Blick auf den besonders exponierten Kanton Wallis bestätigt das Gesamtbild – mit Nuancen.

  • Anteil Lawinen am gesamten Elementarschadenaufwand: rund sechs Prozent
  • Dominierende Naturgefahr im Langzeitvergleich: Flutschäden (rund ein Drittel)

Auch im Wallis schwankt die Schadenbelastung stark von Jahr zu Jahr und hängt wesentlich von einzelnen Ereignissen ab. Schäden durch Schneedruck oder Schneerutsch treten zwar regelmäßig auf, sind finanziell jedoch deutlich weniger bedeutend als Hochwasser oder Überschwemmungen.

Hoher Durchschnittsschaden pro Fall

Besonders aufschlussreich ist die Betrachtung der durchschnittlichen Schadenhöhe pro Ereignis. Zwischen 2000 und 2025 lag der durchschnittliche Lawinenschaden im Wallis bei gut 30.000 Franken pro bezahltem Schadenfall – damit gehören Lawinen zu den kostenintensivsten Elementarschäden pro Fall. Patrick Rohner, Leiter Schaden Nicht-Leben bei Helvetia, ordnet ein: „Auch wenn Lawinenschäden in der Regel einen geringen Anteil an den gesamten Elementarschäden ausmachen und selten in bewohnten Gebieten auftreten, sind sie im Durchschnitt mit gut 30'000 Franken die kostenintensivsten Elementarschäden pro bezahltem Schadenfall.“ Er ergänzt: „Lawinenschäden sind in unseren Daten anzahlmässig seltene Schadenfälle – und genau deshalb können einzelne Ereignisse den Durchschnitt stark nach oben treiben. Auch wenn der Durchschnittsschaden bei Erdrutschen in unserer Auswertung leicht tiefer liegt als jener von Lawinen, lassen sich solche statistischen Mittelwerte nicht mit der Dimension einzelner Ereignisse vergleichen – etwa dort, wo extreme Naturereignisse wie in Blatten Menschen, Häuser und ganze Existenzen treffen.“ In bewohnten Gebieten betreffen die Schäden überwiegend Gebäude und Hausrat. Schäden an Motorfahrzeugen spielen eine untergeordnete Rolle.

Schutzsystem reduziert wirtschaftliche Schäden

Dass Lawinen trotz ihres hohen Gefahrenpotenzials vergleichsweise selten hohe Sachschäden verursachen, ist auch Ergebnis eines über Jahrzehnte aufgebauten Schutzsystems. Der integrale Lawinenschutz in der Schweiz umfasst:

  • bauliche Schutzverbauungen
  • Gefahrenzonenplanung
  • Schutzwälder
  • kontrollierte Sprengungen

Rohner betont: „Dass Lawinen trotz ihres hohen Gefahrenpotenzials für Leib und Leben in der finanziellen Schadenstatistik insgesamt eine untergeordnete Rolle spielen, ist auch das Ergebnis eines konsequent aufgebauten Schutzsystems, das insbesondere bebaute Gebiete abschirmt.“

Versicherung nur durch Solidarität tragfähig

Die Absicherung von Elementarschäden unterliegt in der Schweiz seit 1993 einer gesetzlichen Sonderregelung der FINMA. Grundlage ist ein landesweites Solidaritätsprinzip. Bewohner von Bergkantonen zahlen trotz höherer Lawinenrisiken keine höheren Prämien als Versicherte im Mittelland. „Der solidarische Grundgedanke im Elementarschadenpool funktioniert so, dass auch eine Baslerin und ein Zürcher einen Lawinenschaden im Wallis mitträgt“, erklärt Rohner. Auch die Versicherer selbst teilen sich die Schadenlast im Rahmen eines Pools nach Marktanteilen – um die Tragfähigkeit in exponierten Regionen sicherzustellen.

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