Vertragsrecht, Unfälle, Kündigungen: Warum Deutsche 2025 zum Anwalt gehen

Veröffentlichung: 20.02.2026, 10:02 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Vertragsstreitigkeiten führen 2025 die Statistik der R+V-Rechtsschutzversicherung klar an. Doch hinter den Zahlen zeigen sich neue Konfliktfelder – von Coachingverträgen bis zu KI-generierten Schriftsätzen mit juristischen Fehlern.

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Vertragsrecht bleibt häufigster Auslöser

Wenn Privatpersonen im Jahr 2025 juristischen Beistand in Anspruch nahmen, ging es am häufigsten um vertragliche Auseinandersetzungen. Nach Angaben der R+V-Rechtsschutzversicherung betraf jede vierte anwaltliche Inanspruchnahme Fälle aus dem Vertragsrecht. „Zu den Klassikern bei vertraglichen Streitigkeiten zählen verschwiegene Mängel bei einem Gebrauchtwagenverkauf, überzogene Stromrechnungen oder zu lange Kündigungsfristen im Fitnessstudio“, berichtet Miriam Weidner, Juristin bei der R+V Versicherung. Zunehmend geraten auch Coachingverträge in den Fokus. „Mal erbringt der Coach nicht die versprochene Leistung, mal erstellt er viel zu hohe Rechnungen“, so Weidner. Diese Konstellationen seien ein vergleichsweise neues Phänomen im Vertragsrecht.

Schadenersatz nach Verkehrsunfällen

Auf Platz zwei der häufigsten Streitgründe folgen Schadenersatzfälle mit 18 Prozent. Dabei stehen Verkehrsunfälle im Mittelpunkt „Am häufigsten entbrennt der Zwist nach Verkehrsunfällen – beispielsweise um die Höhe der Unfallkosten“, erläutert Weidner. Neben klassischen Kostenfragen komme es auch zu persönlichen Auseinandersetzungen. In Einzelfällen werde nach einem Unfall Schmerzensgeld geltend gemacht, etwa bei Beleidigungen oder tätlichen Angriffen. Ungewöhnliche Konstellationen treten ebenfalls auf. So habe in einem Fall explodierender Bauschaum im Kofferraum eines Fahrzeugs zu erheblichen Schäden geführt – mit entsprechenden Schadenersatzforderungen gegenüber dem Hersteller.

Arbeitsrecht unter Druck

Mit 15 Prozent rangiert das Arbeitsrecht auf Platz drei der häufigsten Rechtsstreitigkeiten. „Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist drastisch gestiegen und das wirkt sich auf viele Arbeitsverhältnisse aus. Außerdem macht sich die digitale Transformation bemerkbar“, sagt Weidner. Typische Streitpunkte sind Kündigungen, die Formulierung von Arbeitszeugnissen oder Versetzungen – insbesondere wenn diese mit einem Ortswechsel verbunden sind. Wirtschaftliche Unsicherheit und strukturelle Veränderungen schlagen sich damit zunehmend auch juristisch nieder.

Ordnungswidrigkeiten: Klassiker im Straßenverkehr

Ordnungswidrigkeiten machen 12 Prozent der Fälle aus. Auch hier dominiert der Straßenverkehr. Geschwindigkeitsüberschreitungen, Vorfahrtverstöße oder Ermittlungen nach schweren Verkehrsunfällen gehören zu den häufigsten Konstellationen, bei denen anwaltliche Unterstützung gesucht wird.

Streit ums Wohnen

Immobilienrechtliche Auseinandersetzungen bilden mit 11 Prozent den fünften Platz. „Spitzenreiter sind hier die Nebenkostenabrechnungen. Aber auch Mieterhöhungen landen regelmäßig bei unseren Anwälten“, berichtet Weidner. Darüber hinaus führen Mängel in Mietwohnungen – etwa Schimmelbefall – häufig zu juristischen Auseinandersetzungen, wenn Vermieter aus Sicht der Mieter nicht angemessen reagieren.

Trend: KI-Beratung mit Risiken

Neben den klassischen Streitfeldern beobachtet die R+V einen weiteren Trend: Immer mehr Menschen greifen bei juristischen Fragen auf künstliche Intelligenz zurück. „Häufig liegt die KI aber knapp daneben, berät falsch oder erfindet Urteile“, erklärt Weidner. Problematisch sei vor allem, dass die Ausführungen für Laien juristisch plausibel und sprachlich präzise wirken. Fachliche Fehler würden häufig erst durch Anwälte oder im Gerichtsverfahren erkannt. Damit wächst nicht nur die Zahl potenzieller Streitfälle – sondern auch das Risiko, dass Verfahren durch fehlerhafte Vorarbeit unnötig erschwert werden.

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