Mehr Schulwegunfälle: DGUV warnt vor wachsender Gefahr durch Eltern-Taxis
Die Zahl der Schulwegunfälle ist 2025 gestiegen. Laut DGUV erhöhen insbesondere sogenannte Eltern-Taxis das Risiko. Mit der Vision Zero setzt die Unfallversicherung auf langfristige Strategien für mehr Sicherheit.
Es ist ein Albtraum, den wohl jede Mutter und jeder Vater kennt: Das Kind verlässt morgens voller Vorfreude auf den Schultag das Haus – und kommt nicht unversehrt zurück. Der Schulweg, eigentlich ein Stück Normalität im Alltag, birgt Risiken, die im Ernstfall dramatische Folgen haben können. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass diese Gefahr nicht abstrakt ist, sondern zunimmt.
Im ersten Halbjahr 2025 registrierte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) 42.303 Schulwegunfälle – rund fünf Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit steigt die Zahl der Unfälle erneut. Der Versicherungsschutz greift zwar umfassend, doch Prävention bleibt das entscheidende Ziel.
Fakten im Überblick
- 42.303 Schulwegunfälle im 1. Halbjahr 2025
- +5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (40.416 Fälle)
- 1.887 zusätzliche Unfälle in nur sechs Monaten
- Schülerinnen und Schüler sind beim Schulweg durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt – die Beiträge zahlen Städte und Gemeinden
„Fehler dürfen nicht tödlich sein“ – die Vision Zero als Leitbild
„Trotz des aktuellen Anstiegs der Unfallzahlen befürwortet die gesetzliche Unfallversicherung sehr, dass Kinder lernen, den Schulweg selbstständig zu bewältigen“, betont DGUV-Hauptgeschäftsführer Stephan Fasshauer. Der Schulweg sei voller Lerngelegenheiten, die Kinder stark machten – sozial wie auch in ihrer Fähigkeit, Gefahren zu erkennen. Doch Voraussetzung sei eine konsequente Ausrichtung der Verkehrspolitik an der Vision Zero.
Der Kern dieses Konzepts: Menschen machen Fehler – immer. Doch das Verkehrssystem muss so gestaltet sein, dass diese Fehler nicht zu schweren oder gar tödlichen Unfällen führen. Tempo-30-Zonen, übersichtliche Kreuzungen, sichere Querungsstellen und moderne Fahrzeugtechnik sind Bausteine eines solchen fehlertoleranten Systems. Es geht also nicht um die Illusion eines perfekten Verhaltens aller Verkehrsteilnehmer, sondern um den Anspruch, dass Fehler keine Katastrophen auslösen dürfen.
Sicherheit im Gefühl – Gefahr in der Realität
Laut einer forsa-Befragung im Rahmen des DGUV Barometer Bildungswelt 2025 halten neun von zehn Eltern den Schulweg ihres Kindes für sicher. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Rund ein Drittel berichtet von gefährlichen Situationen im letzten Jahr. Auch Lehrkräfte bestätigen: Fast die Hälfte beobachtet regelmäßig riskante Verkehrslagen – vor allem an Schulen ohne verkehrsberuhigte Zonen.
Umfrageergebnisse auf einen Blick
- 90 % der Eltern empfinden den Schulweg als sicher
- 33 % berichten von gefährlichen Situationen in den letzten 12 Monaten
- 45 % der Lehrkräfte beobachten häufig Risiken im Umfeld ihrer Schule
- Schulen in Tempo-30- oder Tempo-50-Zonen: doppelt so viele Gefahrenmeldungen wie in verkehrsberuhigten Bereichen
Wenn Schutz zur Gefahr wird: Das Problem der Eltern-Taxis
Besonders deutlich wird das Problem bei den sogenannten Eltern-Taxis. Immer mehr Kinder werden mit dem Auto zur Schule gebracht. Offiziell geschieht das meist aus Sicherheitsgründen – 42 Prozent der Eltern nennen diesen Grund. Doch paradoxerweise entstehen genau dadurch neue Risiken: vor Schulen, an engen Kreuzungen, in überfüllten Straßen. Lehrkräfte berichten, dass fast die Hälfte der gefährlichen Situationen im Schulumfeld durch Autos oder das Verhalten von Eltern verursacht wird.
Eltern-Taxis in Zahlen
- 1 von 8 Kindern wird mit dem Auto zur Schule gebracht
- 42 % der Eltern nennen Sicherheit als Hauptgrund
- 2/3 der Eltern sehen selbst ein Problem mit Eltern-Taxis an ihrer Schule
- Fast 50 % der Lehrkräfte berichten von durch Eltern verursachten Gefahrensituationen
Schulwegepläne – das ungenutzte Potenzial
Ein einfacher, aber wirkungsvoller Ansatz wird noch zu selten genutzt: der Schulwegeplan. Er zeigt sichere Routen auf, die Kinder auch allein bewältigen können. „Kinder sollten immer den sichersten Weg zur Schule nehmen und nicht unbedingt den kürzesten“, sagt Sabine Bünger, Leiterin des DGUV-Sachgebiets Verkehrssicherheit. Dennoch gaben bis zu 80 Prozent der Eltern und Lehrkräfte an, dass ihre Schule keinen solchen Plan habe – oder sie nichts davon wüssten.
Mehr Selbstständigkeit, weniger Angst
Die Befragung macht auch Hoffnung: Viele Eltern wären bereit, ihre Kinder eigenständig zur Schule gehen zu lassen, wenn die Wege sicherer wären. Denn abseits aller Sorgen wissen die meisten: Kinder gewinnen durch den Schulweg enorm – an Selbstständigkeit, an sozialen Kontakten, an Bewegung.
Die DGUV fordert deshalb, die Schulwegsicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. Weniger Autoverkehr vor Schulen, mehr Tempo-30-Zonen, sichere Querungsstellen und verbindliche Schulwegepläne sollen dazu beitragen, dass der alltägliche Weg zur Schule kein Risiko, sondern ein geschützter Lern- und Erfahrungsraum bleibt – ganz im Sinne der Vision Zero: Fehler sind menschlich. Doch sie dürfen nicht tödlich sein.
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