Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – oder doch nicht?

Veröffentlichung: 17.12.2025, 09:12 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die EU will den Verbrenner doch nicht ganz abschaffen – gleichzeitig aber die Flotten auf E-Antrieb zwingen. Eine Politik ohne Richtung, aber mit Hebel.

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Erst Verbot, dann Lockerung

Bis 2035 keine neuen Verbrenner mehr – das war der große Plan. Jetzt wird zurückgerudert. Nicht offiziell, aber wirksam. Aus dem kategorischen Ausstieg wird ein CO-Ziel. Aus dem Verbot ein Vorschlag. Aus der Klarheit ein Verhandlungsraum.

Gleichzeitig aber eine neue Bewegung: Firmenflotten sollen elektrisch werden – schrittweise, aber verbindlich. Ab 2027 sollen 50 Prozent, ab 2030 bis zu 100 Prozent der Neuzulassungen bei Großkunden elektrisch sein. Keine verbindliche Rechtsnorm, aber ein politischer Entwurf.

Das Verbot wankt, die Quote wächst.

Steuerung durch Seiteneingang

Warum die Flotten? Weil sie leichter zu kontrollieren sind. Große Stückzahlen, planbare Budgets, zentraler Hebel. Firmen kaufen 60 Prozent aller Neuwagen. Wer sie zur Elektrifizierung zwingt, lenkt den Markt – ohne den Wähler zu fragen.

Doch der Preis ist hoch. Der Markt wird nicht nur reguliert, sondern verzogen. Junge Verbrenner werden knapp, gebrauchte teuer. Der „Havanna-Effekt“ droht: Alt wird wertvoll, weil neu nicht mehr erhältlich ist. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel.

Das Verbot ist gefallen, aber die Lenkung bleibt.

Industrie zwischen Druck und Dilemma

Für die Hersteller ist es ein doppelter Stresstest. Einerseits mehr Freiheit – das Verbrenner-Aus ist auf dem Rückzug. Andererseits mehr Druck – weil der Flottenmarkt zum Labor der E-Mobilität wird.

Und China gewinnt in jedem Szenario. Bei Elektroautos längst dominierend, bei Rohstoffen unersetzlich, bei Preisen konkurrenzlos. Wer in Europa jetzt halbherzig umstellt, verliert. Wer radikal umstellt, hängt an Lieferketten, die nicht in Europa enden.

Freiheit sieht anders aus.

Politik ohne Richtung, aber mit Bewegung

Was bleibt, ist ein politisches Bewegungsmuster ohne Richtung:

  • Erst der große Wurf: 2035 keine Verbrenner mehr.
  • Dann der Rückzieher: Technologieoffenheit und E-Fuels.
  • Jetzt der Nebenweg: Flottenquoten statt Fahrverbote.

Keines der Signale ist falsch. Aber auch keines ist stabil.

Ausstieg mit Seiteneingang

Die EU schafft das Verbrenner-Aus ab – und ersetzt es durch eine Flottenstrategie. Der Rückzug aus dem Verbot ist keine Korrektur, sondern ein Umweg. Die Politik lässt die Richtung offen, zwingt aber zur Bewegung.

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Oder doch nicht. Oder beides.


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