BdV: Zufriedenstellendes Jahr für Versicherer bedeutet katastrophales Jahr für Versicherte

Des einen Freud, des anderen Leid: Nachdem der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seine Zahlen für das Jahr 2019 vorgestellt und als „ausgesprochen zufriedenstellend“ bezeichnet hat, bewertet der Bund der Versicherten e. V. (BdV) das Jahr aus Sicht der Verbraucher ganz anders.

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV, dazu:

„Überschussbeteiligungen auf historischen Tiefstständen, Verkauf von Millionen von Altersvorsorgeverträgen und Sicherheitsbedenken bei einem Viertel der Unternehmen sind beängstigend. Gute Unternehmensergebnisse auf Kosten der Versicherten zu bejubeln, das ist zynisch.

Wir bestätigen die Einschätzung des GDV und der Allianz, dass sich die Rahmenbedingungen fundamental geändert haben, das Umfeld herausfordernd ist und auch ein deutlicher Anstieg der Belastungen aus höheren Reserven zu erwarten ist.“

Allerdings geht aufgrund von neuen Gesetzen und Verordnungen der letzten neun Jahre die Finanzierung dieser Reserven stets zu Lasten der Versicherten und nur zu geringem Teil mit Nachteil für die Unternehmen.

„Bei Aktiengesellschaften sehen wir historisch hohe Dividenden, während die Kunden mit mickrigen Überschüssen abgespeist werden. Die von den Lobbyisten bejubelten Ergebnisse sind im aktuell betriebenen Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherung nur möglich, wenn die Versicherten schlecht behandelt werden.“

LV: „Paradoxie“ des Geschäftsmodells

Andreas Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Allianz Lebensversicherung, referierte für das Thema Lebensversicherung. Er erklärte die im Vergleich zu den Überschüssen hohe Nettoverzinsung ausdrücklich mit einer „Paradoxie“ des Geschäftsmodells der Lebensversicherung. Demnach wären gerade wenn die Reserven gestärkt werden auch gleichzeitig hohe Verzinsungen zu Gunsten des Unternehmensergebnisses möglich.

„Das was Herr Wimmer unverständlich als Paradoxie und als Teil des Lebensversicherungsgeschäfts erklärt, ist Teil dessen, was wir als legalen Betrug bezeichnen. Das Geschäftsmodell der Lebensversicherung basiert darauf, die Kundinnen und Kunden für die von den Unternehmen freiwillig und sehenden Auges gewählten Risiken in die Pflicht zu nehmen, mit Gewinnen dann aber das Unternehmensergebnis zu steigern.“

Die Pressekonferenz des GDV war für Axel Kleinlein geprägt von Zynismus:

„2019 hat neue Tiefststände in der Überschussbeteiligung gezeigt, millionenfach wurde die Altersvorsorge von Versicherten zum Spielball ausländischer Investoren und ein Viertel der Unternehmen ist angezählt. Wer sich dann noch selbst in dieser Art auf die Schultern klopft, verhöhnt die Versicherten, die Milliarden an Euros in den legalen Betrug der Lebensversicherung gesteckt haben.“

GDV: „Zufriedenstellendes“ Jahr für die Versicherungsbranche

 

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