Zwischen Stabilisierung und Stagnation – Konjunkturbild Ostdeutschland 11/2025

Der ifo Geschäftsklimaindex für Ostdeutschland ist im November 2025 leicht gestiegen – von 89,3 auf 90,0 Punkte. Damit setzt sich der seit Juni beobachtbare Aufwärtstrend fort, bleibt aber auf moderatem Niveau.

(PDF)
cms.sskshDALL E prompted by experten

Differenzierte Entwicklungen zwischen den Branchen

Die Verbesserung ist kein flächendeckendes Signal, sondern Ausdruck asymmetrischer Sektortrends: Während das Verarbeitende Gewerbe (+1,5 Saldenpunkte) und der Dienstleistungssektor (+2,0 Punkte) leicht positiv überraschten, bleibt der Einzelhandel tief im negativen Bereich. Dort verschlechterte sich das Klima erneut spürbar – von -22,8 auf -29,0 Punkte.

Im Bauhauptgewerbe sank der Index ebenfalls, obwohl die aktuelle Lage noch stabil erscheint. Die Erwartungen jedoch trübten sich merklich ein – ein Signal, dass sich die Auftragslage verschlechtert oder zumindest als unsicher wahrgenommen wird.

Erwartungen stabilisieren, Lage bleibt fragil

Auffällig bleibt die strukturelle Diskrepanz zwischen Geschäftslage und Erwartungen. Die Lageurteile liegen weiterhin unter dem Niveau des Vorjahres, während die Erwartungen mit 92,2 Punkten (höchster Stand seit über einem Jahr) auf eine allmähliche Stimmungsverbesserung hindeuten. Diese Konstellation – schwache Gegenwart, aber wachsender Zukunftsoptimismus – ist typisch für die Übergangsphasen eines Konjunkturzyklus.

Handel unter Druck – Einzelhandel als Schwachstelle

Der ostdeutsche Einzelhandel markiert den Tiefpunkt der Branchenlage. Die aktuelle Geschäftslage wurde deutlich pessimistischer bewertet als im Vormonat, die Erwartungen gar erheblich nach unten revidiert. Demgegenüber verbessert sich die Lage im Großhandel – ein Hinweis auf eine gewisse Erholung im B2B-Geschäft, jedoch kein Zeichen eines breiten Aufschwungs.

Optimismus ohne Fundament?

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung weniger in den realwirtschaftlichen Kennzahlen als in ihrer Deutung. Der vorsichtige Anstieg des Geschäftsklimas basiert vor allem auf verbesserter Erwartungshaltung – nicht auf spürbar besserer Lage. Der strukturelle Befund: Eine ökonomische Stabilisierung findet statt, bleibt aber fragil. Die Stimmung erholt sich schneller als die Realität – ein klassisches Merkmal nach Phasen starker Unsicherheit.

Bewegung ohne Richtung

Die ostdeutsche Wirtschaft tastet sich langsam voran. Der Indexwert von 90,0 Punkten liegt weiterhin unter dem langjährigen Mittel. Die Divergenz zwischen den Branchen und die pessimistische Einschätzung im Einzelhandel bleiben Risikofaktoren. Ohne nachhaltige Impulse aus Investitionen, Beschäftigung oder globaler Nachfrage dürfte sich der Aufwärtstrend nur zögerlich verstetigen.


(PDF)

LESEN SIE AUCH

Bauhauptgewerbe im August 2025: Auftragseingang leicht gestiegen – Tiefbau weiter rückläufigBauhauptgewerbe im August 2025: Auftragseingang leicht gestiegen – Tiefbau weiter rückläufigAdobe
Wirtschaft

Tiefbau schwächelt trotz Investitionsversprechen – Bauwirtschaft sendet kein Wachstumsignal

Tiefbau bleibt trotz Investitionsversprechen rückläufig. Neue Zahlen zeigen: Das Bauhauptgewerbe liefert im August 2025 keine konjunkturellen Impulse.
Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt im Herbst 2025 kaum Erholung.Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt im Herbst 2025 kaum Erholung.Adobe
Wirtschaft

Arbeitsmarkt mit schwacher Herbstbelebung – Stellenabbau in Industrie und Handel setzt sich fort

Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt im Herbst 2025 kaum Erholung. Die Zahl der Arbeitslosen steigt, Frühindikatoren verschlechtern sich – vor allem Industrie und Dienstleister bauen Stellen ab. Nur das Baugewerbe stützt.
Immer mehr Unternehmen nutzen KIImmer mehr Unternehmen nutzen KIDALL-E
Studien

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch – doch nicht alle Branchen ziehen mit

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der deutschen Wirtschaft nimmt spürbar zu. Inzwischen setzen rund 41 Prozent der Unternehmen auf KI-gestützte Prozesse. Besonders große Firmen und technologieaffine Branchen treiben die Entwicklung voran – doch es gibt auch Zurückhaltung.
Trotz der positiven Quartalsdynamik bleibt die gesamtwirtschaftliche Lage fragil, strukturelle Herausforderungen im öffentlichen Sektor und geopolitische Unsicherheiten dämpfen die Aussicht auf einen nachhaltigen Aufschwung.Trotz der positiven Quartalsdynamik bleibt die gesamtwirtschaftliche Lage fragil, strukturelle Herausforderungen im öffentlichen Sektor und geopolitische Unsicherheiten dämpfen die Aussicht auf einen nachhaltigen Aufschwung.Adobe
Wirtschaft

Frühjahrserwachen der Konjunktur: Destatis hebt BIP-Wachstum im ersten Quartal 2025 auf +0,4 % an

Das Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal 2025 stärker gewachsen als zunächst geschätzt. Laut Destatis stieg die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent – angetrieben von einem kräftigen Exportanstieg und investiven Impulsen. Doch der Blick auf das Vorjahr zeigt: Der Aufschwung steht auf wackligem Fundament.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht