Zinsschere in Deutschland wird größer

Mit dem WeltSparen-Zinsradar wird regelmäßig die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und wie sich diese auf Sparer in ganz Europa auswirkt untersucht.

Dabei zeigt sich, dass sich die Zinsschere für deutsche Sparer immer mehr öffnet.

Festgeldzinsen mit großen Unterschieden

Die Angebote mit den höchsten Zinsen sind nicht bei den größten Banken zu finden, sondern diese haben ihre Zinsen sogar noch leicht reduziert. In Deutschland ist dieser Unterschied am gravierendsten. Die Festgeldzinsen der größten Banken in Deutschland betragen im Durchschnitt lediglich 0,03 Prozent p.a. Wer nach besseren Angeboten sucht, erhält bis zu 38-mal mehr Zinsen. Dabei sind nicht nur Privatkunden von der anhaltenden Zinsflaute betroffen, sondern auch Geschäftskunden.

Zinsanstieg erst für 2020 erwartet

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt ihre Geldpolitik nach dem Januar-Meeting unverändert, aber „bemerkt eine schwächere Entwicklung und eine veränderte Balance im Risiko für Wachstum“. Der Einlagenzins für Banken bleibt auf einem historisch niedrigen Stand von -0,4 Prozent. Die Marktpreise reflektieren derzeit einen Anstieg dieses Zinses erst zur Mitte des Jahres 2020.

Wirtschaftskraft Deutschlands geschrumpft

Aufgrund von Unsicherheiten beim globalen Handel, der Gefahr eines Brexit und der Wirtschaft Italiens wird die Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität in der Euro-Zone als andauernd angesehen. Das Lohnwachstum verlangsamt sich weiter, doch der prognostizierte Anstieg der Inflation ist nicht erfolgt.

Die Exporte und Investitionen der Euro-Zone nehmen ebenfalls ab. Die Wirtschaftskraft von Deutschland (-0,2 Prozent) und Italien (-0,1Prozent) ist im dritten Quartal geschrumpft. Die italienische Zentralbank kündigte an, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2018 erneut abgenommen haben könnte – Italien wäre damit in einer Rezession.

Auswirkungen der EZB-Politik

Einen Monat nach dem Ende des Anleihenkauf-Programms durch die EZB sind die Zinsen weiter gesunken – in Europa um 3 Prozent im Vergleich zum Vormonat und um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es überrascht nicht, dass sich bis Ende November noch keine Auswirkungen auf die Zinsentwicklung durch das Ende vom Anleihenkauf-Programm ablesen lassen.

Zinsen um zwei Drittel gestiegen

In Deutschland bewegen sich die Zinsen stetig um 30 Basispunkte. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zinsen in Deutschland jedoch von diesem niedrigen Niveau um zwei Drittel (67 Prozent) gestiegen.

Zinsentwicklung für Privatkunden

In den Niederlanden und in Frankreich sind die Zinsen auf Sparguthaben im europäischen Vergleich am höchsten. In Italien stiegen die Zinsen deutlich um 9 Basispunkte zum Vormonat und setzten ihren Aufwärtstrend fort, der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres begann.

Die größten Verlierer sind Sparer in der Slowakei mit einem Zinsrückgang von 7 Basispunkten. Dennoch liegen dort die Zinsen 16 Basispunkte über dem Stand vom Vorjahr.

Bei den Fremdwährungseinlagen gibt es zwei klare Gewinner: In Polen und der Tschechischen Republik sind die Zinsen jeweils um beeindruckende 20 Basispunkte gestiegen.

In Großbritannien waren die Zinsen zuletzt leicht gestiegen. Der drohende Brexit macht sich jedoch nicht nachhaltig in der Zinsentwicklung für Privatkunden bemerkbar. Im Vergleich zum Vormonat sind die Zinsen in Großbritannien wieder um 7 Basispunkte gesunken.

Niedrigzinsen treffen auch Geschäftskunden

Die Zinsen auf die Einlagen von Geschäftskunden sind auch wieder im Durchschnitt gesunken. Eine Ausnahme stellt Litauen dar. Dort gab es einen Anstieg von 9 Basispunkten. Das entspricht einem Anstieg um 112,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Allerdings sind die Zinsen lediglich auf den Vorjahresstand zurückgekehrt. In Italien stiegen die Zinsen für Geschäftskunden auf insgesamt 62 Basispunkte, was einem Anstieg von 10 Basispunkten im Vergleich zum Vormonat entspricht. Die größten Verlierer in Europa sind aktuell Unternehmer in Zypern. Die Geschäftskundenzinsen sanken dort um 29 Basispunkte zum Vormonat und um 92 Basispunkte im Vergleich zum Vorjahr.

 

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