Mehr Transparenz und Sicherheit bei Video-Identifikation

Veröffentlichung: 14.06.2017, 05:06 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Wenn morgen am 15. Juni 2017 das BaFin-Rundschreiben 3/2017 (GW) – Videoidentifizierungsverfahren in Kraft tritt, wird die Video-Identifikation noch sicherer. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte im April dieses Jahres neue Standards für das etablierte Verfahren zur Kunden-Legitimation per Video-Chat festgelegt. 

(PDF)
Sicherheits-Kamera-auf-Laptop-gerichtet-85663196-FO-Brian-JacksonSicherheits-Kamera-auf-Laptop-gerichtet-85663196-FO-Brian-Jackson

Es wird dann verpflichtend, den gesamten Ident-Vorgang durchgängig auf Video aufzunehmen, um diesen jederzeit über- und nachprüfen zu können. Weitere Anforderungen liegen unter anderem in der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Video-Identifikation und der Prüfung weiterer Sicherheitsmerkmale.

Der Ident-Experte IDnow hat die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst.

In Deutschland ist seit 2014 die rechtssichere Legitimation von Kunden per Video-Chat möglich, um etwa online ein Bankkonto zu eröffnen. In der Branche wurde das neue BaFin-Rundschreiben positiv aufgenommen, da es die Video-Identifikation bestätigt und deren Sicherheit weiter erhöht, ohne dabei die Nutzerfreundlichkeit einzuschränken. Außerdem hat es mit einigen kritischen Punkten aufgeräumt, die das Verfahren einzugrenzen drohten.

Thorsten Höche, Mitglied der Geschäftsführung und Chefjustiziar vom Bankenverband über das neue Rundschreiben:

„Erfahrungsgemäß ist die Online-Legitimation ein sicheres und nachvollziehbares Verfahren zur Kundenidentifizierung außerhalb von Bank-Filialen. Mit den neuen Vorgaben dauert der Identifikationsvorgang zwar etwas länger, aber das ist ein akzeptabler Preis für noch mehr Sicherheit und Transparenz. Die Nutzerfreundlichkeit des Verfahrens wird dadurch nicht weiter beeinträchtigt.“

Zu den wichtigsten technischen und organisatorischen Neuerungen des BaFin-Rundschreibens 3/2017 (GW)- Videoidentifizierungsverfahren gehören:

Video-Aufzeichnung: Der gesamte Identifikationsvorgang ist künftig in akustischer und visueller Form aufzuzeichnen und aufzubewahren. Damit werden durchgängige Video-Aufnahmen Pflicht. Aufzeichnungen in Form von Serienbildern oder Screenshots reichen laut BaFin nicht aus, da sie nicht gewährleisten, dass alle Einzelschritte dokumentiert werden. Die Aufnahmen müssen mindestens fünf Jahre lang nach Beendigung der Geschäftsbeziehung gespeichert bzw. archiviert werden. So wird die einzelne Identifizierung im Falle einer Revision oder Kontrolle der BaFin nachvollziehbar.

Ein Datenschutz-Konflikt entsteht laut BaFin dadurch nicht, da es der § 8 GwG erlaubt, den Prozess vollständig und dauerhaft auch ohne Schwärzung von Ausweisteilen aufzuzeichnen. Dadurch erhöht sich das Datenvolumen pro Identifikationsvorgang auf rund 10 MB, was von den Banken und Ident-Anbietern entsprechende Serverkapazitäten zur Speicherung der Aufnahmen und Ident-Informationen verlangt.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Die Kommunikation zwischen Nutzer und Ident-Spezialist muss über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und mit mindestens 2.048 Bit laufen. Dienste wie Skype oder iChat und Verbindungen mit geringerer Verschlüsselung sind damit nicht mehr erlaubt. Grundlage dafür sind die Empfehlungen der Technischen Richtlinie TR-02102 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Anforderungen an kryptographische Verfahren.

Sichtprüfung von Sicherheitsmerkmalen: Künftig ist eine zufällige Auswahl von drei Sicherheitsmerkmalen aus verschiedenen Kategorien zu überprüfen, die im Weißlicht erkennbar sind. Dazu zählen beispielsweise die Hologramme, das Laserkippbild und der Sicherheitsdruck des Ausweises. Um Manipulationen entgegenzuwirken, müssen die Ident-Spezialisten die Sichtprüfung mithilfe ausschnittsvergrößerter Standbilder durchführen. Dafür ist es wichtig, hochaufgelöste Bilder zu erzeugen, um mühelos Sicherheitsmerkmale wie die Guillochen-Strukturen und Mikroschriften zu erkennen. Ausweisdokumente, die die geforderten Sicherheitsmerkmale nicht aufweisen, sind künftig nicht mehr zur Legitimation zugelassen.

Neu sind außerdem eine automatisierte Gültigkeits- und Plausibilitätsprüfung der Ausweisdaten, die Bewegung des Ausweises vor der Kamera und die Bestätigung des Anlasses der Identifikation. Weitere Vorgaben betreffen Schulungsmaßnahmen und -zyklen der Ident-Spezialisten, die jedoch keine wesentlichen Änderungen zum bisherigen Vorgehen darstellen.

Der Ident-Experte IDnow stand im Vorfeld des BaFin-Rundschreibens 3/2017 (GW) in enger Abstimmung mit den entscheidenden Gremien.

Der Managing Director Armin Bauer erläutert:

„Wir waren im Rahmen einer technischen Arbeitsgruppe an der Erarbeitung der neuen Maßnahmen beteiligt. Viele der neuen Vorgaben setzen wir bereits seit dem Start von IDnow Video-Ident ein. So haben wir eine patentierte Software entwickelt, über die wir hochaufgelöste Bilder erzeugen können.

Gerade mit den erhöhten Anforderungen wird diese Technologie wichtiger denn je, um die Guillochen zu prüfen. Außerdem erleichtern wir Banken die Umsetzung der neuen Anforderungen, indem wir ihnen ausreichend Speicherplatz für die geforderten Video-Aufnahmen auf firmeneigenen Servern in Deutschland anbieten.“

Michael Sittek, Managing Director von IDnow, fügt hinzu:

„Unser neuer Prozess wurde der BaFin zur Prüfung vorgelegt. Sie hat schriftlich bestätigt, dass alle Prozessschritte der IDnow-Lösung den Anforderungen des Rundschreibens 3/2017 (GW) entsprechen. Unsere Ident-Spezialisten haben wir darauf geschult, den neuen Vorgang so umzusetzen, dass die Identifikation für die Endkunden weiterhin schnell und einfach bleibt."

Bild: © Brian Jackson / fotolia.com

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Zerknuellter-Zwanzig-Euro-Schein-39403928-FO-winduZerknuellter-Zwanzig-Euro-Schein-39403928-FO-windu
Finanzen

Stresstest von BaFin und Bundesbank

Das dauerhaft niedrige Zinsumfeld stellt für die deutschen Kreditinstitute seit einigen Jahren eine andauernde Herausforderung dar, bei der sich kein Licht am Ende des Tunnels abzeichnet. Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Bundesbank und der BaFin zeigt, wie sehr die Ertragslage und Widerstandsfähigkeit deutscher Kreditinstitute im Niedrigzinsumfeld belastet ist.
Speaker at Talk in Business Conference. Tech Executive EntreprenSpeaker at Talk in Business Conference. Tech Executive EntreprenRight 3 – stock.adobe.com
Finanzen

FINTICS: Fintech-Branchentreff in Berlin

Unter dem Motto „Where Fintech meets Politics“ treffen sich auf der FINTICS, der Branchenveranstaltung für digitales Finanzieren und Investieren, am 9. September 2022 in Berlin renommierte Speaker aus der Welt der Fintechs, Politik, Wissenschaft und Medien.
Mann-Maske-Laptop-243500496-AS-zephyr-pMann-Maske-Laptop-243500496-AS-zephyr-pzephyr_p – stock.adobe.com
Management

Betrugsversuche um 250 Prozent gestiegen

Zwischen März und Juni, als sich durch den Lockdown in vielen Ländern Prozesse ins digitale Umfeld verlagern mussten, sah IDnow neue Entwicklungen im Identitätsbetrug: Die Fälle von Similarity Fraud sind in dieser Zeit um 231 Prozent angestiegen, Fake-ID-Betrüge stiegen um 180 Prozent und Social Engineering Attacken um 75 Prozent.
Anzugtraeger-Laptop-E-Mail-233586848-AS-MclittleStockAnzugtraeger-Laptop-E-Mail-233586848-AS-MclittleStockMclittleStock – stock.adobe.com
Management

IDnow bietet Regulatorik-Informationsservice

IDnow hat nun mit KYC Insider einen kostenlosen Informationsdienst zu regulatorischen Änderungen rund um Know-Your-Customer und Digitale Identitäten in Europa auf den Markt gebracht.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht