Der norwegische Staatsfonds NBIM ist erstmals der größte Asset Owner der Welt – und setzt damit ein Signal für eine tektonische Verschiebung auf den globalen Kapitalmärkten. Die aktuelle Analyse des Thinking Ahead Institute zeigt, warum Staatsfonds an Bedeutung gewinnen, Pensionsfonds an Boden verlieren und integrierte Steuerungsmodelle künftig entscheidend werden.
Der Machtwechsel an der Spitze der größten Vermögensverwalter der Welt ist symbolisch wie strategisch bedeutsam: Der norwegische Staatsfonds Norges Bank Investment Management (NBIM) verwaltet nun 1,7 Billionen US-Dollar und überholt damit erstmals den bisherigen Spitzenreiter, den japanischen Government Pension Investment Fund (GPIF) mit 1,6 Billionen US-Dollar.
Die Daten stammen aus der neuen Analyse des von WTW gegründeten Thinking Ahead Institute, das jährlich die weltweit 100 größten Asset Owner („AO100“) untersucht. In Summe erreichte diese Gruppe zum Jahresende 2024 ein Rekordvermögen von 29,3 Billionen US-Dollar – ein Plus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erholung der Kapitalmärkte, aber auch strukturelle Veränderungen in den Eigentümerstrukturen haben diesen Anstieg begünstigt.
„Die größten Asset Owner weltweit gewinnen weiter an Einfluss und mit ihnen wachsen die Anforderungen an Governance, Transparenz und langfristiges Risikomanagement“, sagt Nikolaus Schmidt-Narischkin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Willis Towers Watson Investments GmbH. Die wachsende Rolle von Staatsfonds sei dabei ein wesentlicher Treiber.
Staatsfonds wachsen, Pensionsfonds verlieren Marktanteile
Die Studie zeigt deutliche Verschiebungen innerhalb der globalen Asset-Owner-Landschaft:
- Pensionsfonds verzeichneten 2024 nur ein moderates Wachstum von 6,5 Prozent. Ihr Anteil am AO100-Gesamtvermögen fällt erstmals unter 50 Prozent.
- Staatsfonds wachsen dagegen überdurchschnittlich stark um 16,7 Prozent und stellen inzwischen 40,8 Prozent der gesamten AO100-Assets.
Besonders stark prägen Staatsfonds die EMEA-Region, wo sie rund 73 Prozent des Vermögensvolumens stellen. Viele dieser Fonds – darunter aus Norwegen, dem Golfraum oder Asien – sind heute zentrale Akteure bei Energie-, Infrastruktur- und Technologieinvestitionen sowie in geopolitischen Transformationsprozessen.
In Nordamerika dominieren weiterhin Pensionsfonds mit 70 Prozent regionalem Anteil; in der Asien-Pazifik-Region liegt dieser Wert bei 52 Prozent. Der durchschnittliche Staatsfonds kommt inzwischen auf 543 Milliarden US-Dollar – fast doppelt so viel wie der durchschnittliche Asset Owner insgesamt (293 Milliarden US-Dollar).
Globale Cluster prägen Governance und Kapitalmarkstandards
Die Analyse identifiziert fünf institutionelle Cluster, die gemeinsam rund 13 Billionen US-Dollar verwalten und zunehmend Standardsetter für Governance, Nachhaltigkeit und langfristige Kapitalallokation werden:
- American Public Funds 7
- Maple 8 (Kanada)
- Euro 9
- Gulf 5
- Australian Super 6
Gemeinsam ist ihnen ein zunehmend integrierter Steuerungsansatz, der Risiken und Allokationen auf Gesamtportfolio-Ebene betrachtet. Viele dieser Organisationen setzen auf das Total Portfolio Approach (TPA)-Modell, das Entscheidungen nicht isoliert auf Asset-Klassen-Ebene, sondern anhand der Gesamtportfoliowirkung trifft. „Ein integrierter Steuerungsansatz wie der Total Portfolio Approach gewinnt massiv an Bedeutung“, erklärt Schmidt-Narischkin. „Er stärkt Resilienz, verbessert Transparenz und erleichtert langfristige Wertschöpfung.“
Warum der Aufstieg der Staatsfonds weit über die Zahlen hinausreicht
Die wachsende Bedeutung von Staatsfonds verändert die Marktarchitektur in mehrfacher Hinsicht:
- Längere Anlagehorizonte – Staatsfonds sind nicht auf kurzfristige Liquidität angewiesen.
- Stärkere geopolitische Rolle – insbesondere in Energiepolitik, Infrastruktur und Technologieförderung.
- Flexiblere Anlageentscheidungen – weniger regulatorische Einschränkungen als klassische Pensionsfonds.
- Höhere Risikotragfähigkeit – ermöglicht Investments in alternative Anlagen, Private Markets oder Transformationsprojekte.
Für traditionelle Pensionsfonds bedeutet dies zunehmenden Wettbewerb – sowohl um Renditen als auch um Einfluss auf Kapitalmarktstandards.
Über das Thinking Ahead Institute
Das von WTW gegründete Thinking Ahead Institute ist ein globales Netzwerk für Investmentforschung und Innovation. Es verbindet führende Asset Owner und Vermögensverwalter, um gemeinsam wirksamere Organisationsstrukturen, nachhaltige Anlagestrategien und zukunftsfähige Governance-Modelle zu entwickeln.
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