KI-Investitionen vs. Rezessionsrisiko: L&G warnt vor gefährlicher Markt-Spannung

Veröffentlichung: 21.10.2025, 11:10 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Zwischen KI-Euphorie und Konjunkturabkühlung: Laut Volker Kurr, Head of Europe bei Legal & General Investment Management (L&G), stehen Anleger derzeit zwischen zwei starken Kräften. Entscheidend werde, das Timing des nächsten Marktzyklus richtig zu erkennen.

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Volker Kurr, Head of Europe, L&GVolker Kurr, Head of Europe, L&GL&G

Die globalen Kapitalmärkte stehen aus Sicht von Volker Kurr, Head of Europe bei Legal & General Investment Management (L&G), an einem kritischen Punkt. „Investoren stehen derzeit zwei sehr starken, gegensätzlichen Kräften gegenüber: dem exponentiellen, KI-getriebenen Investitionsaufwand und einer sich abschwächenden US-Wirtschaft – deshalb bleibt das Timing des Zyklus entscheidend“, resümiert Kurr.

Während die großen Technologiekonzerne ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz weiter massiv ausbauen, insbesondere in Rechenzentren und Infrastruktur, bleiben die langfristigen Auswirkungen auf die Märkte schwer abzuschätzen. „Wir gehen davon aus, dass Anleger aktuell noch gar nicht abschätzen können, wie groß die potenziellen Auswirkungen von KI sein werden“, erklärt Kurr. „Irgendwann, wenn sich der Markt des Ausmaßes der Disruption bewusst ist, könnte daraus auch eine Blase entstehen. Umso wichtiger ist es jetzt, Bilanz zu ziehen und zu erkennen, wo wir uns im Zyklus befinden.“

Neben der Dynamik rund um KI rücken handelspolitische Risiken erneut in den Vordergrund. Die US-Zölle dürften bis Jahresende einen effektiven Satz von rund 14 Prozent erreichen – den höchsten Wert seit 1945. Das könne, so Kurr, erhebliche Folgen für exportabhängige Volkswirtschaften haben. „Schon eine deutliche Verschlechterung der HR-Pläne in nur zwei aufeinanderfolgenden Monaten kann unsere Rezessionseinschätzung von einem Risiko zum Basisszenario hochstufen.“

Auch bei der Inflation zeigt sich ein gespaltenes Bild: Während die Wohnkosten sinken, steigen die Preise für Waren – getrieben von den Zöllen und der Abwertung des US-Dollars um rund zehn Prozent in der ersten Jahreshälfte. Für Kurr liegt der entscheidende Faktor in der Kern-Dienstleistungsinflation ohne Wohnkosten, die weiterhin vom Lohnwachstum bestimmt wird. „Wenn der Arbeitsmarkt stabil bleibt und die Nachfrage nach Arbeitskräften nur langsam sinkt, dürfte sich das Lohnwachstum nicht nennenswert abschwächen – und damit auch keine schnelle Zinssenkung der US-Notenbank rechtfertigen.“

Trotz des ungewöhnlich komplexen Umfelds – Zölle auf Rekordniveau, eine unter politischem Druck stehende US-Notenbank und eine hartnäckige Inflation – haben sich die Märkte bislang robust gezeigt. Die Ausnahme bildet der US-Dollar, der an Stärke verloren hat.

Kurr zieht ein differenziertes Fazit: „In einem Rezessionsszenario dürften Aktien kaum unbeschadet bleiben. In einem Umfeld, in dem sich die Lage schrittweise verbessert, wird die Künstliche Intelligenz darüber entscheiden, wie viel Aufwärtspotenzial für Risikoanlagen im weiteren Jahresverlauf noch vorhanden ist.“

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