Hochwasser in Süddeutschland: Versicherer stellen sich auf Großschadenereignis ein

Veröffentlichung: 10.06.2024, 11:06 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Versicherer gehen angesichts des Hochwassers in Süddeutschland von einem überdurchschnittlich großen Schadenereignis aus. „Die Bilder aus Bayern und Baden-Württemberg lassen Schlimmes erahnen. Unsere Unternehmen erreichen schon jetzt viele Schadenmeldungen“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Für eine Schadenschätzung sei es aber noch viel zu früh. „Eine Prognose können wir erst geben, wenn die Pegel überall gesunken sind.“

(PDF)
Stiefel im HochwasserStiefel im HochwasserRico Löb – stock.adobe.com

Für die Versicherer gehe es nun darum, den Betroffenen schnell und effizient zu helfen. „Die Unternehmen sind für solche Großkatastrophen in der Regel gewappnet”, betont Asmussen. „Die Versicherer haben für solche Fälle spezielle Einsatzpläne. Sie bündeln ihr Personal vor Ort und in der Verwaltung, um die Schadenmeldungen schnell aufnehmen und abarbeiten zu können.“ Gleichzeitig haben die Versicherer Kooperationen mit externen Kräften, die sie in die Katastrophengebiete entsenden können.

Unterschiedlich hohe Versicherungsdichte

Wie schwer die Katastrophe den Sektor wirtschaftlich treffen wird, hängt auch davon ab, wie viele der betroffenen Häuser über den sogenannten Elementarschutz verfügen, der Schäden durch Hochwasser, Starkregen oder Lawinen mit abdeckt. In Bayern sind 47 Prozent der Gebäude gegen sämtliche Naturgefahren versichert, in Baden-Württemberg liegt der Anteil hingegen bei 94 Prozent – aus historischen Gründen. Bis 1994 waren dort alle Gebäudeeigentümer in der öffentlich-rechtlich ausgestalteten Gebäudeversicherung gegen Feuer und gegen Elementarschäden pflichtversichert. Der Staat versicherte und legte auch die Prämie per Rechtsverordnung fest. Als Blaupause für eine flächendeckende Pflichtversicherung gegen Elementarschäden dient das Modell aber nicht. „Das war keine privatwirtschaftliche Lösung. Und die Prämien spiegelten auch nicht das tatsächliche Risiko wider“, so Asmussen.

Pflichtversicherung allein ist keine Lösung

„Eine Versicherung allein ist keine Lösung. Dabei bleiben staatlicher und individueller Hochwasserschutz auf der Strecke“, betont Asmussen. Angesichts häufiger auftretender schwerer Unwetter – gerade in Deutschland – müsse mehr getan werden, um Schäden zu vermeiden, wie auch die gebrochenen Dämme in Bayern zeigten.

Wir brauchen Bauverbote in Überflutungsgebieten, eine Pflicht zu wasserresilienten Baustoffen und bessere Hochwasserschutzanlagen. Nur so können wir die Spirale aus steigenden Schäden und steigenden Prämien durchbrechen.

Bereits zwei Hochwasser seit der Jahreswende

In den vergangenen Monaten hatten die Versicherer bereits zweimal für Überschwemmungen einzustehen. Über Weihnachten traten in Nord- und Mitteldeutschland viele Flüsse über die Ufer, dabei entstand ein Schaden von schätzungsweise 200 Millionen Euro. Ähnlich verheerend war laut vorläufiger GDV-Prognose das Hochwasser im Saarland und Rheinland-Pfalz über die Pfingstfeiertage.

Die bislang verheerendste Naturkatastrophe war die sogenannte Juli-Flut von 2021, die insbesondere in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen Verwüstungen anrichtete. Damals entstand ein versicherter Schaden von knapp 9 Milliarden Euro.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Dr. Michael Zons, im Vorstand der DEVK für das Ressort Kunde verantwortlich.Dr. Michael Zons, im Vorstand der DEVK für das Ressort Kunde verantwortlich.DEVK
4 Wände

Mehrheit für Pflichtversicherung gegen Hochwasser und Naturgefahren

Hochwasser, Starkregen und Naturgefahren rücken wieder stärker in den politischen Fokus. Während die Bundesregierung über eine verpflichtende Elementarschadenversicherung nachdenkt, zeigt eine aktuelle Umfrage: Eine Mehrheit der Bevölkerung würde einen solchen Schritt unterstützen.
Zu sorglos: Viele Immobilienbesitzer unterschätzen noch immer die Gefahren, die durch Starkregen und Hochwasser drohen (Symbolbild).Zu sorglos: Viele Immobilienbesitzer unterschätzen noch immer die Gefahren, die durch Starkregen und Hochwasser drohen (Symbolbild).DALL-E
4 Wände

Viele Eigentümer unterschätzen Starkregen- und Hochwasserrisiken

Starkregen und Hochwasser nehmen zu – doch Prävention bleibt aus. Laut AXA Präventionsreport fühlt sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung gut vorbereitet auf Naturgefahren. Konkrete Schutzmaßnahmen zeigen jedoch ein anderes Bild.
House insurance protection conceptHouse insurance protection concept
4 Wände

Hausbesitzer plädieren für Pflichtversicherung gegen Elementarschäden

In einer Verivox-Umfrage spricht sich eine klare Mehrheit der Hausbesitzer für eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden aus. 81 Prozent sind dafür, dass Versicherer verpflichtet werden, allen Hausbesitzern einen Elementarschutz anzubieten.
concept housing a young family. mother father and children in  new homeconcept housing a young family. mother father and children in new homeJenkoAtaman – stock.adobe.com
4 Wände

Der kostbarste Platz der Welt bestens versichert

Der Immobilienerwerb ist in der Regel die größte Anschaffung im Leben. Somit hätte eine Beschädigung oder gar der Komplettverlust fatale Konsequenzen, keinesfalls nur finanzieller Natur. Die DOMCURA bietet seit 1980 dafür leistungsstarke Versicherungslösungen, die durch regelmäßige Innovationen überzeugen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht