Silberpreis auf Rekordniveau

Veröffentlichung: 27.01.2026, 10:01 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Silber hat die Marke von 100 US-Dollar je Feinunze überschritten. Klassische Einflussfaktoren wie US-Dollar und Anleiherenditen reichen zur Erklärung kaum aus. Nach Einschätzung von Carsten Menke wird der Markt derzeit vor allem durch Kapitalströme und spekulative Dynamiken geprägt – mit offenem Ausgang nach den chinesischen Neujahrsfeiertagen.

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Der Silberpreis hat zuletzt ein neues Rekordniveau erreicht. Ende der vergangenen Woche notierte das Edelmetall erstmals über 100 US-Dollar je Feinunze. Innerhalb weniger Tage legte der Preis um rund fünfzehn Prozent zu. Übliche Erklärungsansätze wie ein schwächerer US-Dollar oder fallende Renditen von US-Staatsanleihen greifen nach Einschätzung von Marktbeobachtern jedoch zu kurz.

Nach Analyse von Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär, lässt sich die aktuelle Preisbewegung nicht primär durch fundamentale Faktoren erklären. Zwar hätten geopolitische Spannungen – insbesondere im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen rund um Grönland – zu Wochenbeginn als Katalysator gewirkt. Auffällig sei jedoch, dass der Silbermarkt auf anschließende Entspannungssignale kaum reagiert habe.

Kapitalflüsse statt Fundamentaldaten

Aus Sicht des Analysten spiegelt der aktuelle Preis weniger den inneren Wert des Metalls wider als vielmehr die Zahlungsbereitschaft jener Marktteilnehmer, die Silber gezielt horten. Der Silbermarkt sei vergleichsweise klein, sodass bereits begrenzte Kapitalzuflüsse deutliche Preisbewegungen auslösen könnten. Entsprechend sieht Menke derzeit Kapitalflüsse und nicht Angebot und Nachfrage aus Industrie oder Schmucksektor als treibende Kraft.

Besonders in mehreren Schwellenländern sei zuletzt ein wachsendes Anlegerinteresse zu beobachten. Als Beispiel nennt Menke die Türkei: Dort liege das seit Jahresbeginn gehandelte Silbervolumen an der Istanbuler Börse rund fünfzig Prozent über dem Durchschnitt des Vorjahres. Offen bleibt aus seiner Sicht jedoch, wie nachhaltig diese Entwicklung ist und wie lange die erhöhte Nachfrage anhält.

Blick nach China als Belastungstest

Ein möglicher Wendepunkt könnte mit den chinesischen Neujahrsfeiertagen Mitte Februar bevorstehen. Während dieser Zeit bleiben die Börsen in China rund zwei Wochen geschlossen. Dies könnte nach Einschätzung Menkes zeigen, welchen Einfluss chinesische Marktteilnehmer zuletzt tatsächlich auf die Preisbildung hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt rechnet er mit einer weiterhin starken Marktdynamik.

In diesem Umfeld gewinnen aus seiner Sicht technische Faktoren an Bedeutung. Runde Preisniveaus könnten als nächste Zielmarken dienen, weshalb technische Analyseinstrumente aktuell geeigneter seien als eine klassische Fundamentalanalyse. Rein fundamental gebe es kurzfristig keinen klaren Mechanismus, der einen weiteren Anstieg auf 125 oder sogar 150 US-Dollar je Feinunze verhindern würde.

Grenzen der Rallye

Gleichzeitig weist Menke darauf hin, dass ein dauerhaft hohes Preisniveau Folgen für die reale Nachfrage haben dürfte. Industrielle Abnehmer könnten verstärkt nach Alternativen suchen – entsprechende Überlegungen seien etwa von chinesischen Solarmodulherstellern bereits signalisiert worden. Auch preisbewusste Schmuckkäufer könnten sich zurückhalten. Ein spürbarer Nachfragerückgang sei aus seiner Sicht daher eher eine Frage des Zeitpunkts als des Ob.

Als fundamentale Rechtfertigung für dauerhaft sehr hohe Silberpreise sieht Menke letztlich nur ein Szenario: eine länger anhaltende Abwertung des US-Dollars verbunden mit einem breiteren Vertrauensverlust in den Greenback als Weltreservewährung. Zwar zeigt er sich grundsätzlich skeptisch gegenüber der US-Währung, hält ein solches Extrem-Szenario derzeit jedoch für wenig wahrscheinlich.

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