Alleinunfälle mit dem Rad: Jeder dritte tödliche Unfall betrifft Einzelstürze
Alleinunfälle von Radfahrenden haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt, zeigt eine aktuelle Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Besonders gefährlich sind Wintermonate, mangelhafte Infrastruktur und falsches Fahrverhalten.
Fast jeder dritte getötete Radfahrende und knapp jeder zweite schwerverletzte Unfall passierten im vergangenen Jahr bei einem Alleinunfall. Laut einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist das Risiko zwischen Dezember und Februar besonders hoch. Insgesamt registrierte die Polizei 2023 rund 27.400 Alleinunfälle, darunter 6.400 Schwerverletzte und 147 Todesfälle.
„Rad-Alleinunfälle haben sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt, und die Dunkelziffer ist hoch“, erklärt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Inzwischen ist jeder fünfte allein verunfallte Radfahrer älter als 66 Jahre. Senioren seien verletzlicher und reagierten langsamer, so Zeidler.
Infrastruktur und Fahrverhalten als Hauptursachen
Ein Drittel der Alleinunfälle ist auf mangelhafte Infrastruktur zurückzuführen, etwa Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen. Auch Witterungseinflüsse wie Nässe, Eis oder Schnee spielen eine Rolle. Gleichzeitig sehen sich viele Radfahrende selbst in der Verantwortung: Laut der Studie gab fast jeder dritte Befragte zu, zu schnell für die jeweilige Situation gefahren zu sein. Alkohol ist ebenfalls ein Risikofaktor – insbesondere bei polizeilich erfassten Unfällen, bei denen jeder sechste Alleinverunfallte unter Alkoholeinfluss stand.
Pedelec-Unfälle häufiger schwerwiegend
Besonders Pedelecs sind bei Alleinunfällen auffällig. Alle Altersgruppen verletzen sich mit motorisierten Rädern häufiger schwer als mit klassischen Fahrrädern. „Pedelecs sind nicht gefährlicher, aber sie beschleunigen stärker und sind schwerer zu handhaben“, erklärt Zeidler.
Verbesserte Radwege und Eigenverantwortung gefordert
Für weniger Unfälle sind gut instand gehaltene Radwege entscheidend. Kommunen müssten Übergänge glätten, Laub und Schnee räumen und mehr Platz für Radfahrende schaffen – auch auf Kosten von Parkflächen, fordert Zeidler. Radfahrende sollten in der kalten Jahreszeit besonders vorsichtig sein, Helme tragen und auf funktionierendes Licht am Rad achten. Fahrtrainings und moderne Sicherheitstechnik wie Fahrrad-ABS könnten ebenfalls helfen, Risiken zu senken.
Über die Studie: Die UDV-Studie analysierte rund 8.000 Alleinunfälle in fünf Bundesländern, befragte über 1.500 Betroffene und untersuchte Unfallorte sowie die Perspektiven von Polizei, Medizinern und Infrastrukturplanenden.
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