Das globale Prämienvolumen ist laut Hochrechnungen von Allianz Research im vergangenen Jahr weltweit um 3,7 Prozent auf die neue Rekordsumme von 3,66 Billionen Euro gestiegen (ohne Krankenversicherung).
Auch wenn sich das Wachstumstempo der Prämieneinnahmen gegenüber dem Vorjahr (+2,9 Prozent) leicht beschleunigt hat, blieb es das zweite Jahr in Folge hinter der Expansion der Wirtschaftstätigkeit (+5,9 Prozent nominales Wachstum) zurück. Die Versicherungsdurchdringung ist damit auf mit 5,5 Prozent auf den tiefsten Wert der letzten 30 Jahre gesunken.
Eklatante Diskrepanz zwischen Schwellen- und Industrieländern
Die Sparte Schaden/Unfall verzeichnete mit 5,0 Prozent den größten Anstieg seit dem Jahr 2012.
Während allerdings die Prämien in den Schwellenländern um 11,6 Prozent in die Höhe schnellten, schafften die Industrieländer gerade einmal ein Plus von 3,5 Prozent. Hier klafft also eine große Lücke zwischen dem Wachstum der Schwellen- und der Industrieländer.
Zudem bleibt Westeuropa auch hinter diesem Wert deutlich zurück: Das Beitragswachstum erreichte 2017 nur 2,0 Prozent – damit aber immerhin den zweithöchsten Wert seit dem Jahr 2007. Der deutsche Markt schnitt in den letzten beiden Jahren, dank der robusten wirtschaftlichen Entwicklung, besser ab: 2017 wurde ein Wachstum von 3 Prozent erzielt, nach 1,7 Prozent im Jahr zuvor.
Sparte Leben wächst vor allem in China
Der Zuwachs der Lebensversicherungsprämien auf globaler Ebene betrug +2,8 Prozent. Nach einem Minus von 2,2 Prozent in Westeuropa schlägt auch 2017 noch eine rote Null zu Buche. Die Versicherungsdurchdringung ist in diesem Zeitraum von 5,6 Prozent auf 4,4 Prozent zurückgegangen.
In Deutschland verlief die Entwicklung sehr ähnlich, in den Jahren 2016 (-1,7 Prozent) und 2017 (-0,2 Prozent) gingen ebenfalls die Prämien zurück. Die Durchdringung ist in den letzten zehn Jahren um etwa einen halben Prozentpunkt auf 2,6 Prozent gesunken.
Auch in einigen anderen entwickelten Volkswirtschaften waren 2017 Prämienrückgänge zu beobachten, beispielsweise in Australien (-18,2 Prozent), Japan (-11,3 Prozent) oder Südkorea (-4,9 Prozent). Insgesamt schrumpften daher die Prämieneinnahmen in den Industrieländern in der Sparte Leben 2017 um 0,5 Prozent.
In den Schwellenländern hingegen legten die Prämien insgesamt um 17,2 Prozent zu. Vor allem ein Land stach dabei heraus: China. Von den rund 60 Milliarden Euro an zusätzlichen Prämien in der Sparte Leben entfielen rund 80 Prozent auf den chinesischen Markt. In beiden Sparten kombiniert belief sich der weltweite Prämienzuwachs des letzten Jahres auf insgesamt knapp 130 Mrd. Euro. Davon gingen beinahe 80 Prozent auf das Konto der Schwellenländer, wobei zwei Drittel davon wiederum auf China entfielen.
Erholung der Versicherungsmärkte erwartet
Nachdem das globale Prämienwachstum seit der Finanzkrise mit nominalen Zuwachsraten von etwas über 3 Prozent pro Jahr enttäuschend ausfiel, dürfte sich das Prämienwachstum in der nächsten Dekade auf rund 6 Prozent beschleunigen. In diesem Aufschwung spiegeln sich ein wieder stabileres Wachstum der Weltwirtschaft sowie höhere Inflationsraten und Zinsen wider.
Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Entwicklung in den Industrieländern, nicht zuletzt in Westeuropa: Nach dem Nullwachstum der letzten zehn Jahre sollten in Zukunft die Prämien wieder mit durchschnittlich knapp 3 Prozent pro Jahr zulegen.
Dies entspricht auch den Wachstumserwartungen für den deutschen Markt. Die Sparte Leben (+6,4 Prozent p.a.) sollte dabei auf globaler Ebene wieder etwas schneller als die Sparte Schaden/Unfall (+5,4 Prozent p.a.) wachsen.
China wird USA ablösen
Die Gewichtsverschiebung zugunsten der Schwellenländer wird sich auch in den nächsten Jahren unvermindert fortsetzen. Ende der 2020er Jahre dürften etwa knapp 40 Prozent der globalen Prämieneinnahmen in diesem Länderkreis gezeichnet werden; vor 10 Jahren lag dieser Wert noch unter 10 Prozent. An der Spitze wird es dabei zu einem historischen Wachwechsel kommen: China wird die USA als größten Versicherungsmarkt überholen. Heute dominieren die USA noch uneingeschränkt: Mit 1,1 Billionen Euro oder gut 30 Prozent des globalen Beitragsaufkommens sind sie nach wie vor der größte Versicherungsmarkt weltweit, mit großem Abstand vor der Nummer 2, China, mit rund 420 Milliarden Euro.
Bild: © Elnur / fotolia.com
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