Deutschlands Steuerrekord beruht auf Arbeit und Konsum

Veröffentlichung: 16.06.2026, 14:06 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden sind 2025 auf 989,8 Milliarden Euro gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 42,1 Milliarden Euro oder 4,4 Prozent. Die Marke von einer Billion Euro liegt damit erstmals in Reichweite.
Die Rekordsumme erzählt allerdings nur die halbe Geschichte. Entscheidend ist, woher das zusätzliche Geld kommt. Die Steuerstatistik zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung: Das Wachstum der öffentlichen Einnahmen wird zunehmend von Arbeitnehmern und Verbrauchern getragen, während die gewinnabhängigen Unternehmenssteuern an Bedeutung verlieren.

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Fast eine Billion Euro Steuereinnahmen: Der Fiskus profitiert 2025 vor allem von Beschäftigung und Konsum. Unternehmenssteuern liefern dagegen immer weniger Wachstumsimpulse.Fast eine Billion Euro Steuereinnahmen: Der Fiskus profitiert 2025 vor allem von Beschäftigung und Konsum. Unternehmenssteuern liefern dagegen immer weniger Wachstumsimpulse.Adobe

Die Lohnsteuer wird zur tragenden Säule

Mit 262,7 Milliarden Euro erreichte die Lohnsteuer 2025 einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr stieg das Aufkommen um 13,8 Milliarden Euro. Damit stammt nahezu jeder dritte zusätzliche Steuer-Euro aus der Besteuerung von Arbeitseinkommen. Die Lohnsteuer allein macht inzwischen 26,5 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus. 2021 lag der Anteil noch bei 26,2 Prozent.
Noch größer ist die Bedeutung der Umsatzsteuern. Sie brachten dem Fiskus 310,2 Milliarden Euro ein und stehen inzwischen für 31,3 Prozent aller Steuereinnahmen. Zusammen vereinen Lohn- und Umsatzsteuer damit fast 58 Prozent des gesamten Steueraufkommens auf sich.
Der Staat profitiert dabei von zwei Entwicklungen gleichzeitig: einer weiterhin hohen Beschäftigung und einer Konsumnachfrage, die trotz schwacher Konjunktur bemerkenswert robust bleibt.

Unternehmenssteuern verlieren an Dynamik

Auf der anderen Seite zeigt die Statistik eine deutlich schwächere Entwicklung bei den gewinnabhängigen Steuern.
Die Körperschaftsteuer sank 2025 leicht auf 39,2 Milliarden Euro. Ihr Anteil am gesamten Steueraufkommen liegt nur noch bei 4,0 Prozent. 2021 waren es noch 5,1 Prozent. Auch die Gewerbesteuer bleibt zwar auf hohem Niveau, ihr Wachstum hat sich jedoch erheblich abgeschwächt. Nach dem kräftigen Anstieg der Jahre 2021 bis 2023 legte sie 2025 nur noch um 1,5 Prozent auf 76,4 Milliarden Euro zu.
Das bedeutet nicht, dass Unternehmen steuerlich an Bedeutung verlieren. Wohl aber, dass sie derzeit deutlich weniger zum Wachstum des Steueraufkommens beitragen als Arbeitnehmer und Konsumenten.

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Der fiskalische Zielkonflikt

Darin liegt eine politische Spannung, die in der Steuerdebatte oft übersehen wird.
Nahezu jede Bundesregierung kündigt Entlastungen für Arbeit an und fordert gleichzeitig mehr private Investitionen. Die Einnahmestruktur des Staates entwickelt sich jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Je stärker Lohnsteuer und Umsatzsteuer die öffentlichen Haushalte tragen, desto größer wird die fiskalische Abhängigkeit von genau den Belastungen, die politisch regelmäßig reduziert werden sollen.
Der Staat lebt damit zunehmend von den Faktoren, die er gleichzeitig entlasten möchte.

Die Billionengrenze hat einen Preis

Die Steuerstatistik 2025 dokumentiert nicht nur einen neuen Rekordwert. Sie zeigt auch, auf welcher Basis dieser Rekord entsteht.
Der Weg zur Billion Euro führt derzeit nicht über außergewöhnlich hohe Unternehmensgewinne. Er führt über steigende Lohnsummen und einen anhaltend hohen Konsum. Für den Fiskus ist das kurzfristig komfortabel. Langfristig wächst damit jedoch die Abhängigkeit der öffentlichen Haushalte von Arbeitseinkommen und Verbrauch.
Der Steuerstaat wächst weiter. Seine finanzielle Grundlage wird dabei immer stärker zur Angelegenheit von Arbeitnehmern und Konsumenten. Das ist die eigentliche Botschaft hinter dem Rekordjahr 2025.

Quellen
Bundesministerium der Finanzen (BMF), Referat I A 5: Steuereinnahmen nach Steuergruppen – IST-Ergebnisse 2021 bis 2025, Stand: 11. Juni 2026.
Eigene Berechnungen auf Basis der BMF-Steuerstatistik.

FAQ: Wer bekommt eigentlich welche Steuern?

Der Bund finanziert sich vor allem aus Gemeinschaftsteuern wie Lohnsteuer und Umsatzsteuer sowie aus eigenen Bundessteuern wie Energie-, Tabak- und Versicherungsteuer.

Die größten Einnahmequellen des Bundes sind:

  • Umsatzsteuer
  • Lohnsteuer
  • Energiesteuer
  • Versicherungsteuer
  • Tabaksteuer

Der Bund profitiert besonders stark vom privaten Konsum.

Die Länder erhalten Anteile an den großen Gemeinschaftsteuern und verfügen zusätzlich über eigene Ländersteuern. Wichtige Einnahmequellen sind:

  • Lohnsteuer
  • Umsatzsteuer
  • Körperschaftsteuer
  • Grunderwerbsteuer
  • Erbschaftsteuer

Die Länder sind damit stärker von Einkommen und Unternehmensgewinnen abhängig als die Kommunen.


Die Kommunen verfügen über die stärksten eigenen Steuerquellen im deutschen Föderalismus.

Die wichtigsten Einnahmen sind:

  • Gewerbesteuer
  • Gemeindeanteil an der Einkommensteuer
  • Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer
  • Grundsteuer

Die Gewerbesteuer bleibt dabei die mit Abstand wichtigste eigenständige Steuerquelle.


Steuerart Anteil am Gesamtaufkommen
Umsatzsteuern 31,3 %
Lohnsteuer 26,5 %
Gewerbesteuer 7,7 %
Veranlagte Einkommensteuer 7,9 %
Körperschaftsteuer 4,0 %


Zusammen finanzieren Umsatzsteuer und Lohnsteuer fast 58 Prozent aller öffentlichen Steuereinnahmen.

Alle drei staatlichen Ebenen.

Die Lohnsteuer gehört zu den Gemeinschaftsteuern und wird zwischen Bund, Ländern und Gemeinden verteilt.

Steigende Beschäftigung und höhere Löhne verbessern daher gleichzeitig:

  • die Bundesfinanzen,
  • die Landeshaushalte,
  • die Kommunalfinanzen.

Deshalb besitzt die Entwicklung des Arbeitsmarktes für die öffentlichen Haushalte inzwischen eine größere Bedeutung als viele einzelne Unternehmenssteuern.

Die Lohnsteuer gehört zu den sogenannten Gemeinschaftsteuern. Das Aufkommen wird zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt. Keine staatliche Ebene erhält die Einnahmen allein. Mit 262,7 Milliarden Euro war die Lohnsteuer 2025 die größte einzelne Einnahmequelle des Staates.Die Gewerbesteuer ist die wichtigste originäre Steuer der Kommunen. Sie fließt grundsätzlich an Städte und Gemeinden, die allerdings einen Teil über die Gewerbesteuerumlage an Bund und Länder abführen. Dennoch bleibt sie die zentrale kommunale Unternehmenssteuer.Die Körperschaftsteuer wird von Kapitalgesellschaften wie GmbHs oder Aktiengesellschaften gezahlt.

Das Aufkommen steht Bund und Ländern gemeinsam zu.

Die Kommunen erhalten daraus keinen direkten Anteil.

Die Umsatzsteuer wird zwischen Bund, Ländern und Gemeinden verteilt. Der Bund erhält dabei den größten Anteil. Da die Umsatzsteuer mit mehr als 310 Milliarden Euro die größte Steuerart Deutschlands ist, spielt ihre Verteilung eine zentrale Rolle für den gesamten Finanzausgleich.

Zu den wichtigsten kommunalen Steuern gehören die Gewerbesteuer sowie die Grundsteuer. Beide bilden das finanzielle Fundament vieler Städte und Gemeinden. Während die Gewerbesteuer von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängt, liefert die Grundsteuer vergleichsweise stabile Einnahmen.


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