Autonom gelenkte Fahrzeuge sollen klassische Kfz-Versicherungen auf lange Sicht überflüssig machen, denn der Mensch als die wichtigste Ursache der Unfälle fällt weg. So sieht ein Bild der Zukunft aus. Fidelity rechnet damit, dass Kfz-Versicherungen für Anbieter mittelfristig zunächst sogar profitabler werden. Allerdings müssen Versicherer auf lange Sicht ihre Geschäftsmodelle grundlegend überdenken.
Der Straßenverkehr der Zukunft wird von autonomem Fahren geprägt werden. Deutsche Autorfahrer werden sich damit arrangieren lernen, dass auch hier der Automatisierungsgrad sukzessive zunehmen wird, bis der Computer das Auto letztendlich eigenständig steuert. Der Mensch als Unfallverursacher ist somit nicht mehr vorhanden. Diese Entwicklung wird das Geschäftsmodell der Kfz-Versicherungen tiefgreifend verändern.
Bessere Sicherheitssysteme werden die Zahl der Unfälle durch unachtsames Fahren in den kommenden Jahren verringern, doch dafür werden die Schadenssummen je Unfall in die Höhe gehen. Der Grund liegt bei den modernen Sicherheitssystemen. Sie sind teuer und Reparaturkosten entsprechend hoch. Eine bessere Sicherheitstechnik führt auch dazu, dass Unfallopfer eine bessere Überlebenschance haben. Versicherungen werden jedoch mehr Aufwendungen für Behandlungen und Rechtsstreitigkeiten, auch gegenüber Herstellern, einzukalkulieren haben.
Anstieg der Ausgaben bis 2035
Die Kombination weniger Unfälle und höhere Kosten pro Unfall wird die Profitmargen der Autoversicherer zunächst belasten. Einen Höhepunkt für die Schadenkosten prognostiziert Fidelity für das Jahr 2035, danach soll der Effekt wieder abnehmen. Dies ist darin begründet, dass die Zahl der Unfälle durch die bessere Sicherheitstechnik so stark sinkt, dass sich die Kosten für Schäden insgesamt verringern und Sicherheitssysteme bis dahin auch günstiger zu reparieren sind.
In Märkten, in denen der Vertrieb von Versicherungen vor allem über Makler erfolgt, können Versicherungen hohe Profitraten länger aufrechterhalten. Dazu zählt auch Deutschland. Hier dominieren ähnlich wie in der Slowakei, Italien, Türkei und Slowenien die Makler das Versicherungsgeschäft. Somit gibt es vergleichsweise weniger Wettbewerb als in Ländern wie Großbritannien und den Benelux-Staaten. Dort wird der Kfz-Versicherungsmarkt durch den Direktvertrieb dominiert.
2035: Das Ende einer Ära
Nach Untersuchungen von Fidelity wird der Markt für Kfz-Versicherungen nach 2035 allmählich schrumpfen, die Umsätze werden nachgeben. Somit könnte ein Problem vor allem für kleinere Versicherer entstehen, die ihre Fixkosten dann nicht mehr decken können und als erste aus dem Markt ausscheiden – zugunsten großer Anbieter.
Für Fidelity steht fest: Das Kfz-Versicherungsgeschäft wird sich ändern, aber nicht überflüssig werden. Das autonome Fahren birgt Risiken, verursacht durch die Technik. Die Hersteller werden mehr Verantwortung für Unfälle übernehmen müssen und beispielsweise für Sensor-Fehler oder Software-Pannen haften. Entsprechender Versicherungsschutz wird gefragt sein. Beginnen die Automobilhersteller ihre Produkthaftung auf Versicherungen zu übertragen, werden sie nach Einschätzung von Fidelity Anbieter bevorzugen, die weltweit präsent sind.
Hinzu kommt, dass Cyberschutz im Fahrzeug lukrativ werden kann. Denn ein autonomes Fahrzeug, das mit anderen Autos und der Umwelt kommuniziert, kann immer Opfer von Hackern werden. Allerdings ist es für die Gesellschaften heute noch schwierig diese Risiken und mögliche Schäden einzupreisen.
Bild: © RioPatuca Images / fotolia.com
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