Jeder Elfte beging Versicherungsbetrug
Hochgerechnet haben etwa 2,4 Millionen Versicherungsnehmer (9 Prozent) nach eigener Aussage schon mal bewusst Falschangaben bei einem „Versicherungsfall“ gemacht. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie der Creditreform Boniversum GmbH „Versicherungen – Schadensfälle und Falschangaben“.
Wenn die Versicherungen die Schadensfreiheit der Verbraucher belohnen würden, sind 78 Prozent der Verbraucher der Meinung, dass bewusste Falschangaben bei Schadensfällen reduziert oder verhindert werden könnten. 6 Prozent messen einem Belohnungssystem keinerlei Bedeutung bei.
Ist Versicherungsbetrug einfach?
Von den etwa 57 Millionen Versicherungsnehmern haben circa 26 Millionen mindestens einen Schadensfall in den vergangenen 5 Jahren gemeldet.
77 Prozent der befragten Verbraucher sind sich bewusst, dass eine Versicherung im Schadensfall eine einseitige Kündigung aussprechen kann.
Dabei sehen 68 Prozent der Befragten vor allem bei der Hausrat und Privathaftpflicht einfache beziehungsweise sehr einfache Betrugschancen. 32 Prozent sehen Falschangaben bei der Wohngebäudeversicherung und 36 Prozent bei der Kfz-Haftpflicht sowie ebenfalls 36 Prozent bei der Kfz-Kasko als einfach zu realisieren an.
Bei Schadenssumme mogeln oder Schaden selbst herbeiführen
Etwa 9 Prozent geben an, bereits mindestens einmal – entweder alleine oder mit anderen – durch Falschangaben ihre Versicherung betrogen zu haben. Die Falschangaben verteilen sich auf alle Versicherungssparten ungefähr gleich.
Dabei ist die gängigste Praxis die Angabe einer erhöhten Schadenssumme. 51 Prozent der Befragten, die angeben, bei Schadensmeldungen nicht ehrlich gewesen zu sein, haben diesen Weg gewählt. 39 Prozent der Verbraucher haben einen Schaden sogar selbst herbeigeführt und 30 Prozent einen solchen vorgetäuscht.
Falschangaben kein Kavaliersdelikt
87 Prozent der befragten Verbraucher verstehen bewusste Falschangaben bei Schadensmeldungen als kriminell, 13 Prozent als Kavaliersdelikt. Insgesamt äußern 36 Prozent Verständnis für Falschangaben. Der überwiegende Teil aller Befragten zeigt jedoch ein geringes Verständnis (64 Prozent).
Nils Gebel, Sales Consultant Insurance der Creditreform Boniversum GmbH, erklärt:
„Die Frage nach der geschätzten monatlichen Beitragshöhe je Versicherungssparte liefert überraschende Ergebnisse. Die Versicherungsnehmer schätzen ihre monatlichen Ausgaben für Versicherungen wesentlich höher ein als sie tatsächlich sein dürften: 109 Euro bei der KFZ-Haftpflicht, jeweils 100 Euro für Wohngebäude und KFZ-Kasko, 54 Euro für Hausrat und 43 Euro für die Privathaftpflicht. Beeinflusst dies die Hemmschwelle für Betrug?“
Je höher das Einkommen und der Bildungsstand, desto geringer das Verständnis. Zudem zeigen sich Männer (21,3 Prozent) hier verständnisvoller als Frauen (15,1 Prozent).
Privathaftpflicht ist Nummer Eins
Mit 90 Prozent Versicherungsnehmern ist die Privathaftpflicht die am häufigsten abgeschlossene Versicherung der Befragten. Ihr folgen Hausrat mit 72 und Kfz-Haftpflicht mit 70 Prozent. Zur Zufriedenheit mit den von ihnen abgeschlossenen Versicherungen äußert sich der überwiegende Teil der Umfrageteilnehmer sehr positiv. 81 Prozent zeigen sich hoch zufrieden. Lediglich 1 Prozent gibt eine geringe Zufriedenheit an.
Nils Gebel dazu:
„Unsere Studie zeigt, dass die Deutschen sicherheitsbewusst und generell mit Versicherungen zufrieden sind. Der Großteil besitzt auch ein Rechtsempfinden. Dennoch entsteht den Versicherungen ein immenser Schaden durch Betrug. Entsprechende Belohnungssysteme könnten die Problematik deutlich eindämmen.“
Bild: © Andrey Burmakin / fotolia.com
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