Wertpapiere im Aufwind: Altersvorsorgedepot als neuer Treiber

Veröffentlichung: 01.11.2024, 07:11 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Immer mehr Deutsche setzen bei der Altersvorsorge auf Wertpapiere. Das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot könnte diesen Trend weiter verstärken – mit ETFs, Steuerfreiheit und gezielter Förderung.

(PDF)
cms.tcnmnDALL-E

Immer mehr Deutsche entdecken Wertpapiere als wichtigen Bestandteil ihrer Geldanlage, wie eine aktuelle Umfrage der Postbank zeigt. Besonders interessant ist der Trend zu ETFs, Einzelaktien und Investmentfonds – eine Entwicklung, die sich mit den Erkenntnissen einer früheren Studie deckt, nach der Aktien und ETFs für viele Verbraucher bereits die bedeutendste Anlageform darstellen (Experten.de berichtete).

Laut der neuen Umfrage, durchgeführt von YouGov im Auftrag der Postbank, legen derzeit rund 80 Prozent der Bundesbürger Geld zur Seite. Allerdings bevorzugt die Mehrheit noch immer klassische Zinsanlagen wie Tages- und Festgeld oder Sparkonten, die 56 Prozent der Befragten zur Vermögensbildung nutzen. „Die Deutschen sind eher zurückhaltend, was die Anlage in Wertpapieren angeht. Die Mehrheit der Verbraucher verhält sich bei der Geldanlage sehr sicherheitsorientiert und greift eher zu konservativen Produkten wie Fest- oder Tagesgeld“, sagt Karsten Rusch von der Postbank.

Gleichzeitig wird das Interesse an Wertpapieren wie ETFs und Aktien zunehmend größer: Der Anteil der Deutschen, die in Wertpapiere investieren, stieg von 27 Prozent im Jahr 2023 auf 30 Prozent. Insbesondere ETFs erfreuen sich wachsender Beliebtheit, gefolgt von Einzelaktien und Investmentfonds.

cms.prapv.1000x666

Ein wesentlicher Anstoß für diesen Aufwärtstrend könnte die geplante Einführung eines staatlich geförderten Altersvorsorgedepots sein. „Das Altersvorsorgedepot wird mehr Menschen mit kleineren Einkommen den Zugang zu einer Anlage in Wertpapieren eröffnen“, meint Karsten Rusch.

Dieses neue Angebot der Bundesregierung zielt darauf ab, den Zugang zu Wertpapieren für die private Altersvorsorge zu erleichtern und damit vor allem Menschen mit niedrigerem Einkommen den Weg zu langfristigen Anlagestrategien zu ebnen. Das geplante Depot ermöglicht es, in Anlageformen wie ETF-Sparpläne zu investieren, wobei Erträge in der Anlagephase bis zu einer bestimmten Grenze steuerfrei bleiben sollen. Förderungen für Familien und Menschen mit geringem Einkommen könnten die Nachfrage nach diesem Altersvorsorge-Instrument weiter ankurbeln.

Die Umfrageergebnisse unterstreichen dieses Potenzial: 58 Prozent der Erwerbstätigen sind bereit, ein solches Altersvorsorgedepot zu nutzen, und fast die Hälfte dieser Gruppe würde erstmals in Wertpapiere investieren, um für das Alter vorzusorgen. Für bestehende Anleger stellt das Altersvorsorgedepot ebenfalls eine Möglichkeit dar, ihre Investitionen auszuweiten. So gaben 86 Prozent derjenigen, die bereits in Aktien und Fonds investieren, an, ihre Anlagen im Rahmen des Förderprogramms zu erhöhen.

Über die Studie:

Die ver­wen­de­ten Da­ten be­ru­hen auf On­line-Um­fra­gen der You­Gov-Deutsch­land GmbH. An der Um­fra­ge zum Spar­ver­hal­ten nah­men 2.059 Per­so­nen zwi­schen dem 15. und 18.9.2024 teil. Im Rah­men der Um­fra­ge „Al­ters­vor­sor­ge mit Wert­pa­pie­ren“ wur­den 2.248 Per­so­nen zwi­schen dem 26. und 29.7.2024 be­fragt. Die Er­geb­nis­se wur­den ge­wich­tet und sind re­prä­sen­ta­tiv für die deut­sche Be­völ­ke­rung ab 18 Jah­ren.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Vermögensaufbau über Erbschaft oder Lotto? Besonders jüngere Menschen hoffen auf Lotto-Glück.Vermögensaufbau über Erbschaft oder Lotto? Besonders jüngere Menschen hoffen auf Lotto-Glück.jackmac34 / pixabay
Finanzen

Halbe Million? Viele setzen auf Lotto und Erbe statt auf Finanzplanung

Ein Vermögen von 500.000 Euro gilt für viele als erreichbar. Doch wenn es um den Weg dorthin geht, hoffen zahlreiche Menschen weniger auf eigene Strategien als auf Zufall und Glück. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie verbreitet diese Erwartung ist – und warum sie problematisch sein kann.
Inflation und hohe Lebenshaltungskosten nagen am Vertrauen in die eigene Vorsorgefähigkeit (Symbolbild).Inflation und hohe Lebenshaltungskosten nagen am Vertrauen in die eigene Vorsorgefähigkeit (Symbolbild).DALL-E
Studien

Deutschland spart – aber viele zweifeln an der eigenen Vorsorge

Vier von fünf Deutschen legen regelmäßig Geld zurück – doch die meisten halten ihre Rücklagen für unzureichend. Eine aktuelle Umfrage der Postbank zum Weltspartag 2025 zeigt: Sparen bleibt trotz steigender Kosten fester Bestandteil der Finanzkultur. Doch Inflation und hohe Lebenshaltungskosten nagen am Vertrauen in die eigene Vorsorgefähigkeit.
Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten ist das Wachstum in Europa allerdings noch überschaubar.Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten ist das Wachstum in Europa allerdings noch überschaubar.DALL-E
International

Deutschland im europäischen Vergleich: ETF-Markt mit großem Wachstumspotenzial

Deutschland bleibt der wichtigste ETF-Markt Europas – und steht trotzdem erst am Anfang seines Potenzials. Laut BVI-Research vereint der Standort fast ein Viertel des europäischen ETF-Vermögens, während sich in den USA längst ein Markt in Billionenhöhe etabliert hat.
piggy bank concept isolated on blue backgroundpiggy bank concept isolated on blue backgroundGoodpics – stock.adobe.com
Finanzen

Wertpapier-Sparpläne im DISQ-Test

Zahlreiche Risikofaktoren sorgen an den Börsen für Unruhe. Anlegerinnen und Anleger, die wegen der Minizinsen auf Tages- oder Festgeldkonten auf Aktien setzen, brauchen derzeit starke Nerven. Eine langfristig risikoärmere Alternative können Wertpapier-Sparpläne sein: Durch das regelmäßige Sparintervall ist der Einstiegszeitpunkt weniger entscheidend, die Sparrate ist individuell festlegbar und das Angebot vieler Banken umfangreich.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht