Pflegebedürftigkeit: nicht zur Last fallen

Veröffentlichung: 21.12.2015, 13:12 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Rund 2,8 Millionen Deutsche sind pflegebedürftig – Tendenz steigend. Eine Umfrage zeigt nun: Würde es die eigene Familie treffen, wären gut drei Viertel der Bundesbürger bereit, den Partner oder einen nahen Angehörigen bei sich aufzunehmen und zu pflegen. Trotzdem erwarten gerade einmal 16 Prozent dasselbe von ihren Verwandten, sollten sie selbst zum Pflegefall werden.

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54 Prozent der Befragten gaben an, lieber professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Familie nicht zu belasten. 31 Prozent sagten, sie hätten sich über die mögliche eigene Pflegebedürftigkeit noch keine Gedanken gemacht.

Die Rolle des Staats wird tendenziell zunehmen

„Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie viele Bundesbürger trotz der damit verbundenen Belastungen bereit sind, die eigenen Angehörigen zu pflegen. Das zeugt von einer enormen Hilfsbereitschaft und einem großen familiären Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Genauso greifbar ist andererseits aber die Furcht vieler Menschen, der Familie zur Last zu fallen. Das zeigt sich auch darin, dass zwei von drei Bundesbürgern bei dem Thema in erster Linie den Staat in der Pflicht sehen. Die öffentliche Hand wird darum in Zukunft eine noch größere Rolle bei der Pflege spielen müssen“, sagt Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma in Deutschland.

Staatlicher Zuschuss wäre eine wichtige finanzielle Motivation

Tatsächlich, so geht aus der Umfrage hervor, fürchten sich viele Menschen vor den Strapazen, die mit der Pflege des Partners oder eines Elternteils unweigerlich verbunden sind. So äußerten 53 Prozent der Befragten die Sorge, von dem Thema emotional überfordert zu werden; fast genauso viele antworteten, dass sie die Pflege körperlich überlasten könnte. 55 Prozent gaben zudem an, für die Aufnahme eines pflegebedürftigen Angehörigen eigentlich zu wenig Platz zu haben, während 47 Prozent generell meinten, sich die Pflege zu Hause finanziell nicht leisten zu können. Für drei Viertel der Bundesbürger wäre ein staatlicher Zuschuss darum eine Motivation, einen nahen Angehörigen zuhause zu pflegen – aber nur bei tatsächlich spürbarer monetärer Hilfe.

Viele Deutsche können sich Pflege im Ausland prinzipiell vorstellen

„Finanzielle Fragen spielen auch bei der Auswahl einer möglichen Pflegeeinrichtung eine wichtige Rolle“, resümiert Burkhart. „So könnte sich fast jeder zweite Deutsche prinzipiell vorstellen, einen nahen Angehörigen im Ausland pflegen zu lassen, wenn sich dadurch 1000 Euro im Monat einsparen ließen“. Allerdings würden die wenigsten Deutschen diese Option in jedem Fall wahrnehmen. Die meisten Befragten knüpfen die Pflege im Ausland an Bedingungen – etwa dass die Entfernung regelmäßige Besuche möglich macht oder es deutschsprachiges Personal und einen vergleichbaren medizinischen Standard gibt. Am ehesten können sich die Bundesbürger eine Pflege in Spanien oder Polen vorstellen.

An der Online-Panel-Umfrage beteiligten sich 1018 Bundesbürger ab 18 Jahren.

Bild: © lassedesignen / fotolia.com

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