22 Krankenkassen erhöhen mitten im Jahr den Beitrag
Photo credit: depositphotos.com
Seit Mai 2024 haben 22 Krankenkassen mitten im Jahr den Beitrag erhöht, 17 von ihnen hatten schon zum Jahreswechsel mehr Geld verlangt. Eigentlich sind mögliche Beitragsanpassungen zum jeweiligen Jahresbeginn vorgesehen. 7,6 Millionen Versicherte sind betroffen, das zeigen aktuelle Abfragen von Finanztip bei den gesetzlichen Krankenversicherungen. Nach Musterrechnungen des Geld-Ratgebers spart ein Durchschnittsverdiener durch einen Wechsel zu einer günstigen Krankenkasse oft mehr als 300 Euro im Jahr.
Für viele Versicherte steigen die Beiträge für ihre gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2024 weiter. Allein 22 Krankenkassen haben den Zusatzbeitrag während des Jahres angehoben (siehe Tabelle im Anhang). Bereits zum Jahreswechsel hatte knapp die Hälfte der allgemein zugänglichen Krankenkassen die Beiträge erhöht. „Die gesetzlichen Kassen brauchen Geld, sie haben in diesem Jahr ein millionenschweres Defizit aufgehäuft“, erklärt Barbara Weber, Krankenversicherungsexpertin bei Finanztip, zu den Gründen.
GKV-Wechsel spart mehrere Hundert Euro
„Weil viele Versicherungen dieses Jahr ihren Zusatzbeitrag angehoben haben, manche sogar zum zweiten Mal, können betroffene Versicherte aktuell besonders von einem Wechsel zu einer günstigen Krankenkasse profitieren“, rät Weber. Wie sehr sich ein solcher Wechsel lohnt, hängt vom Einkommen ab und davon, wie viel günstiger die neue Kasse ist.
Nach Finanztip-Berechnungen kann ein Angestellter mit einem Bruttogehalt von 3.000 Euro im Monat und Steuerklasse I (keine Kinder, keine Kirchensteuer) mit einem Wechsel von der Krankenkasse KKH (3,28 Prozent Zusatzbeitrag seit 01.08.2024) zu einer der günstigsten bundesweit geöffneten Krankenkassen (0,9 Prozent Zusatzbeitrag) im Monat 25,70 Euro netto sparen. So viel bleiben von 35,70 Euro Beitragsersparnis nach Steuern übrig. Im Jahr macht das 308,40 Euro Ersparnis bei der Krankenversicherung. Bei einem Bruttogehalt von 4.000 Euro steigt die Netto-Ersparnis auf 32,68 Euro monatlich oder 392,16 Euro jährlich. Und ein Angestellter mit 5.000 Euro Bruttobehalt spart durch diesen Wechsel 38,75 Euro pro Monat oder 465 Euro auf ein Jahr gerechnet.
Wie groß die individuelle Ersparnis beim Zusatzbeitrag ist, können Arbeitnehmer online mit einem Rechner von Finanztip prüfen. Der kostenfreie Verbraucherservice zeigt die Ersparnis bei einem Wechsel von der aktuellen Kasse zur günstigsten bundesweit tätigen Krankenkasse.
Wann ist ein Wechsel der GKV möglich?
„Der Wechsel der Krankenkasse ist einfach”, sagt Weber: „Versicherte melden sich einfach beim neuen Versicherer an, der erledigt dann den Rest.“ Normalerweise sind Verbraucher nach einem vorausgegangenen Wechsel zunächst zwölf Monate an ihren neuen Versicherer gebunden. Diese Bindungsfrist entfällt aber, sobald die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht. Betroffene haben in diesem Fall ein Sonderkündigungsrecht und können ihre Krankenkasse mit einer Frist von zwei Monaten zum Monatsende kündigen. „Die Kündigung muss spätestens bis zum Ende des Monats beim Versicherer eingehen, in dem der erhöhte Beitrag erstmals fällig wird“, erklärt Weber. Die Kündigung greift dann zum Ende des übernächsten Monats. Wenn Versicherte länger als zwölf Monate bei ihrer Kasse sind, können sie jederzeit mit einer Frist von zwei Monaten zum Monatsende ordentlich kündigen.
Lohnt sich jetzt eine private Krankenversicherung?
Wer angesichts steigender Zusatzbeiträge mit einem Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung (PKV) liebäugelt, sollte prüfen, ob er sich die steigenden Beiträge langfristig leisten kann. Ein PKV-Tarif mit umfassenden Leistungen kostet auch entsprechend viel. Finanztip empfiehlt in den meisten Fällen, sich lieber gesetzlich zu versichern und den Versicherungsschutz auf Wunsch durch Krankenzusatzversicherungen zu ergänzen.
Finanztip untersucht regelmäßig die bundesweit zugänglichen Krankenkassen und empfiehlt die mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Versicherte sollten ein gutes Gesamtpaket aus Service, freiwilligen Zusatzleistungen sowie niedrigem Beitrag wählen. Neben dem allgemeinen Beitrag wird ein Zusatzbeitrag von den Krankenkassen verlangt, der in seiner Höhe variiert. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist ein Richtwert des Bundesgesundheitsministeriums und liegt 2024 bei 1,7 Prozent. Da viele Krankenkassen ihre Beiträge erhöht haben, beträgt der aktuelle Durchschnittswert sogar 1,78 Prozent. Im diesjährigen Krankenkassenvergleich von Finanztip haben HKK, TK, Audi BKK, HEK, Energie-BKK und Big direkt gesund am besten abgeschnitten. Keine von ihnen hat den Zusatzbeitrag im Sommer erhöht.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Kindernachversicherungsgarantie: Auf Fristen achten
Wie man sich vor unerwarteten Beitragserhöhungen schützen kann
Rating Zusatz-KV: Nur jeder fünfte Tarif ist ‚hervorragend‘
Wettbewerbsverzerrung in der Krankenversicherung beenden
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Solvency II: Kapitalpolster der Lebensversicherer wächst sprunghaft
Allianz Trade: Nahostkonflikt treibt Insolvenzen weltweit nach oben
Hiscox: Ransomware und die Illusion der Wiederherstellbarkeit
Schadenmanagement: Kunden wollen Geld und Menschen – Versicherer setzen auf Tempo und KI
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.














