Politische Turbulenzen in Frankreich treiben Risikoaufschlag auf Staatsanleihen
Der Rücktritt von Premierminister Sébastien Lecornu nach nur rund 26 Tagen im Amt sorgt für Nervosität an den Märkten. Der Risikoaufschlag französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen wächst – und niemand weiß, wie Macron reagieren wird.
Unsicherheit und Marktreaktion
Der Rücktritt von Sébastien Lecornu, der am 6. Oktober 2025 nach etwa 26 Tagen Amtszeit sein Amt niederlegte, hat die Finanzmärkte in Frankreich erschüttert. Peter Goves, Head of Developed Market Debt Sovereign Research bei MFS Investment Management, sieht darin eine Erklärung für die gestiegene Volatilität zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen. „Der Risikoaufschlag … hat sich ausgeweitet und könnte noch weiter steigen“, sagt Goves.
Goves weist darauf hin, dass viele Fragen offen sind – insbesondere: Wie kann ein Haushalt in einem fragmentierten Parlament verabschiedet werden? – und: Welche Rolle spielt der Rassemblement National in möglichen Neuwahlen?
Lecornu: Zentrumswahl oder Links-Experiment?
Macron steht nun vor der Entscheidung: Wird er einen weiteren Zentristen einsetzen, einen technokratischen Kandidaten oder Richtung links ausscheren? Goves bleibt vorsichtig: „Es erscheint logisch, dass Emmanuel Macron einen neuen Premierminister ernennen wird. Ob er einen weiteren Zentristen oder eher einen linksgerichteten oder technokratischen Nachfolger bevorzugen wird, ist unklar.“
Auch die Option von Parlamentsneuwahlen rückt wieder in den Fokus – mit dem Risiko, dass der Rassemblement National Sitze hinzugewinnt und politische Instabilität weiter befeuert.
Begrenzte Spillover-Effekte in der Eurozone
Trotz der internen Staatskrise Frankreichs betont Goves, dass die Auswirkungen auf andere Euro-Staaten begrenzt bleiben dürften: „Die Staatskrise bleibt auf Frankreich begrenzt … Eine wesentliche Verengung des OAT-Bund-Spreads ist jedenfalls vorerst kaum zu erwarten.“
Trotzdem dürfte der OAT-Bund-Spread kurzfristig volatiler bleiben, insbesondere angesichts der Unsicherheit über Haushaltskonsens und Regierungsbildung.
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