Der Boom bei historischen Automobilen lockt leider auch Gauner an und verunsichert die Oldtimer-Szene. Wie kann man Oldtimerdiebstahl vorbeugen? Woran erkennt man Fälschungen? Worauf sollten Händler, Gutachter und Restauratoren achten? Diesen Fragen ging die Mannheimer Versicherung AG beim BELMOT Fachtag 2016 in der "Klassikstadt" Frankfurt mit 180 Experten unterschiedlicher Spezialisierungen nach.
Oldtimeranwalt Michael Eckert, Anwaltskanzlei EDK Eckert, Klette & Kollegen in Heidelberg, sprach in seinem Vortrag über die juristischen Rahmenbedingungen beim Besitz oder dem Verkauf von Nachbauten und Fälschungen und ging auch auf das Thema Diebstahlprävention ein. Es sei zu beobachten, dass nicht nur hochpreisige Fahrzeuge von Diebstahl betroffen sind, sondern zunehmend auch solche aus einem niedrigeren Preissegment.
Er wies auf die dringende regelmäßige Aktualisierung von Wertgutachten hin, gerade, wenn ein Fahrzeug aufwendig restauriert wurde. Um vor dem Kauf eines gefälschten Wagens gefeit zu sein, sollte ein Käufer möglichst fachkundige Hilfe durch einen Sachverständigen oder spezialisierten Anwalt hinzuziehen. Gefälschte Urkunden und Fahrgestellnummern könnten so eher identifiziert werden. Besonderes Augenmerk sollte der potenzielle Käufer auf eine Restaurierungsdokumentation legen und prüfen, ob die vorgelegten Fotos tatsächlich das ins Auge gefasste Fahrzeug zeigen.
Sebastian Hoffmann, Leiter von FSP-Classic Competence in Frankfurt führte das Thema "Wie man die Originalität und Identität von historischen Fahrzeugen erkennt" in seinem informativen Vortrag weiter. Anhand zahlreicher Fotos stellte er Originale und Fälschungen gegenüber und verdeutlichte anschaulich, wie professionell Fälscher ihr Handwerk beherrschen. Auffällig sei jedoch, dass Kriminelle meist nur in einer Sache – entweder der Urkundenfälschung oder in der Fälschung ganzer Fahrzeuge, nicht jedoch in beidem – perfekte Arbeit leisten und deshalb der Schwindel oft doch auffiele.
Thomas Girod vertrat BELMOTs neuen Kooperationspartner Vodafone Automotive, erklärte die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten, gestohlene Fahrzeuge aufzufinden und verglich die Vor- und Nachteile von Tracking-Systemen, die eine permanente Nachverfolgung ermöglichen mit denen von sogenannten Sleepern, die lediglich im Diebstahlfall eine Verfolgung des Fahrzeugstandorts ermöglichen.
Anschließend widmeten sich die Referenten gemeinsam mit Hans-Jörg Götzl, Chefredakteur Motor Klassik und Hans-Joachim Weise, Geschäftsführer Schröder & Weise Classics GmbH in einer von BELMOT-Markenmanager Ralf Stumpfernagel moderierten Podiumsdiskussion möglichen Ansatzpunkten, wie Diebstahl und Erfahrungen mit Fälschungen verhindert werden können. "Es wird gefälscht, dass sich die Balken biegen", fasste Weise den bisherigen Tag und dessen Erfahrungen zusammen.
Gemeinsame Datenbanken über gefälschte Fahrzeuge und Fahrzeugteile, einen regelmäßigen Austausch innerhalb der Szene, z.B. in Wissenstransferveranstaltungen wie dem BELMOT Fachtag sowie die Sensibilisierung der Branche z.B. auch durch einen kritischeren Umgang der oldtimerrelevanten Themen in großen Nachrichtenmedien, seien äußerst wichtig. Derzeit berichteten große Tageszeitungen lediglich über den Glanz der Branche, jedoch nicht über deren Probleme. Das müsse sich ändern, forderte Fabian Ebrecht, ebenfalls Leiter von FSP-Classic Competence. Außerdem sei die lückenlose Dokumentation nachgefertigter und verbauter Teile eines Fahrzeugs unbedingt erforderlich, forderte Götzl. Darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig.
Bild: © Giuseppe Blasioli / fotolia.com
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