Neue Dynamik in der Zinspolitik durch Protektionismus möglich
Für Sparer ist es wegen der anhaltenden Niedrigzins-Politik nicht gerade leicht. Aktuell bieten 374 Banken und Sparkassen ihren Tagesgeldanlegern einen Nullzins an. Ein Kommentar von Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, dazu.
„Auch nach dem letzten Notenbanktermin der Europäischen Zentralbank (EZB) brauchen Sparer vor allem eines: viel Geduld. Zwar deutet die homöopathische Anpassung ihrer Forward Guidance darauf hin, dass es den Währungshütern mit einem allmählichen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik Ernst ist. Doch die ersehnte Zinswende bleibt für deutsche Sparer Zukunftsmusik.
Nullzinsen trotzen der Zinswende
Die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen liegen mit 0,04 Prozent noch immer auf Rekord-Tief. 2-jähriges Festgeld wirft mit durchschnittlich 0,22 Prozent ebenfalls kaum Zinsen ab. Auch der markante Nullzins hält sich hartnäckig. Von insgesamt rund 800 ausgewerteten Banken und Sparkassen bieten aktuell 374 ihren Tagesgeldanlegern einen Nullzins an.
Das sind kaum weniger als der bisherige Spitzenwert aus dem August 2017, als 377 Geldhäuser keine Zinsen mehr zahlten. Der unschöne Rekord war das Ergebnis eines drastischen Zinsschritts der Notenbank: Am 16. März 2016 setzte sie den Leitzins auf Null und senkte die bestehenden Strafzinsen auf Bankeinlagen noch einmal auf -0,4 Prozent. In den Folgemonaten vervielfachten sich die Nullzinsangebote. Auf die Trendumkehr warten Sparer bis heute vergeblich – der Nullzins trotzt den leisen Zeichen einer bevorstehenden Zinswende.
Protektionismus könnte neue Dynamik bringen
Mit Spannung dürfen die Anleger in den nächsten Wochen und Monaten auf die Entwicklung zwischen Europa und Amerika schauen. Sollten im großen Stil neue Zollschranken errichtet werden, könnte dies die Preise treiben. Bei steigendem Inflationsdruck wiederum wäre die EZB womöglich gezwungen, die Zinsen früher anzuheben als bislang geplant.
Anleger müssen sich dem Nullzins nicht ergeben
Doch auch bis dahin sind Sparer den Nullzinsen nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Es gibt Tagesgeldangebote mit attraktiverer Verzinsung – Top-Banken bieten 0,6 Prozent. Auf 10.000 Euro Anlagesumme erhalten Sparer hier immerhin 60 Euro Zinseinnahmen.
Die besten 2-jährigen Festgelder gleichen mit einem Zinssatz von 1,3 Prozent schon fast die Inflationsrate von zuletzt 1,4 Prozent aus. Anleger streichen bei Top-Anbietern 218 Euro mehr Zinsen ein als bei durchschnittlich verzinsten Festgeldern mit 2-jähriger Laufzeit.
Kreditzinsen günstig wie nie
Über das anhaltende Zinstief freuen dürfen sich die Ratenkreditnehmer. Ein 10.000-Euro-Darlehen mit 36 Monaten Laufzeit vergeben Banken im Schnitt zum historisch niedrigen 2/3-Zins von 4,81 Prozent. Der 2/3-Zins ist eine Pflichtangabe der Banken. Sie bedeutet, dass zwei Drittel aller Kunden diesen oder einen besseren Zins erhalten.
Auch hier lohnt sich der Anbietervergleich. Denn die günstigsten Banken sind noch einmal fast 40 Prozent günstiger. Verglichen mit dem Durchschnittszins sparen Kreditnehmer hier 292 Euro Zinskosten.“
Bilder: (1) © Sharpshot / fotolia.com (2) © Verivox Finanzvergleich GmbH
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