Senkung des Garantiezinses: Verluste erwartet
Die Absenkung des Garantiezinses auf 0,9 Prozent ist insgesamt schlecht für die Branche, aber dennoch erforderlich. Das gestehen sich die Versicherer selbst ein. Simon-Kucher & Partners hat mit einer Kurzbefragung unter Versicherungsmanagern ein Stimmungsbild der Branche eingefangen.
Dass die Absenkung schlecht für die Branche ist, geben demnach über die Hälfte der Befragten zu. Gleichzeitig sind drei Viertel der Meinung, dass diese Regelung zwingend ist. Die gute Nachricht: Fast jeder Zweite sieht in dem notwendigen Übel eine Chance. Dr. Dirk Schmidt-Gallas, Member of the Board bei Simon-Kucher, erklärt:
„Richtig so, Klassik hat endgültig ausgedient. Versicherer sollten nun das beste daraus machen und die Senkung vielleicht sogar positiv für sich nutzen.“
Stückeverluste und Gegenmaßnahmen
Das Ganze klingt zunächst nach einer Katastrophe: Die Hälfte der Befragten ist sich bereits sicher, dass die Absenkung des Garantiezinses zu massiven Stückeverlusten führen wird. Demnach erwarten acht von zehn einen Stückeverlust im zweistelligen Bereich für das kommmende Jahr. Über die Hälfte schätzt den Rückgang auf 10-25 Prozent ein. Mehr als jeder Zehnte glaubt, dass es Stückeverluste in Höhe von 35 Prozent oder mehr geben wird. Studienleiter Frank Gehrig, Director bei Simon-Kucher, erläutert:
„Das ist eine beachtliche Menge – aber überrascht nicht. Man wird den Beitrag nicht halten könnten. Die Versicherer haben nun handeln, um langfristig wieder auf einen grünen Zweig im Neugeschäft zu kommen.“
Das glauben auch die Befragten, die konkrete Maßnahmen ergreifen wollen. So planen fast drei Viertel der Befragten, neue Produkte mit alternativen Garantieformen und mehr als die Hälfte neue Produkte ohne Garantien auf den Markt zu bringen. Gehrig:
„In die Offensive zu gehen ist jetzt genau der richtige Weg.“
Eine weitere Reduktion von Verwaltungs- und Abschlusskosten – die mehr als die Hälfte planen – sieht Gehrig hingegen nicht als Lösung des Kernproblems. Die Begeisterung in der Branche hält sich also allgemein in Grenzen. Auch, da ein Großteil den Zeitdruck und verlorene Kapazitäten aufgrund der Garantiezinssenkung als lästig empfindet. Denn mehr als die Hälfte der Befragten findet, dass sie durch die notwendigen Reaktionen auf den abgesenkten Garantiezins daran gehindert wird, sich mit volumen- und ertragsrelevanten Themen zu beschäftigen. Und für rund ein Drittel wird die Überschussbeteiligung durch die Absenkung des Garantiezinses wichtiger. Schmidt-Gallas:
„Um in Zukunft wieder zu punkten muss die Assekuranz anpacken: nämlich jetzt neue Produkte entwickeln, die bei Endkunden und Vertrieb ankommen.“
Bild: © semisatch / fotolia.com
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