Anleihe-ETFs: Deutsche Anleger setzen auf den Euro
Bei Aktien-ETFs setzen deutsche Anleger stark auf internationale Märkte. Bei Anleihe-ETFs sieht das Bild anders aus: Rund 70 Prozent des entsprechenden Vermögens entfallen laut einer BVI-Untersuchung auf Euro-Indizes. Auch die Absicherung von Währungsrisiken spielt eine Rolle. Die Zahlen zeigen, wie unterschiedlich Anleger Aktien und festverzinsliche Wertpapiere behandeln.
Deutsche ETF-Anleger verfolgen bei Aktien und Anleihen unterschiedliche Schwerpunkte. Während bei Aktienprodukten globale und amerikanische Indizes dominieren, konzentrieren sich Investoren bei Anleihe-ETFs vor allem auf den Euroraum. Das zeigt der dritte Teil einer Research-Serie des deutschen Fondsverbands BVI zum deutschen ETF-Markt. Demnach entfallen rund 70 Prozent des von deutschen Anlegern gehaltenen passiven Anleihe-ETF-Vermögens auf Indizes, die auf Euro lautende Anleihen abbilden. Damit spielt die eigene Währungsregion bei festverzinslichen Anlagen eine deutlich größere Rolle als bei Aktieninvestments.
Euro-Anleihen dominieren die ETF-Portfolios
Insgesamt halten deutsche Anleger nach den BVI-Daten rund 72 Milliarden Euro in passiven Anleihe-ETFs. Der größte Teil davon entfällt auf Produkte mit Euro-Anleihen. Daneben spielen insbesondere Indizes für auf US-Dollar lautende Anleihen eine Rolle. Auf diese entfallen rund 17,7 Milliarden Euro beziehungsweise knapp ein Viertel des Anleihe-ETF-Vermögens. Anleihen in anderen Währungen kommen zusammen lediglich auf rund zwei Milliarden Euro. Die Verteilung macht deutlich, dass deutsche Anleger bei festverzinslichen Wertpapieren überwiegend innerhalb ihres vertrauten Währungsraums investieren.
Warum Währungsrisiken bei Anleihen besonders wichtig sind
Ein möglicher Grund für diese Verteilung liegt in der Funktion, die Anleihen innerhalb eines Portfolios erfüllen sollen. Während Aktien häufig zur langfristigen Erzielung höherer Renditen eingesetzt werden, dienen Anleihen vielfach der Stabilisierung und der planbareren Ertragskomponente. Bei Anleihen in Fremdwährungen kommt jedoch ein zusätzliches Risiko hinzu: Wechselkursschwankungen können die in Euro gemessene Wertentwicklung beeinflussen. Ein Anleihe-ETF kann deshalb trotz vergleichsweise stabiler Kurse der enthaltenen Wertpapiere für einen deutschen Anleger deutliche Wertschwankungen aufweisen, wenn sich die jeweilige Fremdwährung gegenüber dem Euro verändert. Die Konzentration auf Euro-Anleihen kann helfen, dieses zusätzliche Währungsrisiko zu vermeiden. Allerdings bleiben auch Euro-Anleihen Risiken ausgesetzt. Dazu zählen insbesondere Veränderungen des Zinsniveaus und die Bonität der Schuldner.
US-Dollar-Anleihen werden teilweise abgesichert
Dass deutsche Anleger nicht vollständig auf internationale Anleihemärkte verzichten, zeigen die Bestände in US-Dollar-Indizes. Ein Teil der entsprechenden Produkte nutzt eine Währungsabsicherung gegenüber dem Euro. Nach den BVI-Daten liegt der Anteil währungsgesicherter Anlagen im US-Dollar-Segment bei rund 35 Prozent. Solche Absicherungen sollen die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf die Wertentwicklung reduzieren. Sie beseitigen allerdings weder Zins- noch Kreditrisiken. Zudem können die Kosten und Erträge der Absicherung die Rendite beeinflussen. Für Anleger ist deshalb entscheidend, ob ein internationaler Anleihe-ETF seine Währungsrisiken absichert und welche Rolle das Produkt innerhalb des Gesamtportfolios übernehmen soll.
Bloomberg ist bei Anleihe-Indizes besonders stark
Auch bei den Indexanbietern unterscheidet sich der Anleihemarkt vom Aktiensegment. Während MSCI bei passiven Aktien-ETFs die führende Stellung einnimmt, ist bei Anleihe-ETFs Bloomberg der dominierende Indexanbieter. Nach der BVI-Untersuchung entfallen rund 56 Prozent des passiven Anleihe-ETF-Vermögens deutscher Anleger auf Bloomberg-Indizes. Die unterschiedliche Marktstellung zeigt, dass die Wahl des Indexanbieters stark von der jeweiligen Anlageklasse abhängt. Für die Bewertung eines Anleihe-ETFs sind insbesondere die Auswahlkriterien des Index relevant. Dazu gehören beispielsweise die Laufzeiten der enthaltenen Anleihen, deren Kreditqualität und die Zusammensetzung nach Emittenten.
Anleihe-ETF ist nicht gleich Sicherheitsbaustein
Die starke Euro-Orientierung lässt sich als Hinweis darauf verstehen, dass deutsche Anleger bei Anleihen besonderen Wert auf die Vermeidung zusätzlicher Währungsrisiken legen. Ob ein konkreter Anleihe-ETF tatsächlich zur Stabilisierung eines Portfolios geeignet ist, hängt jedoch von weiteren Faktoren ab. Ein Fonds mit lang laufenden Staatsanleihen reagiert beispielsweise anders auf Zinsänderungen als ein Produkt mit kurz laufenden Papieren. Unternehmensanleihen wiederum bringen andere Kreditrisiken mit sich als Staatsanleihen hoher Bonität. Für Vermittler und Anleger reicht es daher nicht aus, einen ETF allein anhand seiner Anlageklasse oder Währung auszuwählen. Entscheidend ist, welche Aufgabe der Anleiheanteil im Portfolio erfüllen soll – und ob Laufzeiten, Bonität, Währungsrisiken und Indexregeln dazu passen.
Quelle: BVI Research zum deutschen ETF-Markt, dritter Teil, Oktober 2026. Bestandsdaten zum 30. Juni 2026.
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