Freie Wahl im Heizungskeller – gesteuert über den Preis
Die Koalition streicht im Gebäudeenergiegesetz die 65-Prozent-Regel. Neue Gas- und Ölheizungen dürfen weiter eingebaut werden. Die Förderung für Wärmepumpen bleibt bis mindestens 2029 bestehen.

Beschlossen ist bislang nur ein Eckpunktepapier. Das Gesetz muss erst formuliert und verabschiedet werden. Verbindlich ist im Moment vor allem die politische Botschaft: Der Zwang im Heizungskeller entfällt.
Der Eingriff verschwindet nicht
Die alte Regel griff offen an. Wer neu installierte, musste einen festen Anteil erneuerbarer Energie nachweisen. Das war direkt, überprüfbar und entsprechend umkämpft.
Die neue Konstruktion setzt am Brennstoff an. Ab 2029 sollen neue fossile Heizungen einen steigenden Anteil CO2-neutraler Gase nutzen. Versorger müssen entsprechende Tarife anbieten. Für diesen Anteil entfällt der CO2-Preis.
Das ist keine Deregulierung. Es ist eine Verlagerung des Eingriffs dorthin, wo er weniger Widerstand erzeugt.
Knappheit wird politisch organisiert
Biomethan ist begrenzt. Synthetisches Gas benötigt erhebliche Mengen erneuerbaren Stroms. Industrie, Kraftwerke und Teile des Verkehrs konkurrieren um dieselben Mengen. Eine Quote erzeugt zusätzliche Nachfrage in einem ohnehin engen Markt.
Knappheit führt nicht zu Debatten, sondern zu höheren Preisen.
Investitionen mit Vorbehalt
Für 2030 ist eine Evaluierung vorgesehen. Verfehlt der Gebäudesektor seine Klimaziele, soll nachgesteuert werden. Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, investiert damit in ein System, dessen regulatorische Parameter ausdrücklich unter Vorbehalt stehen.
Gleichzeitig stabilisiert die Entscheidung die Gasinfrastruktur. Netze und Speicher bleiben betriebswirtschaftlich relevant. Ihre Fixkosten verteilen sich auf eine unklare Zukunft. Sinkt der Verbrauch, steigen die Entgelte pro Anschluss.
Freiheit mit Preisschild
Die Koalition spricht von Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung. Formal stimmt das. Der Eigentümer darf wieder wählen.
Gesteuert wird trotzdem – nur indirekt, über Quoten, Beschaffungspflichten und Preise.
Wer jetzt eine neue Gasheizung einbaut, entscheidet sich nicht gegen Regulierung, sondern für eine langfristige Bindung an ein politisch verknapptes Gut.
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