Was das neue Gebäudemodernisierungsgesetz vorsieht – und wo Kritik ansetzt

Veröffentlichung: 25.02.2026, 15:02 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Bundesregierung will das bisherige „Heizungsgesetz“ grundlegend umbauen. Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz soll technologieoffener und weniger bürokratisch werden. Der Bauherren-Schutzbund warnt jedoch vor Fehlinvestitionen und fordert eine stärkere unabhängige Energieberatung.

(PDF)
cms.hhjueDALL-E

Heizungsgesetz wird abgeschafft – Technologieoffenheit als Leitmotiv

Nach den vorliegenden Eckpunkten sollen die 2023 eingeführten Detailregelungen (§§ 71–71p GEG) gestrichen werden. Die pauschale 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien entfällt. Ebenso werden bestimmte Betriebsverbote aufgehoben. Künftig liegt die Entscheidung über die Heizungsart wieder stärker bei den Eigentümern. Neben Wärmepumpe, Fernwärme oder hybriden Modellen bleiben auch Gas- und Ölheizungen zulässig – allerdings mit Einschränkungen.

Die „Bio-Treppe“: CO₂-neutraler Anteil steigt stufenweise

Zentrale Neuerung ist die sogenannte „Bio-Treppe“. Ab dem 1. Januar 2029 müssen neue Gas- oder Ölheizungen mindestens zehn Prozent klimafreundliche Brennstoffe nutzen, der Anteil steigt bis 2040 in mehreren Stufen an. Der CO₂-Preis entfällt für diesen klimafreundlichen Anteil. Gleichzeitig setzt die Bundesregierung auf eine moderate Grüngas- und Grünheizölquote für Inverkehrbringer. Damit soll der Gebäudesektor seine Klimaziele weiterhin erfüllen – jedoch ohne unmittelbare Austauschpflicht funktionierender Heizungen.

Bauherren-Schutzbund: Gefahr von Fehlinvestitionen

Henrik Fork-Weigel, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbundes (BSB), sieht hier Risiken für private Eigentümer: „Mit der geplanten ‚Bio-Treppe‘, die zunehmend auf nur begrenzt verfügbare grüne Gase und Wasserstoff setzt, drohen aktuell nicht kalkulierbare Mehrkosten für private Haushalte.“ Der Verband fordert daher eine Stärkung der unabhängigen Energieberatung und des individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP). Kritisch bewertet wird insbesondere der geplante Wegfall der Beratungspflicht beim Heizungstausch zu CO₂-Bepreisung und kommunaler Wärmeplanung. Aus Sicht des BSB dürfe die Technologieoffenheit nicht zu einer Kostenfalle werden, wenn Brennstoffe künftig knapp oder teuer würden.

Vereinfachte Wärmeplanung und Fernwärmereform

Parallel sollen kleinere Kommunen bei der Wärmeplanung entlastet werden. Für Gemeinden unter 15.000 Einwohnern ist eine stark vereinfachte Planung vorgesehen. Zudem plant die Bundesregierung eine Reform der Fernwärmeregulierung, inklusive Preistransparenzplattform und Anpassungen der AVBFernwärmeV.

Zeitplan und politische Weichenstellung

Das Gesetz soll bis zum 1. Juli 2026 in Kraft treten. Damit erhalten Eigentümer formell Planungssicherheit – zumindest hinsichtlich der regulatorischen Grundrichtung. Offen bleibt jedoch, wie sich Brennstoffpreise, Förderkulissen und Marktverfügbarkeit klimafreundlicher Gase entwickeln.

Versicherungs- und Finanzrelevanz

Für Versicherer und Finanzierer ist das Gesetz in mehrfacher Hinsicht relevant:

  • Werterhalt und Modernisierungsfähigkeit von Bestandsimmobilien
  • Kreditrisiken bei energetisch unsicheren Sanierungskonzepten
  • Haftungsfragen bei Fehlinvestitionen
  • ESG- und Taxonomie-Anforderungen

Die angekündigte Technologieoffenheit verschiebt die Verantwortung stärker auf Eigentümer – und damit auch auf deren Beratungsumfeld.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Der Sanierungsfall: Warum der Gebäudesektor nicht auf Kurs kommtDer Sanierungsfall: Warum der Gebäudesektor nicht auf Kurs kommtAdobe
4 Wände

Der Sanierungsfall: Warum der Gebäudesektor nicht auf Kurs kommt

Analyse zur CO₂-Bilanz im Gebäudesektor 2024 auf Basis des dena-Gebäudereports 2026 – strukturelle Ursachen, politische Maßnahmen und technologische Perspektiven.
House and Stethoscope on TableHouse and Stethoscope on TableDaniel – stock.adobe.com
4 Wände

Immobilien: Modernisierungsquote auf dem Tiefpunkt

Alarmierend: Knapp 61 Prozent der Deutschen planen derzeit überhaupt keine (energetischen) Modernisierungsmaßnahmen für ihre selbstgenutzte Immobilie. Diese fehlende Investitionsbereitschaft gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern auch die Zukunft der Immobilien.
Hohe Kaufnebenkosten erschweren vielen Haushalten den Erwerb von Wohneigentum – insbesondere die Grunderwerbsteuer gilt als zentrale Hürde.Hohe Kaufnebenkosten erschweren vielen Haushalten den Erwerb von Wohneigentum – insbesondere die Grunderwerbsteuer gilt als zentrale Hürde.Redaktion experten.de / KI-generiert
Immobilien

Grunderwerbsteuer als Kaufbremse: Bündnis fordert Reform für mehr Wohneigentum

Ein breites Bündnis aus Bau-, Finanz- und Verbraucherschutzorganisationen fordert eine spürbare Entlastung bei der Grunderwerbsteuer. Ziel ist es, insbesondere Familien den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern – und strukturelle Hürden im Immobilienmarkt abzubauen.
Der Bauherren-Schutzbund (BSB) hat vor dem Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht einen weitreichenden Erfolg im Streit um Verbraucherbauverträge erzieltDer Bauherren-Schutzbund (BSB) hat vor dem Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht einen weitreichenden Erfolg im Streit um Verbraucherbauverträge erzieltBaumannFoto / pixabay
Immobilien

Verbraucherschutz im Bauvertrag: Gericht erklärt zahlreiche Klauseln für unwirksam

Unklare Bauzeiten, problematische Zahlungspläne und weitreichende Änderungsvorbehalte: Mit diesen Vertragsklauseln musste sich ein Fertighausanbieter vor Gericht auseinandersetzen. In einem Verfahren des Bauherren-Schutzbundes erklärte das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht zahlreiche Klauseln für unwirksam. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht