Freie Wahl im Heizungskeller – gesteuert über den Preis

Veröffentlichung: 24.02.2026, 21:02 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die Koalition streicht im Gebäudeenergiegesetz die 65-Prozent-Regel. Neue Gas- und Ölheizungen dürfen weiter eingebaut werden. Die Förderung für Wärmepumpen bleibt bis mindestens 2029 bestehen.

(PDF)
cms.isshu

Beschlossen ist bislang nur ein Eckpunktepapier. Das Gesetz muss erst formuliert und verabschiedet werden. Verbindlich ist im Moment vor allem die politische Botschaft: Der Zwang im Heizungskeller entfällt.

Der Eingriff verschwindet nicht

Die alte Regel griff offen an. Wer neu installierte, musste einen festen Anteil erneuerbarer Energie nachweisen. Das war direkt, überprüfbar und entsprechend umkämpft.

Die neue Konstruktion setzt am Brennstoff an. Ab 2029 sollen neue fossile Heizungen einen steigenden Anteil CO2-neutraler Gase nutzen. Versorger müssen entsprechende Tarife anbieten. Für diesen Anteil entfällt der CO2-Preis.

Das ist keine Deregulierung. Es ist eine Verlagerung des Eingriffs dorthin, wo er weniger Widerstand erzeugt.

Knappheit wird politisch organisiert

Biomethan ist begrenzt. Synthetisches Gas benötigt erhebliche Mengen erneuerbaren Stroms. Industrie, Kraftwerke und Teile des Verkehrs konkurrieren um dieselben Mengen. Eine Quote erzeugt zusätzliche Nachfrage in einem ohnehin engen Markt.

Knappheit führt nicht zu Debatten, sondern zu höheren Preisen.

Investitionen mit Vorbehalt

Für 2030 ist eine Evaluierung vorgesehen. Verfehlt der Gebäudesektor seine Klimaziele, soll nachgesteuert werden. Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, investiert damit in ein System, dessen regulatorische Parameter ausdrücklich unter Vorbehalt stehen.

Gleichzeitig stabilisiert die Entscheidung die Gasinfrastruktur. Netze und Speicher bleiben betriebswirtschaftlich relevant. Ihre Fixkosten verteilen sich auf eine unklare Zukunft. Sinkt der Verbrauch, steigen die Entgelte pro Anschluss.

Freiheit mit Preisschild

Die Koalition spricht von Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung. Formal stimmt das. Der Eigentümer darf wieder wählen.

Gesteuert wird trotzdem – nur indirekt, über Quoten, Beschaffungspflichten und Preise.

Wer jetzt eine neue Gasheizung einbaut, entscheidet sich nicht gegen Regulierung, sondern für eine langfristige Bindung an ein politisch verknapptes Gut.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

piggy bank with money on radiator at homepiggy bank with money on radiator at homeSyda Productions – stock.adobe.com
4 Wände

„Staatliches Sanierungskapital“: Neues Fördermodell verhindert finanzielle Überforderung

Der Neueinbau einer nicht-fossilen Heizung kann Eigentümer von selbst genutzten Immobilien schnell finanziell überlasten. Ein „staatliches Sanierungskapital“ könnte dies verhindern, da monatlich für das komplette Sanierungsprogramm nicht mehr bezahlt werden müsste als für eine neue fossile Heizung.
Die Energiewende steht am Scheideweg. Die Ideologie der ungebremsten Expansion trifft auf die Realität der Netze, Budgets und Strommärkte.Die Energiewende steht am Scheideweg. Die Ideologie der ungebremsten Expansion trifft auf die Realität der Netze, Budgets und Strommärkte.ADOBE
Glosse

Energiewende im Abseits

Lars Klingbeil drängt auf ungebremsten Ausbau der Erneuerbaren - doch Wirtschaftsministerin Katharina Reiche pfeift das Spiel ab. Eine Glosse über politische Zuständigkeitswirren, die Haushaltsdebatte und das Abseits der Energiewende.
Die psychologische Wirkung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts auf den Immobilienmarkt ist fatal.Die psychologische Wirkung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts auf den Immobilienmarkt ist fatal.Foto: Adobestock
4 Wände

Klimafonds-Urteil: Immobilien-Förderungen in Gefahr?

Durch die vom BGH untersagte Umwidmung des Corona-Sondervermögens stehen Fördermittel für die Effizienzsteigerung von Gebäuden in Höhe von 19 Mrd. Euro infrage. Dies könnte den Immobilienmarkt weiter spalten, indem Bestandsgebäude schwerer vermittelbar und notwendige Investitionen vertagt werden.
Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und EnergieKatherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und EnergiePresse- und Informationsamt der Bundesregierung
Politik

Reiche gerät unter Druck – Merz mahnt zur Zurückhaltung

Mit scharfer Kritik am Koalitionspartner hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche die energiepolitische Debatte zugespitzt. Während sie marktbasierte Lösungen betont und staatliche Eingriffe ablehnt, wächst der politische Druck – auch aus dem Kanzlerumfeld.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht