Der Sanierungsstau erfordert mehr als Wärmepumpen – Zeit für eine ganzheitliche Gebäudewende

Veröffentlichung: 27.12.2024, 08:12 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Emanuel Heisenberg, Experte für nachhaltige Immobilienentwicklung, hat in einem Gastkommentar in der Wirtschaftswoche eindringlich vor einem einseitigen Fokus auf Wärmepumpen bei der Sanierung des deutschen Gebäudebestands gewarnt. Seiner Ansicht nach greift die aktuelle Debatte um die Wärmewende viel zu kurz: Zwar sind Wärmepumpen ein wichtiger Baustein, doch ohne umfassende energetische Modernisierungen bleiben Deutschlands Gebäude ineffizient und teuer im Betrieb.

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Der Handlungsdruck ist groß. Laut Heisenberg liegt die Sanierungsrate in Deutschland aktuell bei mageren 0,69 Prozent jährlich.Der Handlungsdruck ist groß. Laut Heisenberg liegt die Sanierungsrate in Deutschland aktuell bei mageren 0,69 Prozent jährlich.Foto: Adobestock

Der Handlungsdruck ist groß. Laut Heisenberg liegt die Sanierungsrate in Deutschland aktuell bei mageren 0,69 Prozent jährlich. Das bedeutet, dass nur ein Bruchteil der Gebäude energetisch modernisiert wird – weit entfernt von den EU-Vorgaben, die bis 2030 eine Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudesektor um 16 Prozent fordern. Besonders problematisch ist der Zustand vieler sogenannter „Worst Performing Buildings“, bei denen über Jahrzehnte keine Sanierungen durchgeführt wurden. Diese Gebäude verursachen nicht nur hohe CO2-Emissionen, sondern belasten auch die Mieter mit exorbitanten Nebenkosten.

Ein Vorschlag des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft (GdW), lediglich die Heiztechnik zu erneuern, statt die Gebäude umfassend zu sanieren, hält Heisenberg für fatal. Ohne Dämmung und Gebäudetechnik bleiben die Energiekosten hoch, und die Wohnqualität wird nicht verbessert. Zudem befürchtet er, dass die Politik auf solche Signale reagieren und die Förderung für umfassende Sanierungen zurückfahren könnte – mit langfristig negativen Folgen für Mieter, Eigentümer und die Umwelt.

Heisenberg sieht stattdessen Chancen in der „Brown-to-Green“-Konversion, einer Strategie, die in Ländern wie Frankreich und Skandinavien erfolgreich umgesetzt wird. Dabei werden marode Gebäude vollständig modernisiert und nachhaltig gemacht, um sowohl die Energieeffizienz als auch die Wohnqualität zu steigern. Solche Ansätze seien wirtschaftlich sinnvoll und könnten den Sanierungsstau in Deutschland abbauen, wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schafft. Dazu gehören eine Digitalisierung der Bauprozesse, die Vereinfachung bürokratischer Hürden und eine gezielte Förderung, die an tatsächliche CO2-Einsparungen gekoppelt ist.

Heisenbergs Fazit: Die Wärmepumpe allein wird den Sanierungsstau nicht lösen. Was Deutschland jetzt braucht, ist eine umfassende Strategie, die auf ganzheitliche Sanierungen, moderne Technologien und effizientere Bauprozesse setzt. Nur so können Klimaziele erreicht, Mieten bezahlbar gehalten und die soziale Wohnungswirtschaft gestärkt werden. Der vollständige Gastkommentar ist am 26. Dezember 2024 in der Wirtschaftswoche erschienen.

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