Nach der einjährigen Testphase für das Angebot der „Drive+“-App als Teil der Kfz-Versicherung gibt es ein Zwischenfazit des Konzern Versicherungskammer: Der Markt ist noch nicht reif für Telematik-Lösungen.
Eingebettet war der Pilot der Versicherungskammer Bayern in ein mehrstufiges, drei Jahre dauerndes Studiendesign ihres Internetversicherers BavariaDirekt. Dabei wurden eigene Daten zu Telematik-Anwendungen erhoben, um zu ermitteln, ob Kunden solche Lösungen wirklich möchten und wenn ja, welche der Telematik-Modelle unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für Versicherer in Deutschland in der breiten Anwendung für Privatkunden sich lohnen.
Verschiedene Parameter untersucht
Im Zentrum der Untersuchung standen die Parameter generelle Akzeptanz, bevorzugte Lösung (Gerätetyp), Ausgestaltung des Telematik-Pakets (Services, Preisnachlass), tatsächliches Nutzungs- und Fahrverhalten, Einfluss auf die Schadenquote und Existenz eines positiven Business Case.
Wesentliches Ergebnis: 43 Prozent der Befragten würden einen Telematik-Tarif abschließen und bevorzugen eine App-Lösung. Wenn sie über die Datenweitergabe frei bestimmen können, steigt die Akzeptanzquote sogar auf 61 Prozent. Auch wollten Kunden einen Preisnachlass von mindestens 50 bis 100 Euro gegenüber heute gängigen Tarifen, einen Aufschlag bei schlechter Fahrweise lehnen sie aber ab. Der Wunsch nach Zusatzservices, wie Tipps für eine bessere Fahrweise, ist eher gering.
Bis Ende September 2018 konnten 1000 Studienteilnehmer der BavariaDirekt die „Drive+“-App für ein Jahr nutzen. Von den 85 Prozent, die davon Gebrauch machten, verwendeten 49 Prozent diese täglich.
Hier wurde festgestellt, dass während der Nutzung der „Drive+“ App es allerdings keine positive Änderung des Fahrverhaltens gab. Zudem hatte sich der Schadenaufwand nicht signifikant verändert und die Stornoquote ist sogar um 30 Prozent höher als normal.
Die aus der App gewonnenen Daten lassen zwar darauf schließen, ob die Nutzer Bahn, Bus, Rad oder Auto nutzen – jedoch nicht, ob der Nutzer auch selbst fährt. Somit lässt sich die Validität der Daten nicht ausreichend prüfen.
Barbara Schick, als Vorstandsmitglied des Konzerns Versicherungskammer verantwortlich für die Schaden- und Unfallversicherung, resümiert:
„Das derzeit geringe Angebot an Telematik-Tarifen liegt nicht an der fehlenden Offenheit der Versicherer für Innovationen. Vielmehr würden viele Versicherer bei der bestehenden detaillierten und sehr ausgereiften Kalkulationsgrundlage in Deutschland für Kfz-Tarife bleiben müssen, solange für Telematik weder Standards noch allgemein zugängliche und valide Datenkonzepte vorliegen. Wesentliche Voraussetzungen für einen funktionierenden Telematik-Markt seien somit die Verfügbarkeit von Daten, der kompetente Umgang, deren Relevanz und Nutzungsmöglichkeit.
Bild: © jandruk / fotolia.com
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