Finanzkompetenz: Frauen unterschätzen ihr Wissen
Nur ein Drittel der Frauen traut sich den souveränen Umgang mit Anlagerisiken zu – bei Männern sind es fast doppelt so viele. Eine neue Verivox-Umfrage zeigt: Zwischen Selbsteinschätzung und realem Wissen klafft eine deutliche Lücke. Was das für die Altersvorsorge bedeutet, ist brisant.
Nur ein Drittel der Frauen traut sich zu, die Grundprinzipien von Finanzinvestitionen und Anlagerisiken zu verstehen. Bei Männern sind es fast doppelt so viele: 59 Prozent. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Verivox, die im April 2025 mit über 1.000 Befragten durchgeführt wurde.
Damit wird ein Muster bestätigt, das in der Forschung immer wieder auftaucht: Frauen bewerten ihre Finanzkenntnisse deutlich zurückhaltender als Männer. In Gesprächen über Finanzen fühlen sich nur 39 Prozent der Frauen sattelfest – bei Männern sind es 60 Prozent. Und selbst bei grundlegenden Anlageformen wie Tagesgeld, Aktien oder Fonds attestieren sich nur 46 Prozent der Frauen solides Wissen, während sich 65 Prozent der Männer kompetent einschätzen.
Strukturelle Ursachen statt individueller Schwäche
Die Unterschiede sind laut Verivox-Finanzexpertin Melanie Ulbrich keineswegs nur Ausdruck geringerer Kenntnisse. Vielmehr spielen gesellschaftliche Strukturen eine zentrale Rolle: „Frauen unterschätzen ihr Finanzwissen häufig aus erlernter Bescheidenheit und verinnerlichten Glaubenssätzen. Andererseits gibt es reale Wissenslücken mit strukturellen Ursachen: Finanzbildung passiert traditionell in männlich geprägten Netzwerken – etwa Vater-Sohn-Gespräche oder Investmentclubs. Auch Marketing und Vertrieb vieler Finanzprodukte waren lange primär auf Männer ausgerichtet.“
So verfestigt sich ein Muster, das Frauen bei Finanzthemen in die Zuschauerrolle drängt – mit Folgen für Vorsorgeentscheidungen und den Vermögensaufbau.
Folgen für Altersvorsorge und Vermögensaufbau
Die Selbsteinschätzung ist nicht nur ein psychologisches Detail, sondern wirkt sich direkt auf das Anlageverhalten aus. Laut früheren Untersuchungen investieren Frauen nur etwa halb so häufig in Aktien oder ETFs wie Männer. Damit verzichten sie auf einen der wichtigsten Hebel für langfristigen Vermögensaufbau.
Die Konsequenzen sind gravierend: Frauen haben ohnehin häufig geringere Rentenansprüche, weil ihre Erwerbsbiografien durch Teilzeit, Kindererziehung oder Pflegezeiten unterbrochen sind. Wenn sie gleichzeitig zurückhaltender investieren und weniger Chancen am Kapitalmarkt nutzen, vergrößert sich die Vorsorgelücke weiter. Ulbrich betont: „Diese Zurückhaltung kann sich gerade bei der Altersvorsorge rächen – dort sind Frauen durch geringere Einkommen und häufigere Erwerbspausen ohnehin im Nachteil.“
Mehr Finanzbildung – und gezielte Ansprache
Die Umfrage unterstreicht die Notwendigkeit, Finanzbildung frühzeitig und gendersensibel zu verankern. Bildungsangebote, die gezielt Frauen ansprechen, können Hemmschwellen abbauen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken. Auch die Finanzbranche ist gefordert: Marketing, Vertrieb und Beratung sollten stärker berücksichtigen, dass Frauen oft andere Fragestellungen und Sicherheitsbedürfnisse in den Vordergrund stellen.
Über die Studie:
Für die Untersuchung hat das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von Verivox 1.004 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren online befragt. Die Erhebung ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundesland. Abgefragt wurde unter anderem, ob die Befragten die Grundprinzipien von Investitionen und Risikomanagement verstehen, die Unterschiede zwischen verschiedenen Spar- und Anlageformen kennen oder sich in Finanzgesprächen sicher fühlen.
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